SORA Schritt 1: Was ist ConOps? – Betriebsbeschreibung verständlich erklärt

Dimitri
Von Dimitri - Plattform & Content Manager
14 Min. Lesezeit

Du hast dich entschieden, einen SORA-Antrag zu stellen. Du öffnest die ersten Unterlagen und sofort taucht er auf: der Begriff ConOps. Was genau ist das, was muss da rein, und wie fängst du überhaupt an?

Dieser Artikel erklärt dir, was hinter dem Begriff ConOps steckt, welche Funktion die Betriebsbeschreibung in Schritt 1 des SORA-Prozesses erfüllt, was konkret drin stehen muss und wie du strukturiert startest. Er ist Teil unserer SORA-Schritt-für-Schritt-Serie – den vollständigen Überblick über alle 10 Schritte sowie den Antragsweg in Deutschland und Österreich findest du in unserem SORA-Antrag-Leitfaden. Die Grundlagen der Specific Kategorie erklärt dir unser separater Ratgeber.

SORA 2.5 ist aktueller Standard: Mit ED Decision 2025/018/R hat die EASA SORA 2.5 offiziell als Acceptable Means of Compliance zu Regulation (EU) 2019/947 eingeführt. Alle neuen Anträge auf Betriebsgenehmigungen sind nach SORA 2.5 zu stellen. Dieser Artikel orientiert sich ausschließlich an SORA 2.5.

Das musst du wissen

  • ConOps steht für „Concept of Operations“ – in SORA 2.5 heißt Schritt 1 offiziell „Documentation of the proposed operation“, der Begriff ConOps ist aber weiterhin in der EU-weiten Antragsregelung (AMC1 UAS.SPEC.030) und den nationalen Formularen von LBA und Austro Control verankert
  • Schritt 1 ist ein vorbereitender Schritt: Du sammelst alle operativen, technischen und organisatorischen Informationen, die du für die weiteren SORA-Schritte 2–9 brauchst
  • SORA 2.5 gliedert den Prozess in zwei Phasen: Phase 1 (Schritte 1–9) leitet alle Sicherheitsanforderungen ab; Phase 2 (Schritt 10) stellt die vollständigen Compliance-Nachweise zusammen
  • Das zentrale Einreichdokument ist das Operations Manual (Betriebshandbuch) – deine Betriebsbeschreibung aus Schritt 1 liefert den inhaltlichen Rohstoff dafür; den vollständigen Aufbau erklärt unser Artikel zum SORA-Betriebshandbuch
  • Zuständige Behörde ist in Deutschland das LBA (Luftfahrt-Bundesamt), in Österreich die Austro Control (Drone Competence Center)

Was ist ConOps – und wie heißt es jetzt offiziell?

ConOps ist die Abkürzung für „Concept of Operations“ – auf Deutsch: Betriebskonzept. Im Rahmen einer SORA-Risikoanalyse ist es der erste und grundlegendste Schritt: Du beschreibst, was du fliegen willst, wo, wie und mit welchem UAS. Ob dein geplanter Betrieb überhaupt eine SORA erfordert oder ob Alternativen wie STS oder PDRA infrage kommen, erklärt unser Artikel zu den SORA-Voraussetzungen.

In SORA 2.5 heißt Schritt 1 offiziell „Documentation of the proposed operation“ – also Dokumentation der geplanten Operation. Der Begriff ConOps taucht dennoch weiterhin auf: Die EASA-Antragsregelung AMC1 UAS.SPEC.030, die das Betriebsgenehmigungsverfahren EU-weit definiert, enthält einen eigenen Abschnitt „Concept of operations (ConOps)“, in dem du Natur und Umfang deines Betriebs beschreibst. Im Sprachgebrauch der Branche – und auch in diesem Artikel – ist ConOps daher nach wie vor gebräuchlich.

Der entscheidende Wandel in SORA 2.5: In SORA 2.0 wurde ConOps häufig als kurze, ein- bis zweiseitige Missionsübersicht verstanden. Das führte regelmäßig zu Anträgen, die bei der Behörde scheiterten – weil die eigentlich notwendigen Informationen fehlten. SORA 2.5 macht Schritt 1 klarer: Es geht darum, alle Informationen zu sammeln, die du brauchst, um die SORA-Schritte 2–9 vollständig und korrekt durchzuführen. Das Ergebnis ist nicht ein einzelnes Kurzdokument, sondern ein vollständiger Dokumentensatz.

Wozu brauche ich die Betriebsbeschreibung?

Schritt 1 ist ein vorbereitender Schritt – SORA 2.5 bezeichnet ihn explizit als „preparatory step“. Bevor du das Risiko deiner Operation bewerten kannst, musst du sie vollständig beschreiben. Jeder weitere SORA-Schritt zieht direkt Informationen aus dieser Beschreibung:

  • Schritte 2 und 3 (Bodenrisiko): Wo fliegst du? Wie groß und wie schnell ist dein UAS? Wie dicht ist die Bevölkerung in deinem Flugbereich? – alles Angaben aus Schritt 1
  • Schritte 4 und 5 (Luftrisiko): Welchen Luftraum nutzt du? In welcher Höhe? VLOS oder BVLOS? – ebenfalls Schritt 1
  • Schritt 7 (SAIL-Einstufung): Der SAIL-Level ergibt sich direkt aus dem Boden- und Luftrisiko, die auf deiner Betriebsbeschreibung basieren
  • Schritt 9 (OSOs): Die konkreten Sicherheitsziele, die du erfüllen musst, hängen vom SAIL ab – und damit von Schritt 1

Wer hier ungenau oder unvollständig arbeitet, zieht Probleme durch alle späteren Schritte. Schritt 1 ist erfahrungsgemäß der zeitintensivste Teil des gesamten SORA-Prozesses – aber er ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.

Was gehört in die Betriebsbeschreibung?

Der ConOps-Abschnitt ist in den Antragsunterlagen der nationalen Behörden fest verankert – in Deutschland im LBA-Formular FV.GO-UASOPA-0106, in Österreich im Formular der Austro Control. Beide orientieren sich an der EU-weiten Vorgabe AMC1 UAS.SPEC.030, die abgefragten Inhalte sind daher identisch. Die wichtigsten Inhalte im Überblick:

Art der Operation und Risiken
Beschreibe, was du mit der Drohne konkret tust: Inspektion, Vermessung, Foto/Video, Transport? Welche Risiken sind damit typischerweise verbunden?

Operationsgebiet und Umgebung
Beschreibe das Einsatzgebiet: Topografie, Bebauung, Bevölkerungsdichte, Hindernisse. Dazu: welchen Luftraum nutzt du, in welcher Höhe, zu welchen Zeiten und unter welchen Wetterbedingungen. Definiere das Operational Volume (Fluggeografie + Contingency Volume) und die Ground Risk Buffer.

Technische Mittel
Welches UAS wird eingesetzt? Welche Abmessungen, welches Abfluggewicht, welche Höchstgeschwindigkeit? Welche Sicherheitssysteme (Fallschirm, Return-to-Home, C3-Link)? Welche externen Systeme unterstützen den Betrieb?

Personal und Qualifikationen
Wer ist Fernpilot, wer ist Beobachter? Welche Erfahrung und Qualifikationen haben die Beteiligten? Welche Trainingsprogramme sind vorgesehen?

Risikobewertung und Mitigationen
Eine erste Übersicht der identifizierten Risiken und der geplanten Gegenmaßnahmen. Hier fließen die Ergebnisse der späteren SORA-Schritte 2–9 ein – Schritt 1 gibt den Rahmen vor, der sich im Prozess konkretisiert.

Wartung
Welche Wartungsanweisungen sind vorgesehen, um das UAS in einem sicheren Zustand zu halten?

Normal-, Ausweich- und Notfallverfahren
Was passiert bei einem technischen Problem während des Flugs? Was bei einem Notfall? Wann und wie koordinierst du dich mit Flugsicherungsorganisationen (ANSP)?

💡 Gut zu wissen: Schritt 1 entwickelt sich iterativ – du wirst deine Betriebsbeschreibung im Laufe der SORA-Schritte immer wieder anpassen. Neue Anforderungen aus den Schritten 2–9 können dazu führen, dass du bestimmte Mitigationen in dein Operations Manual aufnimmst oder Betriebsparameter anpasst. Das ist normal und im Prozess so vorgesehen.

Der SORA-Prozess in zwei Phasen: Wo steht Schritt 1?

SORA 2.5 gliedert den Prozess explizit in zwei Phasen:

Phase 1 (Schritte 1–9): Anforderungsableitung
Du sammelst alle Betriebsinformationen (Schritt 1), bewertest Boden- und Luftrisiko (Schritte 2–6), ermittelst den SAIL-Level (Schritt 7) und bestimmst Containment- sowie OSO-Anforderungen (Schritte 8–9). Am Ende von Phase 1 weißt du, welche Anforderungen dein Betrieb erfüllen muss – aber du hast noch keine vollständigen Compliance-Nachweise erstellt.

Die EASA empfiehlt außerdem, die zuständige Behörde so früh wie möglich einzubeziehen. Spätestens nach Abschluss von Phase 1 solltest du dich mit LBA oder Austro Control abstimmen, bevor du das vollständige Operations Manual erstellst. So stellst du sicher, dass deine Risikoeinschätzung – insbesondere GRC, ARC und SAIL – von der Behörde grundsätzlich mitgetragen wird, bevor du Wochen in die Dokumentation investierst.

Beide Behörden bieten dafür ein kostenloses Vorgespräch an:

  • LBA (Deutschland): Formloses E-Mail an uas-specific@lba.de mit dem (noch nicht unterschriebenen) Antragsformular FV.GO-UASOPA-0106 und der KML-Datei deines Fluggebiets. Du erhältst dann kurzfristig einen Online-Termin.
  • Austro Control (Österreich): Pre-Application Meeting über dronespace@austrocontrol.at anfragen – ein einstündiges Online-Gespräch mit dem Drone Competence Center.

Die EASA stellt zusätzlich den IAM HUB als digitale Plattform bereit, die Phase 1 der SORA-Bewertung unterstützt.

Phase 2 (Schritt 10): Compliance-Nachweise
Du stellst das vollständige Betriebshandbuch fertig, sammelst alle Evidenzen und reichst das Comprehensive Safety Portfolio (CSP) bei der Behörde ein. Das CSP ist die Gesamtheit aller Dokumente, die belegen, dass dein Betrieb sicher ist.

Das Betriebshandbuch: Wo dein ConOps landet

Das Operations Manual (Betriebshandbuch, OM) ist das zentrale Einreichdokument deines SORA-Antrags. Es ist gemäß Article 12 von Regulation (EU) 2019/947 Pflicht – beim LBA (Deutschland) oder der Austro Control (Österreich, dronespace.at). Welche weiteren Unterlagen du benötigst, zeigt unser Ratgeber zu den SORA-Antrag-Unterlagen.

Den vollständigen Aufbau des Betriebshandbuchs – Parts A bis M, was konkret in jeden Abschnitt gehört und welche Stolperfallen es gibt – erklärt unser Artikel zum SORA-konformen Betriebshandbuch ausführlich.

Für Schritt 1 wichtig zu verstehen: Die Inhalte deiner Betriebsbeschreibung fließen in mehrere Parts des OM ein – vor allem Part A (Organisation), Part B (Betriebsverfahren), Part C (Flugbereiche) und Part T (technische UAS-Beschreibung). Was du in Schritt 1 erarbeitest, ist damit nicht ein separates Dokument, sondern der inhaltliche Rohstoff für das spätere OM.

Annex A von SORA 2.5 gliedert sich in fünf Kapitel (A.1–A.5) und beschreibt den empfohlenen Workflow: Erst Risikobewertung (A.2), dann OM fertigstellen (A.3), dann Compliance Matrix (A.4). A.1 erklärt das Zusammenspiel der Dokumente, A.5 gibt Vorgaben für die Flugbereichsbeschreibung.

⚠️ Hinweis zur SAIL-II-Vereinfachung: Für einfachere VLOS-Operationen mit SAIL II kann die Behörde auf die vollständige OM-Vorabprüfung verzichten – im FastFlight-Verfahren genügt die Compliance Matrix. Das OM muss aber weiterhin erstellt und gepflegt werden.

Wie fange ich an?

Bevor du loslegst, beantworte diese Kernfragen schriftlich – das ist der eigentliche Inhalt von Schritt 1 und die Grundlage für alle weiteren SORA-Schritte:

  • Wo willst du fliegen – Boden- und Luftgebiet?
  • In welcher Höhe, VLOS oder BVLOS?
  • Mit welchem UAS (Typ, Gewicht, Höchstgeschwindigkeit)?
  • Zu welchen Zeiten und unter welchen Wetterbedingungen?
  • Was ist der Zweck des Betriebs?

Als Startdokument für deine Betriebsbeschreibung eignen sich die offiziellen Operations-Manual-Vorlagen, die den ConOps-Abschnitt bereits strukturiert vorhalten:

  • LBA-Musterhandbuch (Deutsch oder Englisch) – enthält Kapitel 3 „Concept of operations (ConOps)“ mit konkreten Formulierungshinweisen, verfügbar auf lba.de
  • EASA Operations Manual Template SAIL II – das internationale Referenzdokument, verfügbar auf der EASA-Website
  • Austro Control OM-Vorlage – verfügbar im Download-Bereich von dronespace.at (Österreich)

Prüfe außerdem zuerst, ob dein Betrieb tatsächlich eine Betriebsgenehmigung erfordert – auch kommerzieller Betrieb kann noch in der Open Category möglich sein. Unser Selbsttest zur Betriebsgenehmigungspflicht hilft dir bei der Einordnung.

Den vollständigen Ablauf des Antragsprozesses – von der Risikoanalyse über das Vorgespräch mit der Behörde bis zur Einreichung – findest du in unserem SORA-Antrag-Leitfaden. Den behördenspezifischen Prozess beschreiben unsere Artikel zum LBA-Antragsprozess und zum Austro-Control-Prozess über Dronespace im Detail.

Zusammenfassung

  • Schritt 1 des SORA-Prozesses heißt in SORA 2.5 offiziell „Documentation of the proposed operation“ – der Begriff ConOps ist in den nationalen Antragsformularen (LBA, Austro Control) und im Sprachgebrauch weiterhin gebräuchlich
  • Schritt 1 ist ein vorbereitender Schritt: Du sammelst alle Informationen, die für die Risikobewertung in den Schritten 2–9 benötigt werden – Art der Operation, Fluggebiet, UAS-Daten, Personal, Verfahren
  • SORA 2.5 gliedert den Prozess in Phase 1 (Schritte 1–9, Anforderungsableitung) und Phase 2 (Schritt 10, Compliance-Nachweise) – nach Phase 1 empfiehlt sich eine Abstimmung mit der Behörde
  • Annex A von SORA 2.5 gliedert sich in fünf Kapitel (A.1–A.5) und gibt den Workflow vor: Risikobewertung (A.2) → OM fertigstellen (A.3) → Compliance Matrix (A.4); den OM-Aufbau erklärt unser Betriebshandbuch-Artikel im Detail
  • Das Operations Manual ist Pflichtbestandteil des Antrags – beim LBA (Deutschland) oder der Austro Control / dronespace.at (Österreich)

Nächster Schritt: Bodenrisiko bewerten

Mit einer soliden Betriebsbeschreibung kannst du direkt in die Risikobewertung einsteigen. Im nächsten Artikel der Serie erklären wir, wie du die intrinsische Bodenrisikoklasse (iGRC) bestimmst – auf Basis von UAS-Größe, Höchstgeschwindigkeit und Bevölkerungsdichte in deinem Flugbereich.

Weiter geht es mit SORA Schritt 2: Initial Ground Risk Class – Initiale Bodenrisikoklasse.

Wenn du den gesamten SORA-Prozess digital und strukturiert durcharbeiten möchtest, führt dich wingman Schritt für Schritt durch den gesamten SORA-Prozess – für Deutschland und Österreich.

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Mein Name ist Dimitri Wolf, ich arbeite als Plattform- und Content-Manager bei skyzr und beschäftige mich seit 2016 mit Drohnen. Mit meinen Beiträgen möchte ich dir helfen, die teils komplexen Themen rund um Drohnen besser zu verstehen und dein Wissen und Können zu erweitern, damit du es praktisch anwenden kannst.
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