Wann brauche ich einen SORA-Antrag? Die 4 Voraussetzungen im Überblick

Dimitri
Von Dimitri - Plattform & Content Manager
14 Min. Lesezeit

Du planst einen gewerblichen Drohnenflug und merkst, dass er sich nicht mehr ohne Weiteres in der Open-Kategorie umsetzen lässt – zu hoch, zu weit, außerhalb der Sichtweite oder über Personen. Was jetzt? Für Flüge außerhalb der Open-Kategorie brauchst du eine Betriebsgenehmigung in der Specific-Kategorie. Der häufigste Weg dorthin führt über die SORA-Methodik.

Kurz zur Terminologie: SORA (Specific Operations Risk Assessment) ist eine standardisierte Methodik zur Risikobewertung – kein Dokument, das du beantragst, sondern das Verfahren, mit dem du nachweist, dass dein Betrieb sicher durchgeführt werden kann. Was du bei der zuständigen Behörde beantragst, ist die Betriebsgenehmigung. Die SORA-Risikobewertung ist die Grundlage dafür. Was SORA genau ist und wie die Methodik funktioniert, erklären wir in einem eigenen Artikel.

Ob du diesen Weg überhaupt gehen kannst und musst, hängt von vier konkreten Voraussetzungen ab – die wir in diesem Beitrag besprechen. Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden Ratgebers zum SORA-Antrag.

Das musst du wissen

  • Ob du eine Betriebsgenehmigung über SORA beantragen kannst, hängt von vier konkreten Voraussetzungen ab
  • Liegt dein Flug noch in der Open-Kategorie, ist SORA nicht notwendig – und auch nicht zulässig
  • Flüge, die in die Certified-Kategorie fallen, können nicht über die SORA-Methodik genehmigt werden
  • In der Praxis führt der Weg zur Betriebsgenehmigung fast immer über SORA – die Alternativen sind sehr eingeschränkt
  • STS funktioniert nur mit C5/C6-Drohnen – diese sind zwar am Markt verfügbar, aber für die meisten professionellen Einsätze nicht das richtige Gerät
  • PDRA deckt nur wenige vordefinierte Szenarien ab und ist für die meisten Einsätze zu starr
  • LUC ist nur für Unternehmen mit einem Sicherheitsmanagementsystem relevant

Dieser Artikel richtet sich an gewerbliche Drohnenpiloten, die außerhalb der Open-Kategorie fliegen und klären wollen, ob sie eine Betriebsgenehmigung über die SORA-Methodik beantragen können.

Voraussetzung 1: Dein Flug kann nicht in der Open-Kategorie stattfinden

Bevor du weiterließt: Bist du sicher, dass dein Flug wirklich eine Betriebsgenehmigung braucht? Falls nicht, lies zuerst unseren Ratgeber Wann brauche ich eine Betriebsgenehmigung für meine Drohne?. Dort findest du einen Selbsttest, der dir genau zeigt, ob dein Einsatz noch in die Open-Kategorie fällt.

Die Open-Kategorie hat klare Grenzen. Überschreitest du auch nur eine davon, ist SORA eine mögliche Option – aber zunächst nur eine mögliche, denn es gibt weitere Bedingungen.

Dein Flug fällt nicht mehr in die Open-Kategorie, wenn:

  • Du über 120 Meter AGL fliegst (beachte die Ausnahmen bei Infrastruktur wie Windrädern, Strommasten oder Gebäuden)
  • Deine Drohne schwerer als 25 kg ist oder über den erlaubten Höchstgeschwindigkeiten betrieben wird
  • Du außerhalb der Sichtweite fliegst (BVLOS) – das gilt auch für FPV-Flüge ohne Beobachter
  • Du mit einer Drohne über 249 g über unbeteiligten Personen fliegst
  • Du Gegenstände abwerfen willst

Trifft auch nur einer dieser Punkte zu, kann der Flug nicht mehr pauschal in der Open-Kategorie stattfinden. Damit ist die erste Voraussetzung erfüllt, um eine Betriebsgenehmigung über die SORA-Methodik beantragen zu können.

Voraussetzung 2: Dein Flug fällt nicht in die Certified-Kategorie

Die Certified-Kategorie ist die höchste Anforderungsstufe im EU-Drohnensystem – vergleichbar mit der bemannten Luftfahrt. Bestimmte Einsätze können grundsätzlich nicht über die SORA-Methodik genehmigt werden, weil sie zwingend in die Certified-Kategorie fallen.

Das ist der Fall, wenn:

  • du über Menschenansammlungen fliegst
  • du Personen transportierst
  • du gefährliche Güter befördert, die bei einem Unfall ein hohes Risiko für Dritte darstellen können
  • die zuständige Behörde bei der SORA-Risikoanalyse feststellt, dass das Risiko nur durch eine Zertifizierung eingrenzbar ist

Trifft keiner der genannten Punkte auf deinen Einsatz zu, ist die zweite Voraussetzung erfüllt.

Voraussetzung 3: Dein Einsatz wird nicht durch STS, PDRA oder LUC abgedeckt

Bevor du eine Betriebsgenehmigung über die SORA-Methodik beantragst, lohnt sich ein kurzer Check: Gibt es ein Standardszenario (STS), eine Vordefinierte Risikoanalyse (PDRA) oder ein LUC, das deinen Einsatz bereits abdeckt? Falls ja, wäre dieser Weg schneller und einfacher. In der Praxis scheiden diese Alternativen für die meisten Piloten aber aus – STS setzt C5/C6-Drohnen voraus, die kaum am Markt verfügbar sind; PDRA funktioniert nur für sehr spezifische, wiederkehrende Einsätze mit kontrollierten Bedingungen; und ein LUC kommt nur für Großunternehmen mit einem vollständigen Sicherheitsmanagementsystem infrage. Für flexible, individuelle Drohneneinsätze passt keines der drei in aller Regel. Alle Alternativen mit ihren genauen Anforderungen findest du in unserem Vergleichsartikel zu STS, PDRA, SORA und LUC.

Voraussetzung 4: Keine behördlichen Ausschlussgründe

Die letzte Voraussetzung betrifft die zuständige Behörde selbst. Jede Luftfahrtbehörde kann spezifische Ausschlusskriterien definieren, die eine Betriebsgenehmigung auf Basis von SORA von vornherein ausschließen – etwa wegen bestehender Flugverbote in bestimmten Zonen oder anderer behördenspezifischer Regelungen.

Eine SORA-Risikobewertung ist kein Freifahrtschein für jeden beliebigen Drohneneinsatz. Bestimmte Operationen bleiben auch mit SORA untersagt. Das ist die Ausnahme, aber du solltest es im Blick haben, besonders bei ungewöhnlichen Einsatzorten oder -szenarien.

Sind alle vier Voraussetzungen erfüllt, kannst du deine Betriebsgenehmigung auf Basis einer SORA-Risikobewertung beantragen.

Der Entscheidungsbaum: Welchen Weg gehst du?

START: Du brauchst eine Betriebsgenehmigung

Hast du eine C5/C6-Drohne UND passt dein Einsatz exakt in STS-01 oder STS-02?
✅ JA: Nutze STS (sehr selten der Fall)
❌ NEIN: Weiter

Passt dein Einsatz exakt in ein PDRA-Szenario? (Kontrollierter Bodenbereich, max. 2 km BVLOS, spezifische Bedingungen vollständig erfüllt)
✅ JA: PDRA prüfen (möglich, aber oft zu einschränkend für flexible Einsätze)
❌ NEIN: Weiter

Bist du ein Großunternehmen und lohnt sich ein LUC? (Oder gibt es eine Kooperation mit einem LUC-Inhaber?)
✅ JA: LUC oder Kooperationsmöglichkeit prüfen
❌ NEIN: Weiter

→ Deine Betriebsgenehmigung läuft über SORA

Die allermeisten Drohnenpiloten beantragen ihre Betriebsgenehmigung über die SORA-Methodik – und das ist der normale Weg für professionelle Einsätze mit individuellen Anforderungen.

Typische Einsätze, für die eine Betriebsgenehmigung über SORA nötig ist

Diese Einsatztypen passen regelmäßig nicht in STS oder PDRA – für sie ist eine Betriebsgenehmigung auf Basis einer individuellen SORA-Risikobewertung der einzige Weg:

Video- und Fotoproduktion: Werbevideos, Imagefilme, Immobilienaufnahmen für wechselnde Kunden an unterschiedlichen Orten – mal in der Stadt, mal auf dem Land, mal über Wasser. STS und PDRA können diese Flexibilität nicht abbilden.

Lineare Infrastruktur-Inspektion: Straßen, Bahngleise, Stromleitungen, Pipelines – diese erstrecken sich über viele Kilometer durch unterschiedliche Gebietstypen. BVLOS über mehr als 2 km und kein kontrollierbarer Bodenbereich sind die Regel.

Vermessungsflüge: Geländevermessungen, Volumenmessungen, Kartierungen für verschiedene Auftraggeber mit wechselnden Projektgrößen und -lagen, teilweise über 120 m.

Industrieinspektionen: Windräder, Solarpanels, Industrieanlagen – oft BVLOS, häufig nicht-kontrolliertes Gelände, spezielle Flugmuster.

Forschungsprojekte: Umweltmonitoring, technische Erprobung, wissenschaftliche Studien mit individuellen Anforderungen, die in kein Standardszenario passen.

Was bedeutet das für dich?

Ja, der Weg zur Betriebsgenehmigung über eine SORA-Risikobewertung ist aufwendiger als eine STS-Betriebserklärung. Bei der zuständigen Behörde musst du aktuell mit einer Bearbeitungszeit von mehr als sechs Monaten für einen Erstantrag rechnen. Dazu kommt die Zeit für die Erstellung des Betriebshandbuchs (ConOps) und der Risikobewertung.

Aber: SORA ist eine methodisch klar strukturierte Risikobewertung nach EASA-Vorgaben. Mit der richtigen Vorbereitung ist sie absolut machbar – und die daraus resultierende Betriebsgenehmigung bietet dir etwas, das weder STS noch PDRA leisten können: maximale Flexibilität für deine individuellen Einsätze. Eine einmal erteilte Betriebsgenehmigung kannst du für Folgeeinsätze über Änderungsanträge anpassen. Diese laufen in der Regel deutlich schneller durch als der Erstantrag. Du baust dir also ein Asset auf, das dir langfristig Handlungsspielraum gibt.

⚠️ Wichtiger Hinweis: Schiebe SORA nicht auf. Die Bearbeitungszeit bei der zuständigen Behörde beträgt aktuell mehr als sechs Monate – diese Zeit läuft parallel zu deiner Einsatzplanung. Je früher du anfängst, desto schneller kannst du legal in der Specific-Kategorie fliegen.

Zusammenfassung

  • Für eine Betriebsgenehmigung über SORA müssen vier Voraussetzungen erfüllt sein: Flug außerhalb der Open-Kategorie, nicht in der Certified-Kategorie, kein passendes STS/PDRA/LUC-Szenario, kein behördlicher Ausschlussgrund
  • STS funktioniert nur mit C5/C6-Drohnen – für die meisten Einsätze keine Option
  • PDRA deckt nur sehr spezifische, wiederkehrende Szenarien mit kontrollierten Bedingungen ab – zu einschränkend für flexible Einsätze
  • LUC ist ausschließlich für Großunternehmen relevant, in Deutschland gibt es bislang nur drei zertifizierte Unternehmen
  • Für individuelle, flexible Drohneneinsätze führt der Weg zur Betriebsgenehmigung fast immer über die SORA-Methodik – aufwendig, aber machbar und das Ergebnis lohnt sich

Weiterführende Inhalte

In unserem STS, PDRA, SORA und LUC im Vergleich findest du alle Genehmigungsarten mit ihren genauen Anforderungen nebeneinander – hilfreich, wenn du eine der Alternativen noch genauer prüfen möchtest.

Den vollständigen Ablauf des SORA-Verfahrens erklärt dir unser SORA-Antrag Leitfaden Schritt für Schritt – von der ConOps-Erstellung bis zur eingereichten Risikobewertung.

Wie das Betriebshandbuch aufgebaut ist und was hineingehört, zeigt dir unser Ratgeber Was benötigt ein SORA 2.5-konformes Betriebshandbuch?.

Falls du noch unsicher bist, ob dein Einsatz wirklich eine Betriebsgenehmigung braucht, hilft dir der Selbsttest zur Kategorie-Einordnung weiter.

Und wenn du den SORA-Prozess nicht alleine angehen möchtest: skyzr wingman führt dich strukturiert durch die gesamte SORA-Erstellung – von der ConOps bis zur fertigen Risikobewertung.

Nächste Schritte: SORA vorbereiten

Folgen unserer Artikelserie und gehe weiter zu SORA Schritt 1: Was ist ConOps? – Betriebskonzept.

Generell kannst du dich an folgenden Schritten orientieren, wenn du dich mit der Thematik an sich vertraut machen möchtest.

Schritt 1: Akzeptiere die Realität Du wirst deine Betriebsgenehmigung wahrscheinlich über die SORA-Methodik beantragen müssen. Das ist kein Drama, sondern der Standard-Weg für professionelle Drohnenpiloten mit individuellen Einsatzanforderungen in der Specific-Kategorie.

Schritt 2: Verstehe den SORA-Prozess Die SORA-Risikobewertung besteht aus mehreren Schritten: ConOps-Erstellung, Risikobewertung (Boden- und Luftrisiko), Festlegung der SAIL-Stufe und Umsetzung der erforderlichen Risikominderungsmaßnahmen. Auf dieser Grundlage beantragst du dann deine Betriebsgenehmigung bei der zuständigen Behörde. Unser SORA-Antrag Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess.

Schritt 3: Hole dir Unterstützung Die Erstellung der SORA-Risikobewertung ist komplex und zeitintensiv. skyzr wingman unterstützt dich systematisch durch den gesamten Prozess – von der ConOps-Erstellung bis zur fertigen Risikobewertung. Das spart nicht nur Zeit, sondern minimiert auch das Risiko von Fehlern, die zu Rückfragen bei der Behörde führen.

Schritt 4: Frühzeitig starten Plane ausreichend Bearbeitungszeit bei der zuständigen Behörde ein. Beginne mit der Vorbereitung der SORA-Risikobewertung parallel zu deiner Projektplanung. So verlierst du keine wertvolle Zeit und kannst schnellstmöglich in der Specific-Kategorie fliegen.

Schritt 5: Beratung in Anspruch nehmen (optional) Du hast noch Fragen oder bist unsicher, wie du das Thema angehen sollst? In einem kostenlosen Erstgespräch besprechen wir mit dir, ob unsere SORA-Beratung etwas für dich sein könnte.

Häufig gestellte Fragen zu den Voraussetzungen für einen SORA-Antrag

Kann ich die SORA-Risikobewertung umgehen?

In seltenen Fällen ja – wenn dein Einsatz exakt in ein STS- oder PDRA-Szenario passt, oder wenn du als Großunternehmen ein LUC nutzen kannst. Für die meisten professionellen Einsätze mit individuellen Anforderungen führt kein Weg an einer SORA-Risikobewertung als Grundlage für die Betriebsgenehmigung vorbei. Welche Alternative wann wirklich funktioniert, erklärt der Vergleichsartikel zu STS, PDRA, SORA und LUC.

Ich habe eine STS-Lizenz – reicht das nicht?

Nein. Die STS-Lizenz ist nur die persönliche Pilotqualifikation. Du brauchst zusätzlich eine C5/C6-Drohne, und dein Einsatz muss exakt in STS-01 oder STS-02 passen. Die Lizenz allein erlaubt keinen Flug in der Specific-Kategorie.

Wie lange dauert der Prozess?

Bei der zuständigen Behörde musst du aktuell mit einer Bearbeitungszeit von mehr als sechs Monaten für einen Erstantrag rechnen. Dazu kommt deine eigene Vorbereitungszeit für ConOps und Risikobewertung – je nach Erfahrung und Komplexität des Einsatzes zwischen 30 und 80 Stunden. Mit professioneller Unterstützung lässt sich die Vorbereitungsphase deutlich verkürzen.

Was ist der Unterschied zwischen der SORA-Methodik und dem Antragsverfahren?

Die SORA-Methodik ist die Risikobewertung selbst – ein strukturierter 10-Schritte-Prozess, an dessen Ende das Comprehensive Safety Portfolio steht. Das Antragsverfahren ist der formale Schritt danach: Du reichst die Unterlagen bei der zuständigen Behörde ein und beantragst damit die Betriebsgenehmigung. Beides ist in unserem SORA-Antrag Leitfaden ausführlich erklärt.

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Mein Name ist Dimitri Wolf, ich arbeite als Plattform- und Content-Manager bei skyzr und beschäftige mich seit 2016 mit Drohnen. Mit meinen Beiträgen möchte ich dir helfen, die teils komplexen Themen rund um Drohnen besser zu verstehen und dein Wissen und Können zu erweitern, damit du es praktisch anwenden kannst.
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