Du weißt, dass du außerhalb der Open-Kategorie fliegen musst. Du hast von STS, PDRA und LUC gehört – aber passt dein Einsatz wirklich in diese Szenarien? Oder brauchst du doch SORA? Die ehrliche Antwort vorweg: Für die meisten individuellen Drohneneinsätze ist SORA der einzige realistische Weg. Die Alternativen klingen verlockend, funktionieren in der Praxis aber nur in sehr wenigen Fällen.
Das musst du wissen
- In der Praxis brauchst du fast immer SORA – die Alternativen sind sehr eingeschränkt
- STS funktioniert nur mit C5/C6-Drohnen, die praktisch nicht am Markt verfügbar sind
- PDRA deckt nur wenige vordefinierte Szenarien ab und ist für die meisten Einsätze zu starr
- LUC ist nur für große Unternehmen mit Managementsystem relevant
- Dieser Artikel zeigt dir, wann du eine Alternative nutzen kannst – und wann SORA unvermeidbar ist
Brauchst du überhaupt eine Betriebsgenehmigung?
Bevor wir klären, welche Genehmigungsart du brauchst, eine wichtige Vorfrage: Reicht die Open-Kategorie vielleicht doch? Falls du dir nicht sicher bist, ob du überhaupt eine Betriebsgenehmigung benötigst, lies zuerst unseren Ratgeber Wann brauche ich eine Betriebsgenehmigung für meine Drohne?. Dort erfährst du mit einem einfachen Selbsttest, ob dein Einsatz noch in die Open-Kategorie fällt.
Du bist sicher, dass du eine Betriebsgenehmigung brauchst? Dann schauen wir jetzt, ob STS, PDRA oder LUC für dich funktionieren – oder ob du SORA benötigst.
Die Alternativen zu SORA – und warum sie meist nicht funktionieren
Theoretisch gibt es drei Alternativen zu SORA: STS, PDRA und LUC. In der Praxis scheiden sie für die meisten Drohnenpiloten aus bestimmten Gründen aus. Schauen wir uns an, warum.
STS: Nur mit C5/C6-Drohnen
Was ist STS? Die Standardszenarien (STS) sind vordefinierte Einsatzszenarien für die spezielle Kategorie. Es gibt zwei EU-weite Szenarien: STS-01 für VLOS-Flüge über kontrolliertem Bodenbereich in besiedelten Gebieten und STS-02 für BVLOS-Flüge bis 2 km in dünn besiedelten Gebieten.
Das Ausschlusskriterium: STS funktioniert nur mit C5- oder C6-klassifizierten Drohnen. Diese speziellen Drohnenklassen erfordern zusätzliche Sicherheitssysteme wie Fallschirme und Flight-Termination-Systeme. Das Problem: Diese Drohnen sind praktisch nicht am Markt verfügbar. Selbst wenn du bereit wärst, eine C3-Drohne entsprechend umzurüsten, gibt es kaum verfügbare Zertifizierungsmöglichkeiten.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die STS wurden fest in der EU-Durchführungsverordnung verankert. Änderungen oder Erweiterungen erfordern die Zustimmung von EU-Parlament und Ministerrat. Dieser „handwerkliche Fehler“ führt dazu, dass nicht mit weiteren Standardszenarien zu rechnen ist.
Klartext:
- Hast du eine C5- oder C6-Drohne? → NEIN (bei 99% der Piloten) = Du brauchst SORA (oder PDRA)
- Hast du eine C5- oder C6-Drohne? → JA = Prüfe, ob dein Einsatz exakt in STS-01 oder STS-02 passt
Details zu den konkreten STS-Szenarien findest du in unserem Vergleichsartikel zu STS, PDRA, SORA und LUC.
PDRA: Nur für vordefinierte Szenarien
Was ist PDRA? Pre-Defined Risk Assessments sind vordefinierte Risikobewertungen für häufige Einsatzszenarien. Im Gegensatz zu STS funktionieren sie mit allen Drohnen – auch mit Bestandsdrohnen ohne CE-Klassifizierung. Es gibt vier europäische PDRAs: PDRA-S01 und S02 (ähnlich wie STS-01/02, aber ohne C5/C6-Anforderung) sowie PDRA-G01, G02 und G03 für generische Einsatztypen.
Die Ausschlusskriterien: PDRA klingt flexibler als STS, ist in der Praxis aber immer noch sehr eingeschränkt. Die meisten PDRAs erfordern einen kontrollierten Bodenbereich – also ein Gebiet, in dem du sicherstellen kannst, dass sich keine unbeteiligten Personen aufhalten. Deine Einsatzorte wechseln häufig? Du fliegst über öffentlichem Gelände? Du brauchst BVLOS über mehr als 2 km? Dann funktioniert PDRA nicht.
Beispiele, wo PDRA NICHT funktioniert:
- Wechselnde Einsatzorte ohne kontrollierten Bodenbereich
- BVLOS-Flüge über 2 km Distanz
- Flexible Videoproduktion mit unterschiedlichen Anforderungen
- Verschiedene Drohnentypen an verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Bedingungen
PDRA mag für sehr spezifische, sich wiederholende Einsätze unter konstanten Bedingungen funktionieren. Für individuelle, flexible Drohnenprojekte reicht es nicht aus.
Klartext:
- Passt dein Einsatz EXAKT in ein PDRA-Szenario? → NEIN (bei den meisten Einsätzen) = Du brauchst SORA
- Passt dein Einsatz EXAKT in ein PDRA-Szenario? → UNSICHER = Prüfe die PDRA-Bedingungen genau – meist ist SORA flexibler
Alle PDRA-Szenarien mit genauen Anforderungen findest du in unserem Vergleichsartikel.
LUC: Nur für Unternehmen mit hoher Einsatzfrequenz
Was ist ein LUC? Das Light UAS Operator Certificate ist ein Betreiberzertifikat für Unternehmen. Mit einem LUC kannst du Einsätze in der speziellen Kategorie selbst genehmigen, ohne jedes Mal einen Antrag beim LBA stellen zu müssen. Das klingt verlockend – ist aber nur für einen sehr kleinen Kreis überhaupt erreichbar.
Die Ausschlusskriterien: Ein LUC ist nur für juristische Personen verfügbar – Einzelpiloten können es nicht beantragen. Die Anforderungen entsprechen nahezu einer ISO-Zertifizierung: Du brauchst ein komplettes Sicherheitsmanagementsystem, dokumentierte Prozesse für alle Bereiche des Drohnenbetriebs, Schulungsprogramme und vieles mehr. Der Aufwand ist erheblich.
Wie selten LUC wirklich genutzt wird, zeigt diese Zahl: Stand 2023 gibt es in ganz Deutschland nur ein einziges Unternehmen mit LUC-Zertifikat (die GDDC GmbH). Das zeigt, wie hoch die Hürden tatsächlich sind.
Klartext:
- Bist du ein Großunternehmen mit vielen regelmäßigen Drohneneinsätzen? → NEIN (Einzelpilot oder kleine Firma) = Du brauchst SORA
- Bist du ein Großunternehmen mit vielen regelmäßigen Drohneneinsätzen? → JA = LUC prüfen oder Kooperation mit LUC-Inhaber erwägen
Mehr Details zu LUC-Anforderungen findest du im Vergleichsartikel.
Wann du SORA brauchst – Die Realitäts-Checkliste
Wenn eine dieser Aussagen auf deinen Einsatz zutrifft, führt kein Weg an SORA vorbei:
Drohnen-bezogen:
- [ ] Du fliegst NICHT mit einer C5- oder C6-Drohne (sondern mit DJI Mavic, Air, Mini, Matrice o.ä.)
- [ ] Du nutzt verschiedene Drohnentypen für unterschiedliche Einsätze
- [ ] Du fliegst mit einer Bestandsdrohne ohne CE-Klassifizierung oder einem Eigenbau
Einsatzort-bezogen:
- [ ] Deine Einsatzorte wechseln häufig (verschiedene Städte, Regionen, Kundenprojekte)
- [ ] Du kannst keinen kontrollierten Bodenbereich garantieren (öffentliches Gelände, wechselnde Locations)
- [ ] Du fliegst über unterschiedlichen Gebietstypen (mal Stadt, mal Land, mal Industriegebiet)
Mission-bezogen:
- [ ] Deine Einsätze passen in kein vordefiniertes Szenario (STS oder PDRA)
- [ ] Du brauchst BVLOS über mehr als 2 km Distanz
- [ ] Du brauchst flexible Flugbedingungen (variable Höhen, Abstände, Einsatzparameter)
- [ ] Du machst kommerzielle Video- oder Fotoproduktionen an wechselnden Orten
Unternehmen-bezogen:
- [ ] Du bist Einzelpilot, Freiberufler oder kleine Firma ohne Managementsystem
- [ ] Du hast keine Kooperation mit einem LUC-Inhaber
Treffen 3 oder mehr Punkte zu? Dann brauchst du SORA. Und ehrlich gesagt: Bei den meisten professionellen Drohnenpiloten treffen 6 bis 8 dieser Punkte zu.
Typische SORA-Szenarien aus der Praxis
Diese Einsätze erfordern fast immer SORA, weil sie nicht in die engen Grenzen von STS oder PDRA passen:
Video- und Fotoproduktion: Du machst Werbevideos, Imagefilme oder Immobilienaufnahmen für verschiedene Kunden an unterschiedlichen Orten. Mal in der Stadt, mal auf dem Land, mal über Wasser. Die Anforderungen ändern sich je nach Projekt. STS/PDRA können diese Flexibilität nicht abbilden → Du brauchst SORA.
Lineare Infrastruktur-Inspektion: Du inspizierst Straßen, Bahngleise, Stromleitungen oder Pipelines. Diese erstrecken sich über viele Kilometer, oft durch unterschiedliche Gebietstypen. Du brauchst BVLOS über mehr als 2 km und kannst keinen kontrollierten Bodenbereich garantieren → Du brauchst SORA.
Vermessungsflüge in verschiedenen Gebieten: Du führst Geländevermessungen, Volumenmessungen oder Kartierungen für unterschiedliche Auftraggeber durch. Die Projekte variieren in Größe und Lage, manchmal fliegst du über 120 m → Du brauchst SORA.
Kommerzielle Immobilienaufnahmen: Du fotografierst Gebäude, Grundstücke und Baustellen für Makler, Bauträger oder Investoren. Die Standorte liegen oft in städtischen Gebieten ohne kontrollierten Bodenbereich → Du brauchst SORA.
Industrieinspektionen: Du inspizierst Anlagen, Windräder, Solarpanels oder Industriegebäude. Die Einsätze erfordern oft BVLOS, Flüge über nicht-kontrolliertem Gelände oder spezielle Flugmuster → Du brauchst SORA.
Forschungsprojekte: Du führst Drohneneinsätze für wissenschaftliche Studien, Umweltmonitoring oder technische Erprobungen durch. Die Anforderungen sind individuell und passen in keine Standardszenarien → Du brauchst SORA.
Der Entscheidungsbaum: Brauchst du SORA?
So findest du schnell heraus, welchen Weg du gehen musst:
START: Du brauchst eine Betriebsgenehmigung
↓
Hast du eine C5/C6-Drohne UND passt dein Einsatz exakt in STS-01 oder STS-02?
- JA → Nutze STS (sehr selten der Fall)
- NEIN → Weiter
↓
Passt dein Einsatz EXAKT in ein PDRA-Szenario? (Kontrollierter Bodenbereich, max. 2 km BVLOS, spezifische Bedingungen erfüllt)
- JA → Prüfe PDRA genau (möglich, aber oft zu einschränkend für flexible Einsätze)
- NEIN → Weiter
↓
Bist du ein Großunternehmen und lohnt sich ein LUC für dich? (Oder ist eine Kooperation mit einem LUC-Inhaber möglich?)
- JA → Prüfe LUC oder Kooperationsmöglichkeit
- NEIN → Weiter
↓
→ DU BRAUCHST SORA
In der Praxis: Die allermeisten Drohnenpiloten landen bei SORA als Methode für ihre Betriebsgenehmigung – und das ist auch völlig in Ordnung.
Was bedeutet das für dich?
Ja, SORA ist aufwendiger als eine Betriebserklärung für STS. Die Bearbeitungszeit beim Luftfahrt-Bundesamt liegt bei etwa 20 Wochen für einen Erstantrag. Dazu kommt die Zeit für die Erstellung des ConOps (Betriebshandbuch) und der Risikobewertung. Das klingt nach viel – und das ist es auch.
Aber hier die gute Nachricht: SORA ist ein methodisches, strukturiertes Verfahren nach klar definierten EASA-Vorgaben. Es gibt keine „schwarze Magie“ dahinter. Mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung ist es absolut machbar. Und SORA bietet dir etwas, das STS und PDRA nicht können: Maximale Flexibilität für deine individuellen Einsätze.
Einmal erstellt und genehmigt, kannst du deine SORA für Folgeeinsätze anpassen. Diese Änderungsanträge gehen meist deutlich schneller durch als der Erstantrag. Du baust dir also ein Asset auf, das dir langfristig Flexibilität gibt.
💡 Wichtiger Tipp: Schiebe SORA nicht auf. Je früher du mit der Vorbereitung beginnst, desto schneller kannst du legal in der speziellen Kategorie fliegen. Die 20 Wochen Bearbeitungszeit laufen parallel zu deiner Einsatzplanung – du kannst diese Zeit für Kundengespräche, Equipment-Beschaffung und Schulungen nutzen.
Zusammenfassung: Wann du SORA brauchst
- STS funktioniert nur mit C5/C6-Drohnen, die praktisch nicht verfügbar sind – für 99% der Piloten keine Option
- PDRA deckt nur sehr spezifische Szenarien ab und erfordert meist kontrollierte Bodenbereiche – zu eingeschränkt für flexible Einsätze
- LUC ist nur für Großunternehmen relevant mit hohen Hürden – in ganz Deutschland gibt es nur ein zertifiziertes Unternehmen
- Für individuelle, flexible Drohneneinsätze brauchst du SORA – das ist die Realität für die meisten professionellen Drohnenpiloten
- SORA ist aufwendig, aber mit Struktur und Unterstützung machbar – und bietet dir maximale Flexibilität
Nächste Schritte: SORA vorbereiten
Schritt 1: Akzeptiere die Realität Du brauchst wahrscheinlich SORA. Das ist kein Drama, sondern der Standard-Weg für professionelle Drohnenpiloten mit individuellen Einsatzanforderungen für Drohnenflüge in der Specific Kategorie.
Schritt 2: Verstehe den SORA-Prozess SORA besteht aus mehreren Schritten: ConOps-Erstellung (dein Betriebshandbuch), Risikobewertung nach SORA-Methodik (Grund- und Luftrisiko), Festlegung der SAIL-Stufe und Umsetzung der erforderlichen Risikominderungsmaßnahmen. In unserem umfassenden SORA-Antrag Leitfaden erfährst du alles Schritt für Schritt.
Schritt 3: Hole dir Unterstützung Die SORA-Erstellung ist komplex und zeitintensiv. Tools wie skyzr wingman unterstützen dich systematisch durch den gesamten Prozess – von der ConOps-Erstellung bis zur fertigen Risikobewertung. Das spart dir nicht nur Zeit, sondern minimiert auch das Risiko von Fehlern, die zu Rückfragen beim LBA führen.
Schritt 4: Frühzeitig starten Plane 20 Wochen Bearbeitungszeit beim LBA ein. Beginne mit der SORA-Vorbereitung parallel zu deiner Projektplanung. So verlierst du keine wertvolle Zeit und kannst schnellstmöglich in der speziellen Kategorie fliegen.
Schritt 5: Optional Du hast trotz allem noch Fragen oder bist generell verunsichert wie du das SORA-Thema angehen sollst? Oder willst du die SORA-Erstellung gleich an jemanden übergeben, der damit vertraut ist, damit du auch wirklich alles richtig machst? Dann melde dich bei uns. In einem kostenlosen Erstgespräch besprechen wir mit dir, ob unsere SORA-Beratung etwas für dich sein könnte.
Weiterführende Inhalte
- Wann brauche ich eine Betriebsgenehmigung für meine Drohne? – Der Selbsttest zur Einordnung
- STS, PDRA, SORA und LUC im Vergleich – Detaillierte Unterschiede aller Genehmigungsarten
- SORA-Antrag Leitfaden – Der komplette Leitfaden zum SORA-Verfahren
- Betriebshandbuch erstellen: So geht’s (inklusive kostenlosem Muster) – Praktische Anleitung für dein Betriebshandbuch
- Luftfahrt-Bundesamt: SORA-Informationen – Offizielle LBA-Seite
- EASA SORA Methodology – Die offizielle SORA-Methodik
Häufig gestellte Fragen
Nur in sehr seltenen Fällen: Wenn du eine C5/C6-Drohne hast UND dein Einsatz exakt in STS-01 oder STS-02 passt, oder wenn dein Szenario genau einem PDRA entspricht. Für die meisten gewerblichen Einsätze mit flexiblen Anforderungen gibt es keinen Weg um SORA herum.
PDRA ist weniger aufwendig in der Erstellung, funktioniert aber nur für sehr spezifische, vordefinierte Szenarien. Wenn deine Einsatzorte wechseln, du verschiedene Anforderungen hast oder keinen kontrollierten Bodenbereich garantieren kannst, brauchst du SORA. PDRA ist nur eine Option, wenn dein Einsatz exakt in eines der vier PDRAs passt.
Nein. Die STS-Lizenz (das theoretische Fernpilotenzeugnis) ist nur die persönliche Qualifikation. Du brauchst zusätzlich eine C5/C6-Drohne und dein Einsatz muss in die engen Grenzen von STS-01 oder STS-02 passen. Die STS-Lizenz allein berechtigt dich nicht zum Fliegen in der speziellen Kategorie.
Beim Luftfahrt-Bundesamt liegt die Bearbeitungszeit für einen SORA-Erstantrag bei etwa 20 Wochen. Dazu kommt die Zeit für deine Vorbereitung: ConOps erstellen, Risikobewertung durchführen, Unterlagen zusammenstellen. Rechne insgesamt mit 6-9 Monaten vom Start bis zur Genehmigung. Mit professioneller Unterstützung kannst du die Vorbereitungszeit deutlich verkürzen.
Nein, echte Abkürzungen gibt es nicht. Du musst alle Schritte der SORA-Methodik durchlaufen. Aber Tools wie wingman können die Erstellung deutlich beschleunigen und vereinfachen, indem sie dich strukturiert durch den Prozess führen und viele Berechnungen automatisieren. Das ist keine Abkürzung, aber eine erhebliche Arbeitserleichterung.
