Du willst in Österreich in der Specific Category fliegen und brauchst dafür eine Betriebsbewilligung nach SORA. Die zuständige Stelle ist die Austro Control – genauer gesagt das Drone Competence Center. Im Vergleich zum Verfahren in Deutschland läuft der Prozess in Österreich über einen einzigen Ansprechpartner und folgt einem klar definierten 6-Schritte-Ablauf. Dieser Artikel zeigt dir, welche Unterlagen du brauchst, wie du den Antrag Schritt für Schritt einreichst und worauf du achten solltest, damit es nicht zu unnötigen Verzögerungen kommt.
Das musst du wissen
- In Österreich ist die Austro Control (Drone Competence Center) die einzige zuständige Behörde für Betriebsbewilligungen in der Specific Category
- Der Antrag basiert auf einer vollständigen Risikobewertung nach SORA 2.5 und wird per E-Mail eingereicht
- Du benötigst vier Kernunterlagen: Antragsformular inkl. SORA, Betriebshandbuch, Nachweisliste (Compliance Matrix) und ergänzende Konformitätsnachweise
- Austro Control bietet ein kostenloses Pre-Application Meeting an, das du unbedingt nutzen solltest
- Plane mindestens 2 Monate Vorlaufzeit vor deinem geplanten Betriebsstart ein
- Änderungen an einer bestehenden Bewilligung sind möglich, solange sich die Charakteristika des Betriebs nicht erheblich ändern
Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden SORA-Antrag für Drohnen: Leitfaden. Dort findest du den vollständigen Überblick über den gesamten SORA-Prozess, die Voraussetzungen und alle relevanten Grundlagen. Der folgende Beitrag konzentriert sich konkret auf den Ablauf bei der Austro Control in Österreich und beschreibt diesen Schritt für Schritt, damit du direkt in die Umsetzung gehen kannst.
Hinweis zur Aktualität: Die Informationen in diesem Artikel basieren auf den offiziellen Angaben der Austro Control auf dronespace.at und werden von uns regelmäßig geprüft und aktualisiert. Verbindlich sind ausschließlich die jeweils aktuellen Angaben auf den offiziellen Seiten der Austro Control. Insbesondere Bearbeitungszeiten und Formularanforderungen können sich kurzfristig ändern – prüfe diese vor deiner Antragstellung direkt bei der Austro Control.
Diese Unterlagen brauchst du für den SORA-Antrag
Bevor du dich mit dem eigentlichen Ablauf beschäftigst, solltest du wissen, welche Dokumente du für einen vollständigen Antrag benötigst. Denn unvollständige Einreichungen führen fast immer zu Verzögerungen.
Für eine Betriebsbewilligung mittels vollständiger spezifischer Risikobewertung (SORA 2.5) musst du als UAS-Betreiber folgende Unterlagen einreichen:
- Antragsformular: Das offizielle Formular der Austro Control, ausgefüllt und unterzeichnet, inklusive der SORA-Risikobewertung
- Betriebshandbuch (Operations Manual): Beschreibt deinen geplanten Betrieb, die Verfahren und Sicherheitsmaßnahmen. Hinweise zur Erstellung stellt die Austro Control auf dronespace.at bereit.
- Nachweisliste (Compliance Matrix): Dokumentiert, wie du die einzelnen Anforderungen aus der Risikobewertung erfüllst. Die Vorlage dafür findest du ebenfalls auf dronespace.at.
- Ergänzende Nachweise: Dokumente und Konformitätsnachweise, die deine Risikobewertung belegen – zum Beispiel KML-Dateien der Fluggebiete, Ergebnisse von Flugtests oder Analysedaten.
Einen detaillierten Überblick über die einzelnen Antragsunterlagen und was bei der Erstellung zu beachten ist, findest du in unserem Ratgeber zu den SORA-Antragsunterlagen.
💡 Tipp: Bereite alle Unterlagen vollständig vor, bevor du den Antrag einreichst. Die Austro Control prüft jedes Dokument im Detail. Fehlende oder unvollständige Nachweise führen zu Verbesserungsaufträgen, die den gesamten Prozess verzögern.
Die Risikoanalyse: Grundlage deines Antrags
Das Herzstück jedes SORA-Antrags ist die Risikoanalyse. Sie bestimmt, welches Risiko dein geplanter Betrieb für Menschen am Boden und in der Luft darstellt – und welche Maßnahmen du ergreifen musst, um dieses Risiko auf ein akzeptables Niveau zu senken.
Bevor du also das Antragsformular ausfüllst und deine Unterlagen zusammenstellst, musst du die SORA-Methodik durcharbeiten. Im Kern geht es dabei um folgende Schritte:
- Betriebskonzept definieren (ConOps): Beschreibe deinen geplanten Betrieb – wo, wie hoch, mit welchem UAS und in welcher Betriebsart (VLOS/BVLOS) du fliegen willst.
- Bodenrisiko bestimmen: Ausgehend von deinem Betriebskonzept ermittelst du die initiale Bodenrisikoklasse (GRC) und senkst sie gegebenenfalls durch Mitigationsmaßnahmen auf die finale GRC.
- Luftrisiko bestimmen: Du bewertest das Risiko durch anderen Luftverkehr im geplanten Fluggebiet und bestimmst die Air Risk Class (ARC).
- SAIL ableiten: Aus dem kombinierten Boden- und Luftrisiko ergibt sich dein Specific Assurance and Integrity Level – das SAIL bestimmt, welche konkreten Anforderungen (OSOs) du erfüllen musst.
- OSOs und Mitigationen nachweisen: Du zeigst auf, wie dein Betrieb die erforderlichen Operational Safety Objectives erfüllt.
Prüfe mit deinem Betriebskonzept zunächst auch, ob dein Einsatz nicht doch noch in die Open Category fällt und eine Betriebsgenehmigung tatsächlich erforderlich ist. Auch gewerbliche Einsätze können unter bestimmten Bedingungen ohne SORA durchgeführt werden.
Wir werden die einzelnen Schritte der SORA-Risikoanalyse in einem separaten Artikel noch ausführlich erklären. Dort gehen wir Schritt für Schritt durch die gesamte Methodik – von der initialen Bodenrisikoklasse bis zur fertigen Risikobewertung. Einen ersten Überblick darüber, wann du überhaupt einen SORA-Antrag brauchst, haben wir bereits in einem eigenen Ratgeber zusammengefasst.
Der Antragsprozess bei der Austro Control – 6 Schritte
Der offizielle Prozess der Austro Control folgt einem klaren Ablauf in sechs Schritten. Die folgende Grafik von dronespace.at zeigt diesen Ablauf im Überblick:

Schritt 1: Pre-Application Meeting vereinbaren und durchführen
Bevor du deinen Antrag offiziell einreichst, bietet die Austro Control ein kostenloses Pre-Application Meeting an. Dieses einstündige Online-Meeting findet zwischen dir als Antragsteller und einem Experten oder einer Expertin des Drone Competence Centers statt.
Das Meeting bietet dir die Möglichkeit, bereits im Anfangsstadium konkrete Fragen zu klären:
- Besonderheiten deines geplanten UAS-Betriebs besprechen
- Generelle Anliegen zum Antragsprozess klären
- Spezifische Fragen zur SORA-Methodik stellen
- Frühzeitig Feedback zur Ausrichtung deiner Risikobewertung erhalten
Um ein Pre-Application Meeting zu vereinbaren, meldest du dich per E-Mail unter dronespace@austrocontrol.at.
💡 Tipp: Nutze das Pre-Application Meeting, auch wenn du dich bereits gut mit SORA auskennst. Die Experten der Austro Control können dir frühzeitig Hinweise geben, die dir später Nachbesserungsrunden ersparen. Im Gegensatz zum Vorgespräch beim LBA in Deutschland gibt es in Österreich keine lange Warteschlange für diesen Termin – der Einstieg ist also deutlich niedrigschwelliger.
Schritt 2: Antrag einreichen
Wenn du alle Unterlagen vorbereitet hast, reichst du deinen Antrag ein. Die Einreichung erfolgt per E-Mail an dronespace@austrocontrol.at. Folgende Dokumente schickst du mit:
- Ausgefülltes und unterzeichnetes Antragsformular (inkl. SORA)
- Betriebshandbuch (Operations Manual)
- Nachweisliste (Compliance Matrix)
- Ergänzende Dokumente und Konformitätsnachweise (z. B. KML-Dateien, Flugtests, Analysedaten)
Nach dem Eingang erhältst du eine Eingangsbestätigung mit einer Geschäftszahl. Diese Geschäftszahl ist deine Referenznummer für alle weiteren Kommunikation mit der Austro Control.
⚠️ Wichtig: Die Austro Control empfiehlt, den Antrag mindestens 2 Monate vor dem geplanten Betriebsstart einzureichen. Die Bearbeitungsdauer variiert je nach Komplexität deines Betriebs, und bei Nachbesserungsbedarf verlängert sich der Prozess entsprechend. Plane daher lieber etwas mehr Vorlaufzeit ein.
Schritt 3: Prüfung durch Austro Control
Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens werden alle eingereichten Unterlagen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Drone Competence Centers im Detail geprüft. Die Austro Control prüft dabei insbesondere:
- Vollständigkeit und Konsistenz der SORA-Risikobewertung
- Plausibilität des Betriebskonzepts
- Übereinstimmung zwischen Risikobewertung und Betriebshandbuch
- Korrektheit der Nachweisführung in der Compliance Matrix
Falls Unterlagen mangelhaft sind oder Unklarheiten bestehen, erteilt die Austro Control einen Verbesserungsauftrag. In diesem Fall wirst du aufgefordert, bestimmte Dokumente zu ergänzen oder zu korrigieren. Das kostet zusätzliche Zeit – ein weiterer Grund, warum die Qualität der Ersteinreichung so wichtig ist.
Schritt 4: Ergebnis der Beweisaufnahme (EdB)
Wenn die Prüfung abgeschlossen ist, sendet die Austro Control das Ergebnis der Beweisaufnahme (EdB) an dich als Betreiber oder an eine von dir bevollmächtigte Person. Das EdB fasst die Ergebnisse der Prüfung zusammen und bildet die Grundlage für den endgültigen Bescheid.
Schritt 5: Bestätigung des EdB
Nachdem du das Ergebnis der Beweisaufnahme erhalten hast, bestätigst du dieses. Die Bestätigung erfolgt durch dich als Betreiber oder durch eine bevollmächtigte Person. Mit dieser Bestätigung signalisierst du, dass du die Ergebnisse der Prüfung zur Kenntnis genommen hast und mit den festgestellten Rahmenbedingungen einverstanden bist.
Schritt 6: Zustellung des Bescheids (Genehmigung)
Im letzten Schritt erhältst du den Bescheid – also die eigentliche Betriebsbewilligung. Diese wird dir oder einer bevollmächtigten Person zugestellt. Mit dem Bescheid darfst du deinen UAS-Betrieb im Rahmen der genehmigten Parameter in der Specific Category durchführen.
Änderung einer bestehenden Betriebsbewilligung
Wenn sich nach Erteilung der Bewilligung Änderungen an deinem Betrieb ergeben, musst du nicht zwingend einen komplett neuen Antrag stellen. Die Austro Control bietet die Möglichkeit, eine Aktualisierung der bestehenden Bewilligung zu beantragen.
Dafür gelten allerdings klare Bedingungen: Die Charakteristika deines Betriebs dürfen sich nicht erheblich ändern. Das bedeutet konkret, dass zum Beispiel eine Abänderung des Boden- oder Luftrisikos nicht über eine einfache Aktualisierung abgedeckt werden kann. In solchen Fällen wäre ein neuer Antrag erforderlich.
Die Genehmigungsdauer der Aktualisierung orientiert sich am Enddatum der ursprünglichen Erstbewilligung – die Aktualisierung verlängert also nicht automatisch die Laufzeit deiner Genehmigung.
Wie lange dauert der SORA-Antrag insgesamt?
Die Gesamtdauer deines SORA-Antrags setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der Zeit für die Erstellung deiner Unterlagen und der Bearbeitungszeit durch die Austro Control.
Die Erstellung einer vollständigen SORA-Dokumentation dauert je nach Erfahrung und Komplexität des Betriebs erfahrungsgemäß zwischen 30 und 80 Stunden. Das umfasst die Risikoanalyse, das Betriebshandbuch und die Compliance Matrix.
Die Bearbeitungsdauer durch die Austro Control variiert je nach Komplexität des Betriebs. Die offizielle Empfehlung lautet, den Antrag mindestens 2 Monate vor dem geplanten Betriebsstart einzureichen. In der Praxis kann die Bearbeitungszeit bei einfachen Betrieben kürzer ausfallen, bei komplexen Einsätzen oder Nachbesserungsbedarf aber auch deutlich länger dauern.
Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Zeitfaktoren findest du in unserem Ratgeber zur Dauer eines SORA-Antrags.
Zusammenfassung
- Die Austro Control (Drone Competence Center) ist in Österreich die einzige zuständige Behörde für Betriebsbewilligungen in der Specific Category
- Der Antrag basiert auf einer vollständigen Risikobewertung nach SORA 2.5 und erfordert vier Kernunterlagen: Antragsformular, Betriebshandbuch, Compliance Matrix und ergänzende Nachweise
- Der Prozess folgt einem klaren 6-Schritte-Ablauf: Pre-Application Meeting, Einreichung, Prüfung, Ergebnis der Beweisaufnahme, Bestätigung und Bescheid
- Nutze das kostenlose Pre-Application Meeting mit der Austro Control, um Fehler frühzeitig zu vermeiden
- Reiche deinen Antrag mindestens 2 Monate vor dem geplanten Betriebsstart ein – bei komplexen Betrieben besser früher
- Änderungen an bestehenden Bewilligungen sind möglich, solange sich das Risikoprofil nicht erheblich ändert
Den SORA-Prozess effizienter gestalten
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Mehr zu den notwendigen Unterlagen findest du in unserem Ratgeber zu den SORA-Antragsunterlagen. Den vollständigen Überblick über den SORA-Prozess – von der Methodik bis zur Einreichung – gibt unser SORA-Leitfaden: Betriebsgenehmigung in der Specific Category beantragen.
Häufige Fragen zum SORA-Antragsprozess bei der Austro Control
Die Bearbeitungsdauer hängt von der Komplexität deines UAS-Betriebs ab. Die Austro Control empfiehlt, den Antrag mindestens 2 Monate vor dem geplanten Betriebsstart einzureichen. Bei Nachbesserungsbedarf kann sich der Prozess entsprechend verlängern.
Die Austro Control erteilt einen Verbesserungsauftrag. Du erhältst eine Rückmeldung, welche Dokumente ergänzt oder korrigiert werden müssen. Der Prüfprozess wird erst fortgesetzt, wenn die Nachbesserungen eingereicht sind – das kostet zusätzliche Zeit.
Ja. Die Austro Control erlaubt, dass eine bevollmächtigte Person den Antrag einreicht und die Kommunikation im Genehmigungsverfahren übernimmt. Das kann beispielsweise ein externer Berater oder ein Mitarbeiter deines Unternehmens sein.
Nicht automatisch. Für grenzübergreifende Einsätze innerhalb der EU benötigst du eine Bestätigung der zuständigen Behörde des jeweiligen Mitgliedsstaats. Diese muss gemäß Artikel 12 der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 eingeholt werden.
In Deutschland ist das Verfahren komplexer: Je nach Bundesland ist entweder das LBA oder eine Landesluftfahrtbehörde zuständig, es gibt zwei Verfahrenswege (regulär und FastFlight), und die Wartezeiten betragen aktuell deutlich mehr als sechs Monate. In Österreich gibt es mit der Austro Control einen einzigen Ansprechpartner und einen klar definierten 6-Schritte-Prozess. Die Details zum Verfahren in Deutschland findest du in unserem Artikel zum SORA-Antrag beim LBA.
Nicht jeder Drohneneinsatz erfordert eine Betriebsbewilligung in der Specific Category. Viele gewerbliche Einsätze lassen sich auch in der Open Category durchführen. Ob du tatsächlich einen SORA-Antrag brauchst, hängt von Faktoren wie Flughöhe, Einsatzgebiet, Drohnengewicht und Betriebsart ab. In unserem Ratgeber erfährst du im Detail, wann du einen SORA-Antrag benötigst.
Quellen:
- Austro Control / Dronespace: Antrag stellen in der Specific Category
- Durchführungsverordnung (EU) 2019/947
