SORA Schritt 10: Comprehensive Safety Portfolio – so stellst du dein Antragspaket zusammen

Dimitri
Von Dimitri - Plattform & Content Manager
22 Min. Lesezeit

Mit Schritt 9 hast du für jedes der 17 OSOs das geforderte Robustheitsniveau ermittelt. Damit ist Phase I abgeschlossen – die Anforderungen stehen. Schritt 10 ist die Stunde der Wahrheit: Alles, was vorher in Tabellen, Karten und Bewertungen entstanden ist, wird jetzt zu einem zusammenhängenden Dokumentenpaket, das die Behörde prüfen kann. Das Comprehensive Safety Portfolio (CSP) ist kein einzelnes Formular, sondern ein strukturiertes Argument: Du zeigst der Behörde, dass dein Betrieb sicher ist – und belegst es.

Das musst du wissen

  • Das Comprehensive Safety Portfolio (CSP) ist das vollständige Dokumentenpaket, das den SORA-Antrag bildet. Es besteht aus Risikobewertung, Betriebshandbuch, Compliance Matrix und allen Nachweisen.
  • Schritt 10 ist die einzige Phase-2-Tätigkeit in SORA 2.5 – hier wechselst du von der Anforderungsableitung zur Compliance-Demonstration.
  • Das EASA AMC definiert in S.4.10.3 sechs Pflichtbestandteile, die das CSP enthalten muss – von der finalen Betriebsbeschreibung über die Safety Claims bis zur Compliance Matrix.
  • Compliance Matrix und Betriebshandbuch sind die beiden zentralen Einreichdokumente: Das OM beschreibt, wie du etwas tust, die Matrix verweist darauf, wo die Behörde es findet.
  • LBA und Austro Control stellen jeweils eigene Pflichtformulare für die Compliance Matrix bereit – inhaltlich gleichwertig, aber in unterschiedlichen Versionen.

Dieser Ratgeber richtet sich an Drohnenpiloten und Unternehmen, die einen SORA-2.5-Antrag in der Specific Category vorbereiten. Er ist der letzte Teil unserer SORA-Schritt-für-Schritt-Serie – den vollständigen Überblick und den behördenspezifischen Antragsweg findest du in unserem SORA-Antrag-Leitfaden.

Was ist das Comprehensive Safety Portfolio?

Das EASA AMC beschreibt das CSP als „structured argument using the SORA process that is supported by a body of evidence which provides a robust safety case“ (Section S.4.10.1). Auf Deutsch: Du baust eine in sich schlüssige Argumentationskette auf, die zeigt, dass dein Betrieb sicher ist – und untermauerst sie mit Belegen.

Drei Begriffe werden in der Praxis oft verwechselt, gehören aber klar getrennt:

  • CSP (Comprehensive Safety Portfolio): Das Gesamtpaket. Alle Dokumente zusammen, die deinen Antrag bilden.
  • Operations Manual (Betriebshandbuch): Ein Dokument im CSP – das zentrale. Es beschreibt deinen Betrieb operativ.
  • Compliance Matrix: Ein Dokument im CSP – die strukturierte Querverweisliste, die zeigt, wo welche Anforderung im OM (oder in anderen Dokumenten) erfüllt ist.

Das CSP entsteht nicht erst in Schritt 10 von Grund auf. Vieles davon hast du in den vorangegangenen Schritten bereits angelegt: die ConOps aus Schritt 1, die GRC- und ARC-Bewertungen, deinen SAIL, die OSOs aus Schritt 9. Schritt 10 ist die Konsolidierung: Du nimmst alle Ergebnisse, fügst die nötigen Beschreibungen und Belege hinzu und bringst das Ganze in eine Form, die die Behörde prüfen kann.

📌 So ordnet das EASA AMC den Schritt ein
SORA 2.5 trennt den Prozess explizit in zwei Phasen: Phase 1 (Schritte 1–9) ist die Anforderungsableitung – hier ermittelst du, was du nachweisen musst. Phase 2 (Schritt 10) ist die Compliance-Demonstration – hier zeigst du, dass du es nachweisen kannst. Genau diese Zweiteilung ist der Grund, warum nach Schritt 9 ein behördliches Vorgespräch empfohlen wird: Bevor du Wochen in die Belegerstellung investierst, sollte die Risikobewertung abgestimmt sein.

Die sechs Pflichtbestandteile des CSP

Das EASA AMC listet in Section S.4.10.3 sechs Inhalte auf, die das CSP zwingend enthalten muss. Jeder dieser Punkte hat einen klaren Bezug zu einem der vorigen SORA-Schritte – das macht das CSP zur strukturierten Zusammenfassung der gesamten Risikobewertung.

1. Finalisierte Betriebsbeschreibung (aus Schritt 1)

Die detaillierte Beschreibung deiner geplanten Operation – Fluggebiet, UAS, Betriebsart, Crew, Verfahren – mit allen Boden- und Luftrisikoinformationen, die für die Bewertung der Safety Claims relevant sind.

2. Alle Safety Claims mit zugehöriger Robustheit (aus den Schritten 2–5)

Sämtliche Aussagen, die du zur Risikoreduktion getroffen hast: iGRC, M1(A)/M1(B)/M1(C), M2, initial ARC, strategische Air-Risk-Mitigations. Falls sich in Phase 1 noch etwas an der finalen Operation geändert hat, aktualisierst du die Claims hier.

3. Alle abgeleiteten Anforderungen (aus den Schritten 2–9)

Die finale GRC, die residuale ARC, die TMPRs, die OSOs auf SAIL-Niveau und die Containment-Anforderungen – also alles, was sich aus deinen Safety Claims als konkrete Anforderung ergibt.

4. Compliance Evidence

Die Daten, Fakten und Informationen, die jede einzelne Anforderung auf dem geforderten Robustheitsniveau belegen. Das EASA AMC unterscheidet hier ausdrücklich vier Kategorien von Evidenz: operationell, technisch, personell und organisatorisch.

5. Verlinkungen und Querverweise zwischen den Dokumenten

Das CSP muss in sich nachvollziehbar sein. Jeder Claim verweist auf den passenden Beleg, jede Anforderung auf das Kapitel des OM, in dem sie umgesetzt ist. Genau dafür existiert die Compliance Matrix als verbindendes Element.

6. Finalisierte Compliance Matrix

Das EASA AMC schlägt vor, dass die Matrix idealerweise schon in Phase 1 in einer initialen Version angelegt wird und in Schritt 10 nur finalisiert wird. In der Praxis spart das viel Zeit – wer die Matrix erst am Ende anlegt, vergisst typischerweise Querverweise.

Operations Manual – die Grundlage deines CSP

Das Operations Manual (OM) ist das umfangreichste Dokument im CSP. Es beschreibt deinen Betrieb so detailliert, dass die Behörde anhand des OM nachvollziehen kann, wie die operativen, technischen und organisatorischen Anforderungen erfüllt werden. Annex A.3 zum EASA AMC schlägt eine standardisierte Struktur mit den Parts A bis T plus Anhang vor:

  • Part A: Allgemeiner Teil (Organisation, Personal, Verantwortlichkeiten)
  • Part B: Verfahren (Multi-Crew-Koordination, Flugplanung, Wetter, Normal/Contingency/Emergency Procedures)
  • Part C: Fluggebiete inklusive Contingency Volume und Ground Risk Buffer
  • Part D: Training
  • Part E: Emergency Response Plan
  • Part M: Wartung
  • Part T: Technischer Teil zum UAS
  • Anhang: Nachweise, Listen, Checklisten, Hersteller-Manuals

Das LBA stellt ein Musterhandbuch zur Verfügung, das diese Struktur exakt abbildet und auch von der EASA veröffentlicht wurde. Die Austro Control bietet im Download-Bereich von dronespace.at ebenfalls eine OM-Vorlage. Beide Behörden empfehlen ausdrücklich die Nutzung dieser Vorlagen – Abweichungen erhöhen den Prüfaufwand und können die internationale Anerkennung des Handbuchs einschränken.

Wie du das OM konkret aufbaust, welche Inhalte in welchen Part gehören und worauf bei den einzelnen Kapiteln zu achten ist, beschreiben wir ausführlich in unserem Ratgeber zum SORA-konformen Betriebshandbuch. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Rolle, die das OM innerhalb des CSP spielt: Es ist das Dokument, auf das die Compliance Matrix in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle verweist.

Compliance Matrix – die Brücke zwischen Anforderung und Nachweis

Die Compliance Matrix ist das verbindende Element des CSP. Sie ist eine strukturierte Tabelle, die für jede SORA-Anforderung drei Angaben enthält:

  1. Welche Anforderung musst du erfüllen? (z. B. OSO #08, M1(B), Containment)
  2. Auf welchem Robustheitsniveau? (None / Low / Medium / High; bei OSOs zusätzlich NR)
  3. Wo findet sich der Nachweis? (Dokumentname plus konkretes Kapitel oder konkrete Seitenzahl)

Wichtig zum Verständnis: Die Compliance Matrix ist keine Sammlung von Belegen, sondern eine Verweisliste. Sie sagt der Behörde nicht, wie du eine Anforderung erfüllst – das steht im OM –, sondern wo sie das im OM oder einem anderen Dokument nachlesen kann. Das EASA AMC formuliert es in Annex A.4 explizit so: „This is not a list of evidence, but the reference where it can be found.“

Die Matrix gliedert sich nach denselben Bereichen, in denen auch die SORA-Schritte selbst gegliedert sind:

  • Ground Risk Mitigations: M1(A), M1(B), M1(C), M2
  • Strategic Air Risk Mitigations: ARC-Mitigation
  • Tactical Mitigations Performance Requirements (TMPR): TMPR Level, TMPR Functions (Detect, Decide, Command, Execute, Feedback loop), TMPR Robustness
  • Containment Requirements: Low / Medium / High / Tethered
  • Operational Safety Objectives (OSOs): alle 17 OSOs einzeln

💡 Tipp: Verweise immer mit konkreter Kapitel- oder Seitennummer
Ein pauschaler Verweis auf „das Betriebshandbuch“ reicht nicht. Die Behörde muss den Nachweis in Minuten finden können – nicht durch ein 200-seitiges Dokument blättern müssen. Lege die Compliance Matrix idealerweise schon parallel zum OM an und nicht erst am Ende, dann fügst du beim Schreiben jedes OM-Kapitels die richtige Verweisstelle gleich in die Matrix ein. Das EASA AMC enthält in Annex A.3 eine Referenztabelle, die zeigt, in welchem Part des OM jedes OSO typischerweise nachgewiesen wird – als Orientierung sehr hilfreich.

⚠️ Häufiger Fehler: Compliance Matrix als „Selbstauskunft“ missverstehen
Wer in der Matrix bei jedem OSO nur das Robustheitsniveau ankreuzt, aber bei „Reference to documentation“ wenig oder gar keinen Verweis einträgt, liefert eine unvollständige Matrix. Das Dokument verliert damit seinen Zweck – die Verknüpfung zwischen Anforderung und Beleg – und führt fast immer zu einer Rückfrage der Behörde. Die Matrix ohne saubere Querverweise gilt nicht als eingereicht.

Selbstdeklaration, Beleg oder Verifikation?

Wieviel Aufwand ein einzelner Nachweis tatsächlich erfordert, hängt vom Robustheitsniveau ab, das du in Schritt 9 aus Tabelle 14 abgeleitet hast. Das EASA AMC stuft die drei Niveaus eindeutig ab – und definiert, was die Behörde jeweils sehen will:

RobustheitWas muss in das CSP?Was passiert mit den Belegen?
LowStatement im CSP, dass das Integritätsniveau erreicht istBelege bleiben i. d. R. intern; Behörde kann sie jederzeit anfordern
MediumStatement plus konkrete BelegeBelege müssen mit dem Antrag eingereicht werden – außer du nutzt ein von der EASA veröffentlichtes Means of Compliance
HighStatement plus durch die Behörde (oder eine designierte Stelle) verifizierte BelegeBelege müssen vorgelegt und verifiziert werden, z. B. über einen Design Verification Report (DVR)

Für VLOS-Betriebe bis SAIL II gibt es zudem eine Erleichterung: Nach AMC1 Article 12(2)(a) kann die zuständige Behörde die Genehmigung allein auf Basis der validierten Compliance Matrix erteilen – ohne dass das vollständige Operations Manual mit allen Belegen mit eingereicht werden muss. Die Dokumente müssen aber im Unternehmen vorliegen und während der Gültigkeit der Genehmigung aktuell gehalten werden, da die Behörde sie jederzeit im Rahmen der Aufsicht anfordern kann.

📌 Praxisbeispiel: BVLOS-Inspektion bei SAIL III
Angenommen, du nutzt das BVLOS-Beispiel aus dem OSO-Artikel weiter: SAIL III ergibt nach Tabelle 14 sechs OSOs auf Low, neun auf Medium, eines auf High und eines auf NR. Für die neun Medium-OSOs musst du im CSP nicht nur die Verfahren beschreiben, sondern auch die zugrunde liegenden Belege beilegen – also Validierungstests, Trainingssyllabi, Wartungsprogramme. OSO #08 (operative Verfahren) wird auf SAIL III sogar auf High gefordert: Hier erwartet die Behörde verifizierte Nachweise. Für die Low-OSOs reicht jeweils ein Verweis ins OM. Der zeitliche Schwerpunkt der Belegerstellung liegt damit klar auf den Medium- und auf dem einen High-OSO.

🛠 Tool-Tipp: Initiale Compliance Matrix schon in Phase 1 anlegen
Das EASA AMC empfiehlt ausdrücklich, die Compliance Matrix bereits in Phase 1 als initiale Version anzulegen und in Schritt 10 nur zu finalisieren. wingman by skyzr führt dich digital durch die Risikoanalyse, leitet OSO-, TMPR- und Containment-Anforderungen automatisch ab und exportiert daraus den SORA-Bericht für den Antrag. Wer die Risikoanalyse digital hat, kann die Robustheitsniveaus für jede Anforderung direkt in die Matrix übernehmen – statt sie aus Tabellen, Notizen und Excel-Dateien zusammenzusuchen.

Einreichung beim LBA (Deutschland)

Das Luftfahrt-Bundesamt stellt für Schritt 10 zwei zentrale Dokumente bereit:

  • Antragsformular FV.GO-UASOPA-0106 (Specific Erstantrag) – das formale Antragsdokument inklusive integrierter Risikobewertung. Die Seiten 2 bis 6 enthalten die SORA-Angaben aus den Schritten 1 bis 9.
  • Compliance Matrix FV.GO-UASOPA-0107 (Rev. 1, 20.10.2025) – das separate Pflichtformular für die Querverweisliste nach Annex A.4 des EASA AMC.

Das Formular FV.GO-UASOPA-0107 deckt alle SORA-Bereiche ab: Ground Risk Mitigations (M1(A), M1(B), M1(C), M2), strategische Air-Risk-Mitigation, TMPRs (inkl. Detect, Decide, Command, Execute, Feedback loop und TMPR-Robustness), Containment und sämtliche 17 OSOs. Du kreuzt für jede Anforderung das jeweilige Robustheitsniveau an und trägst Dokumentname plus Kapitel-/Seitennummer ein. Am Ende bestätigst du mit Unterschrift, dass alle Anforderungen beschrieben und erfüllt sind. Den aktuellen Stand des Formulars findest du immer direkt auf der LBA-Formularseite zur Compliance Matrix.

Die Einreichung erfolgt per E-Mail an uas-specific@lba.de. Welche Dokumente und Nachweise für einen Erstantrag insgesamt erforderlich sind und in welcher Reihenfolge du sie zusammenstellst, beschreiben wir im Ratgeber zu den SORA-Antragsunterlagen. Für einfache VLOS-Betriebe bis SAIL II bietet das LBA seit SORA 2.5 zusätzlich das vereinfachte FastFlight-Verfahren an – ein eigenes Antragsformular mit reduziertem Dokumentationsaufwand, das wir in unserem FastFlight-Ratgeber im Detail erklären.

Bevor du die Phase-2-Dokumentation in Angriff nimmst, empfiehlt das LBA ein kostenloses Vorgespräch – Risikobewertung und geplanter Betrieb werden dabei auf Plausibilität geprüft. Den vollständigen Ablauf des Antrags beim LBA inklusive Vorgespräch, Bearbeitungszeiten und typischen Stolpersteinen beschreiben wir Schritt für Schritt im Ratgeber zum LBA-Antragsprozess.

Einreichung bei der Austro Control (Österreich)

In Österreich ist die Austro Control (ACG) zentral für alle SORA-Anträge zuständig. Sie stellt im Download-Bereich von dronespace.at ebenfalls ein eigenes Compliance-Matrix-Formular bereit:

  • Compliance Matrix SORA V2.5 (herausgegeben vom Drone Competence Center der Austro Control)
  • Antragsformular Specific Bewilligung SORA 2.5 – das formale Antragsdokument inklusive Risikoanalyse

Die inhaltliche Struktur der österreichischen Compliance Matrix ist mit der deutschen praktisch identisch – sie folgt ebenfalls dem Annex A.4 des EASA AMC. Beide enthalten dieselben Anforderungsblöcke (Ground Risk Mitigation, Strategic Air Risk Mitigation, TMPRs, Containment, alle 17 OSOs), dieselben Robustheitsstufen und dieselben Pflichtangaben für Dokumentname und Kapitel/Seite. Wer das eine Formular ausfüllen kann, kann auch das andere ausfüllen – die Substanz ist gleich. Den aktuellen Stand des Formulars findest du immer direkt auf der Dronespace-Downloadseite.

Die Einreichung erfolgt per E-Mail an dronespace@austrocontrol.at. Welche Dokumente und Nachweise für einen Erstantrag insgesamt erforderlich sind, beschreiben wir im Ratgeber zu den SORA-Antragsunterlagen. Die Austro Control empfiehlt, den Antrag mindestens zwei Monate vor dem geplanten Betriebsstart einzureichen und unbedingt das kostenlose Pre-Application Meeting zu nutzen – ein einstündiges Online-Gespräch mit einem Experten des Drone Competence Centers, das vor der formellen Einreichung Klarheit zu offenen Fragen schafft.

Den vollständigen Ablauf beim Antrag in Österreich – vom Pre-Application Meeting über die Einreichung bis zur Bewilligung – beschreiben wir Schritt für Schritt im Ratgeber zum Dronespace-Antragsprozess.

Häufige Stolpersteine beim CSP

Aus der Praxis lassen sich vier Fehler beobachten, die in Schritt 10 immer wieder auftreten und in der Regel zu Rückfragen oder Nachforderungen der Behörde führen.

1. Verweise in der Compliance Matrix sind zu pauschal

Wer „Betriebshandbuch, Kapitel B“ einträgt, statt „Betriebshandbuch, Kapitel 2.8.1, Seite 47″, zwingt die Prüferin oder den Prüfer zur Suche. Das ist nicht nur unhöflich, sondern erfüllt auch die Anforderung aus Annex A.4 nicht – die Matrix soll die Behörde direkt zum Beleg führen.

2. Risikobewertung, OM und Compliance Matrix passen nicht zusammen

Wenn in der Risikobewertung von „SAIL III“ die Rede ist, das OM aber Verfahren für SAIL II beschreibt und die Matrix für ein OSO ein Robustheitsniveau angibt, das für SAIL III gar nicht passt, hast du ein Konsistenzproblem. Solche Widersprüche sind einer der häufigsten Ablehnungsgründe und entstehen typischerweise, wenn die Dokumente nicht parallel, sondern nacheinander erstellt werden. Wir haben die typischen Fehlerquellen in einem eigenen Artikel zu SORA-Antragsfehlern zusammengestellt.

3. Belege für Medium-Anforderungen werden nicht beigelegt

Bei Medium-Robustheit gilt: Belege müssen mit dem Antrag eingereicht werden – außer du nutzt ein von der EASA veröffentlichtes Means of Compliance. Wer pauschal davon ausgeht, dass die Behörde sich die Belege später beschafft, riskiert, dass der Antrag als unvollständig zurückgewiesen wird.

4. Externe Dienstleister sind nicht ausreichend dokumentiert

Wenn du externe Services nutzt (Wartung, Software, ATC-Koordination, U-space-Services), erwartet das EASA AMC im CSP einen Verweis auf das jeweilige Service Level Agreement (SLA) mit klarer Abgrenzung der Verantwortlichkeiten zwischen Dienstleister und Operator. Das gilt insbesondere für OSO #13. Ein bloßer Hinweis „wird extern erbracht“ reicht nicht.

Zusammenfassung

  • Das Comprehensive Safety Portfolio (CSP) ist das vollständige Antragspaket: Risikobewertung, Betriebshandbuch, Compliance Matrix und alle Nachweise zusammen – nicht ein einzelnes Dokument.
  • Schritt 10 ist Teil von Phase 2 in SORA 2.5 – hier wechselst du von der Anforderungsableitung zur Compliance-Demonstration.
  • Das EASA AMC verlangt sechs Pflichtbestandteile im CSP: finalisierte Betriebsbeschreibung, alle Safety Claims, alle abgeleiteten Anforderungen, Compliance Evidence, Querverweise und die finalisierte Compliance Matrix.
  • Das Betriebshandbuch beschreibt operativ, wie du Anforderungen erfüllst; die Compliance Matrix verweist auf die konkrete Stelle, an der die Behörde den Nachweis findet.
  • Wieviel Aufwand ein einzelner Nachweis erfordert, hängt von der Robustheit ab: Low = Selbstdeklaration, Medium = Statement plus Belege (außer EASA-AMC), High = behördlich verifizierte Belege.
  • LBA-Antragsteller nutzen Formular FV.GO-UASOPA-0106 + Compliance Matrix FV.GO-UASOPA-0107 (uas-specific@lba.de); Austro-Control-Antragsteller nutzen Antragsformular Specific Bewilligung + Compliance Matrix SORA V2.5 (dronespace@austrocontrol.at).

Mit Schritt 10 endet unsere SORA-Schritt-für-Schritt-Serie. Wenn du den Prozess von Anfang an durcharbeiten oder einzelne Schritte vertiefen möchtest, findest du alle zehn Artikel in unserem SORA-Antrag-Leitfaden. Wer den gesamten SORA-Prozess bis zum Antrag mit einem digitalen Tool durchgängig abbilden möchte, findet in wingman by skyzr eine passende Lösung, die alle Dokumente konsistent hält. Bei komplexeren Operationen oder Unsicherheit zur spezifischen Risikolage unterstützt dich unsere persönliche SORA-Beratung.

Dieser Beitrag ist Teil unseres umfassenden SORA-Antrag-Leitfadens und basiert auf den EASA AMC & GM to Regulation (EU) 2019/947, Issue 1, Amendment 3 (ED Decision 2025/018/R) – der offiziellen Grundlage für SORA 2.5 in der EU. Behördenspezifische Angaben zu Deutschland stammen vom Luftfahrt-Bundesamt, Angaben zu Österreich von der Austro Control über dronespace.at.

Häufige Fragen zum Comprehensive Safety Portfolio

Ist das Comprehensive Safety Portfolio ein einzelnes Dokument?

Nein. Das CSP ist die Gesamtheit aller Dokumente, die deinen SORA-Antrag bilden – Risikobewertung, Betriebshandbuch, Compliance Matrix, Nachweise. Das EASA AMC beschreibt es ausdrücklich als „collection of documents“.

Brauche ich eine separate Compliance Matrix oder reicht das Betriebshandbuch?

Eine separate Compliance Matrix ist verpflichtend. Das Betriebshandbuch beschreibt die Verfahren, die Matrix verweist auf die konkreten Stellen im OM und in anderen Dokumenten. Beide Behörden – LBA und Austro Control – stellen eigene Pflichtformulare bereit.

Was passiert, wenn die Belege für ein Medium-OSO fehlen?

Bei Medium-Robustheit müssen Belege mit dem Antrag eingereicht werden, sofern du kein von der EASA veröffentlichtes Means of Compliance nutzt. Fehlen sie, fordert die Behörde sie nach – das verlängert die Bearbeitung typischerweise um Wochen.

Kann ich für meinen Antrag in Deutschland auch das österreichische Compliance-Matrix-Formular verwenden?

Nein, das LBA erwartet das Formular FV.GO-UASOPA-0107. Die inhaltlichen Anforderungen sind zwar identisch, das Formular selbst ist aber Pflicht.

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Mein Name ist Dimitri Wolf, ich arbeite als Plattform- und Content-Manager bei skyzr und beschäftige mich seit 2016 mit Drohnen. Mit meinen Beiträgen möchte ich dir helfen, die teils komplexen Themen rund um Drohnen besser zu verstehen und dein Wissen und Können zu erweitern, damit du es praktisch anwenden kannst.
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