Du hast mit Schritt 7 deinen SAIL bestimmt und damit das Sicherheitsniveau deiner Operation festgelegt. Jetzt stellt sich eine Frage, die viele Piloten erst in diesem Moment bewusst trifft: Was ist eigentlich mit dem Bereich, den deine Drohne unbeabsichtigt erreichen könnte, wenn etwas schiefläuft?
Dieser Artikel erklärt dir, was die Adjacent Ground Area ist, wie du die Containment-Anforderungen für deinen Betrieb ableitest und welche Schritte du konkret durchführen musst, um Schritt 8 des SORA-Prozesses sauber abzuschließen. Er ist Teil unserer SORA-Schritt-für-Schritt-Serie – den vollständigen Überblick über alle Schritte sowie den Antragsweg in Deutschland und Österreich findest du in unserem SORA-Antrag-Leitfaden. Dieser Ratgeber richtet sich an Drohnenpiloten und Unternehmen, die einen SORA-Antrag in der Specific Category vorbereiten.
Das musst du wissen
- Die Adjacent Ground Area (kurz: Adjacent Area) ist der Bereich außerhalb deines Ground Risk Buffers, in dem deine Drohne nach einem Kontrollverlust (Fly-Away) landen könnte.
- Die Größe dieses Bereichs richtet sich nach der Maximalgeschwindigkeit deiner Drohne – konkret: die in 3 Minuten zurückgelegte Distanz, mindestens 5 km, maximal 35 km.
- Drohnen unter 250 g erhalten automatisch Low Containment – für sie entfällt die detaillierte Bewertung.
- Es gibt drei Containment-Stufen: Low, Medium und High – jeweils mit spezifischen technischen und operativen Anforderungen. Welche Stufe du brauchst, hängt von der durchschnittlichen Bevölkerungsdichte im Adjacent Area und möglichen Outdoor-Menschenansammlungen innerhalb von 1 km um dein Operational Volume ab.
- Wenn das Ergebnis „Out of scope“ ist, ist ein Betrieb in der Specific Category in dieser Konfiguration nicht möglich.
Was ist die Adjacent Ground Area?
Wenn du in den vorherigen Schritten des SORA-Prozesses das Operational Volume und den Ground Risk Buffer definiert hast, hast du damit den Bereich abgedeckt, in dem deine Drohne planmäßig operiert und in dem ein unkontrollierter Absturz mit hoher Wahrscheinlichkeit landen würde.
Die Adjacent Ground Area schließt direkt daran an. Sie beschreibt den Bereich, den deine Drohne bei einem sogenannten Fly-Away – also einem Kontrollverlust, der dazu führt, dass die Drohne das kontrollierte Volumen verlässt – erreichen könnte. Niemand plant absichtlich, in diesem Bereich zu fliegen. Er wird nur dann relevant, wenn die Drohne unkontrolliert abweicht.
Wichtig für das Verständnis: Für die Adjacent Ground Area wird mit der durchschnittlichen Bevölkerungsdichte gerechnet, nicht mit der maximalen. Der Grund liegt in der Natur eines Fly-Aways: Richtung und Dauer sind zufällig, weshalb eine konservative Durchschnittsbetrachtung ausreicht – anders als beim Ground Risk Buffer in Schritt 3, wo mit dem worst case gearbeitet wird.
Die innere Grenze der Adjacent Ground Area beginnt am äußeren Rand des Ground Risk Buffers. Die äußere Grenze berechnest du ausgehend vom Operational Volume – wie das im Detail funktioniert, erklärt der nächste Abschnitt.
Wie groß ist die Adjacent Ground Area?
Die Größe des Bereichs richtet sich nach der Maximalgeschwindigkeit deiner Drohne. Die Logik dahinter: Die SORA nimmt an, dass ein unkontrolliertes Luftfahrzeug sich über einen Zeitraum von 3 Minuten bei Maximalgeschwindigkeit bewegen kann, bevor es zum Aufschlag kommt.
Die berechnete Distanz wird dann folgendermaßen begrenzt:
- Ergibt die Berechnung weniger als 5 km, wird einheitlich 5 km angesetzt.
- Liegt die Distanz zwischen 5 und 35 km, verwendest du den errechneten Wert.
- Ergibt die Berechnung mehr als 35 km, wird der Wert auf 35 km gekappt.
Beispiel: Eine Drohne mit einer Maximalgeschwindigkeit von 30 m/s legt in 3 Minuten (180 Sekunden) eine Strecke von 5.400 m zurück. Der äußere Rand der Adjacent Ground Area liegt damit 5,4 km vom Rand des Operational Volume entfernt.
Sonderfall: Wenn dein Ground Risk Buffer bereits größer als deine errechnete Adjacent Ground Area ist, entfällt die Bewertung der Adjacent Ground Area vollständig.
Drohnen unter 250 g: Für Drohnen mit einem Startgewicht unter 250 g gilt automatisch Low Containment ohne weitere Einschränkungen für die Bevölkerung im Adjacent Area. Du kannst in diesem Fall direkt zu Schritt 9 übergehen.
Die zwei Faktoren, die dein Containment-Level bestimmen
Nachdem du die Größe der Adjacent Ground Area berechnet hast, bewertest du sie anhand von zwei Kriterien:
1. Durchschnittliche Bevölkerungsdichte
Berechne die durchschnittliche Bevölkerungsdichte zwischen dem äußeren Rand deines Ground Risk Buffers und dem äußeren Rand der Adjacent Ground Area. Für die Praxis kannst du mit vereinfachten, konservativen Annahmen arbeiten, solange die Einhaltung der Betriebsbeschränkungen sichergestellt ist.
2. Outdoor-Menschenansammlungen innerhalb von 1 km
Entwickle ein Verfahren, um mögliche Outdoor-Menschenansammlungen rund um dein Operational Volume zu identifizieren. Entscheidend ist dabei: Gibt es innerhalb von 1 km rund um den äußeren Rand des Operational Volume geplante oder regelmäßig stattfindende Veranstaltungen mit mehr als 40.000 bzw. 400.000 Personen?
Dieser Wert ist eine Größenordnung, keine exakte Messung – in der Praxis ist eine genaue Zählung nicht realistisch. Die SORA erwartet hier ein durchdachtes Verfahren, keine punktgenaue Analyse.
⚠️ Wichtig: Wenn dein Ground Risk Buffer größer als 1 km ist, entfällt die Betrachtung von Menschenansammlungen für die Adjacent Ground Area vollständig.
Die drei Containment-Stufen
Auf Basis deiner Bewertung wird eine von drei Containment-Stufen festgelegt. Diese Stufen spiegeln wider, wie zuverlässig dein System die Drohne im definierten Betriebsvolumen halten muss.
Low Containment
Das UAS muss so ausgelegt sein, dass kein wahrscheinlicher Einzelfehler dazu führt, dass die Drohne das Operational Volume verlässt – oder die Wahrscheinlichkeit dafür liegt unter 10⁻³ pro Flugstunde. Verlässt die Drohne das Operational Volume, muss der Flug unverzüglich beendet werden. Der Ground Risk Buffer folgt mindestens dem 1:1-Prinzip (Pufferbreite entspricht mindestens der maximalen Höhe des Operational Volume).
Medium Containment
Die Anforderung an die Fehlerwahrscheinlichkeit (Criterion #1) ist identisch mit Low Containment – auch hier darf kein wahrscheinlicher Einzelfehler dazu führen, dass die Drohne das Operational Volume verlässt.
Der wesentliche Unterschied liegt bei Criterion #3: Der Ground Risk Buffer muss zusätzlich wahrscheinliche Einzelfehler berücksichtigen, die ein Verlassen des Operational Volume bewirken könnten – einschließlich des Abwurfs von Hochenergieteilen wie Rotoren und Propellern, meteorologischer Einflüsse sowie systemspezifischer Latenzen.
Darüber hinaus steigt der erforderliche Nachweislevel (Assurance Level): Eine einfache Designerklärung genügt nicht mehr. Es werden unterstützende Belege wie Tests, Analysen oder Simulationen erwartet.
High Containment
Die strengste Stufe. Kein entfernter Einzelfehler darf dazu führen, dass die Drohne das Operational Volume verlässt – oder die Wahrscheinlichkeit liegt unter 10⁻⁴ pro Flugstunde. Das entspricht einer zehnfach höheren Zuverlässigkeit gegenüber Medium Containment. Wenn High Containment beansprucht wird, sollte die zuständige Behörde in der Regel einen Design Verification Report (DVR) der EASA verlangen.
Für alle drei Stufen gilt unabhängig: Verlässt die Drohne das Operational Volume, muss der Flug unmittelbar beendet werden.
Für den angrenzenden Luftraum gilt eine vereinfachte Regelung: Low Containment reicht grundsätzlich aus, um Operationen neben allen Luftraumvolumen durchzuführen – vorausgesetzt, der Flug wird bei einem Verlassen des Operational Volume sofort beendet.
Schritt für Schritt: So ermittelst du dein Containment-Level
Die konkrete Bestimmung erfolgt über die Tabellen 8 bis 13 aus Annex E des EASA AMC & GM zu Verordnung (EU) 2019/947, Issue 1, Amendment 3 (ED Decision 2025/018/R). Gehe dabei so vor:
Schritt 1: Richtige Tabelle wählen
Wähle die passende Tabelle anhand der maximalen charakteristischen Abmessung deiner Drohne und ihrer Maximalgeschwindigkeit:
| UA-Größe | Maximalgeschwindigkeit | Tabelle |
|---|---|---|
| bis 1 m | < 25 m/s | Tabelle 8 |
| bis 3 m | < 35 m/s | Tabelle 9 (mit Shelter) oder Tabelle 10 (ohne Shelter) |
| bis 8 m | < 75 m/s | Tabelle 11 |
| bis 20 m | < 120 m/s | Tabelle 12 |
| bis 40 m | < 200 m/s | Tabelle 13 |
Ob ein Sheltering-Effekt für deine Drohne in der Adjacent Ground Area angenommen werden kann, richtet sich nach denselben Überlegungen wie in Schritt 3 – Finale Ground Risk Class, wo der Sheltering-Effekt (Mitigation M1B) bereits für das Operational Volume bewertet wurde.
Schritt 2: Zeile nach SAIL auswählen
Identifiziere die Zeile, die deinem SAIL aus Schritt 7 entspricht (SAIL I–VI).
Schritt 3: Spalte nach Bevölkerungsdichte und Ansammlungen wählen
Bestimme die relevante Spalte anhand der durchschnittlichen Bevölkerungsdichte und der Outdoor-Ansammlungen. Verwende den strengsten der beiden Werte – also den, der zum höheren Containment-Level führt.
Schritt 4: Ergebnis ablesen
Das Ergebnis an der Schnittstelle von Zeile und Spalte ergibt das erforderliche Containment-Level: Low, Medium oder High.
Was bedeutet „Out of scope“?
Wenn du in der Tabelle auf „Out of scope“ stößt, bedeutet das: Diese Operation ist in der aktuellen Konfiguration in der Specific Category nicht genehmigungsfähig. Das Dokument nennt zwei Möglichkeiten:
- Du wählst einen anderen Standort mit geringerer Bevölkerungsdichte.
- Du erhöhst den SAIL der Operation, was zu einem günstigeren Tabellenergebnis führen kann.
Die Containment-Tabellen im Überblick
Die folgenden Tabellen sind der maßgeblichen EASA-Quelle entnommen: AMC & GM zu Verordnung (EU) 2019/947, Issue 1, Amendment 3 (ED Decision 2025/018/R), Annex E, Abschnitt E.4.
Tabelle 8 – UA bis 1 m (< 25 m/s), Sheltering anwendbar
| SAIL | Ansammlungen > 400.000 P. | Ansammlungen 40.000–400.000 P. | Ansammlungen < 40.000 P. / Ø-Dichte < 50.000 P/km² |
|---|---|---|---|
| I & II | High | Medium | Low |
| III | Medium | Low | Low |
| IV, V & VI | Low | Low | Low |
Tabelle 9 – UA bis 3 m (< 35 m/s), Sheltering anwendbar
| SAIL | Ansammlungen > 400.000 P. | Ansammlungen 40.000–400.000 P. | Ansammlungen < 40.000 P. / Ø-Dichte < 50.000 P/km² | Ø-Dichte < 5.000 P/km² |
|---|---|---|---|---|
| I & II | Out of scope | High | Medium | Low |
| III | Out of scope | Medium | Low | Low |
| IV | Medium | Low | Low | Low |
| V & VI | Low | Low | Low | Low |
Tabelle 10 – UA bis 3 m (< 35 m/s), Sheltering nicht anwendbar
| SAIL | Ansammlungen > 400.000 P. | Ansammlungen 40.000–400.000 P. | Ansammlungen < 40.000 P. / Ø-Dichte < 50.000 P/km² | Ø-Dichte < 5.000 P/km² | Ø-Dichte < 500 P/km² |
|---|---|---|---|---|---|
| I & II | Out of scope | High | Medium | Low | Low |
| III | Out of scope | Medium | Low | Low | Low |
| IV | Medium | Low | Low | Low | Low |
| V & VI | Low | Low | Low | Low | Low |
Tabelle 11 – UA bis 8 m (< 75 m/s), kein Sheltering
| SAIL | Ansammlungen > 400.000 P. | Ansammlungen 40.000–400.000 P. | Ansammlungen < 40.000 P. / Ø-Dichte < 50.000 P/km² | Ø-Dichte < 5.000 P/km² | Ø-Dichte < 500 P/km² | Ø-Dichte < 50 P/km² |
|---|---|---|---|---|---|---|
| I & II | Out of scope | Out of scope | High | Medium | Low | Low |
| III | Out of scope | Out of scope | Medium | Low | Low | Low |
| IV | Out of scope | Medium | Low | Low | Low | Low |
| V | Medium | Low | Low | Low | Low | Low |
| VI | Low | Low | Low | Low | Low | Low |
Tabelle 12 – UA bis 20 m (< 120 m/s), kein Sheltering
| SAIL | Ansammlungen > 400.000 P. | Ansammlungen 40.000–400.000 P. | Ansammlungen < 40.000 P. / Ø-Dichte < 50.000 P/km² | Ø-Dichte < 5.000 P/km² | Ø-Dichte < 500 P/km² | Ø-Dichte < 50 P/km² |
|---|---|---|---|---|---|---|
| I & II | Out of scope | Out of scope | Out of scope | High | Medium | Low |
| III | Out of scope | Out of scope | Out of scope | Medium | Low | Low |
| IV | Out of scope | Out of scope | Medium | Low | Low | Low |
| V | Out of scope | Medium | Low | Low | Low | Low |
| VI | Medium | Low | Low | Low | Low | Low |
Tabelle 13 – UA bis 40 m (< 200 m/s), kein Sheltering
| SAIL | Ansammlungen > 400.000 P. | Ansammlungen 40.000–400.000 P. | Ansammlungen < 40.000 P. / Ø-Dichte < 50.000 P/km² | Ø-Dichte < 5.000 P/km² | Ø-Dichte < 500 P/km² | Ø-Dichte < 50 P/km² |
|---|---|---|---|---|---|---|
| I & II | Out of scope | Out of scope | Out of scope | Out of scope | High | Medium |
| III | Out of scope | Out of scope | Out of scope | Out of scope | Medium | Low |
| IV | Out of scope | Out of scope | Out of scope | Medium | Low | Low |
| V | Out of scope | Out of scope | Medium | Low | Low | Low |
| VI | Out of scope | Medium | Low | Low | Low | Low |
Quelle: EASA AMC & GM zu Verordnung (EU) 2019/947, Issue 1, Amendment 3 (ED Decision 2025/018/R), Annex E, Abschnitt E.4, Tabellen 8–13.
📌 Praxisbeispiel aus der EASA-Dokumentation: Eine Operation mit einer 2,5-m-Drohne (Maximalgeschwindigkeit 30 m/s), SAIL III und anwendbarem Sheltering-Effekt ergibt eine Adjacent Ground Area von 5,4 km. Keine Großveranstaltungen innerhalb von 1 km, Bevölkerungsdichte im Adjacent Area zwischen 1.000 und 4.000 Personen/km². Das Ergebnis nach Tabelle 9: Low Containment. Die Betriebseinschränkungen lauten: keine Ansammlungen über 40.000 Personen innerhalb von 1 km des Operational Volume, Bevölkerungsdichte im Adjacent Area unter 50.000 Personen/km².
Du hast dein Containment-Level – was jetzt?
Das ermittelte Containment-Level ist kein Endpunkt, sondern ein Eingabewert für das, was als nächstes kommt. Konkret bedeutet das dreierlei:
1. Betriebsbeschränkungen festhalten
Die Spalte, aus der du dein Containment-Level abgelesen hast, ist gleichzeitig deine Betriebsbeschränkung. Sie gibt an, unter welchen Bedingungen deine Operation zulässig ist – also zum Beispiel: maximale durchschnittliche Bevölkerungsdichte im Adjacent Area, keine Outdoor-Ansammlungen über einer bestimmten Größe innerhalb von 1 km. Diese Limits müssen schriftlich dokumentiert und in dein Betriebshandbuch übernommen werden. Sie gelten für jede einzelne Flugvorbereitung: Bevor du fliegst, prüfst du, ob dein geplanter Standort diese Bedingungen erfüllt.
2. Technische Anforderungen an dein UAS kennen und nachweisen
Das Containment-Level bestimmt, welche technischen und operativen Anforderungen dein UAS und deine Betriebsverfahren erfüllen müssen – definiert in Annex E, Abschnitt E.4 des EASA AMC. Diese Anforderungen gliedern sich in drei Kriterien: die Wahrscheinlichkeit, mit der das UAS das Operational Volume verlässt (Criterion #1), die sofortige Beendigung des Flugs bei einem solchen Ereignis (Criterion #2) sowie die korrekte Definition des Ground Risk Buffers (Criterion #3). Du musst in der Lage sein, der Behörde gegenüber nachzuweisen, dass dein UAS und deine Verfahren diese Anforderungen auf dem geforderten Niveau erfüllen.
Dieser Nachweis ist nicht Teil von Schritt 8 selbst – er fließt in Schritt 10 ein, das Comprehensive Safety Portfolio (CSP). Dort sammelst du alle Nachweise für die Anforderungen aus dem gesamten SORA-Prozess, inklusive der Containment-Anforderungen.
3. Feedback-Loop prüfen (bei Medium oder High)
Wenn du Medium oder High Containment ermittelt hast, musst du zusätzlich prüfen, ob das Auswirkungen auf deinen Ground Risk Buffer hat – dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Kurz zusammengefasst: In Schritt 8 notierst du das Containment-Level und die damit verbundenen Betriebsbeschränkungen. Die technischen Anforderungen musst du kennen und sicherstellen, dass dein UAS sie erfüllt – der formale Nachweis dafür kommt aber erst in Schritt 10.
Feedback-Loop: Was passiert, wenn Medium oder High nötig ist?
Wenn du feststellst, dass deine Operation Medium oder High Containment erfordert, kann das Auswirkungen auf die Berechnung deines Ground Risk Buffers haben – das Dokument bezeichnet das als möglichen rekursiven Effekt.
Bei High Containment ist dieser Schritt verpflichtend: Der Ground Risk Buffer muss nach den erweiterten Anforderungen aus Criterion #3 (Annex E, E.4) neu berechnet werden. Das berücksichtigt zusätzlich wahrscheinliche Einzelfehler, Wetterbedingungen, Systemlatenzen und das Verhalten der Drohne beim Aktivieren technischer Sicherheitsmaßnahmen. Es ist möglich, dass der Buffer dadurch größer wird als ursprünglich in Schritt 1 definiert.
Bei Medium Containment solltest du ebenfalls prüfen, ob ein angepasster Ground Risk Buffer nötig wird – dieser Effekt ist hier jedoch nicht zwingend, sondern situationsabhängig.
Hinweis: Wenn du durch diesen Feedback-Loop zu einem größeren Ground Risk Buffer kommst, musst du zurück zu Schritt 2 und die Ground Risk Class neu bewerten. Alternativ kannst du das Operational Volume aus Schritt 1 verkleinern, um mehr Spielraum für den Buffer zu schaffen – und dann den Prozess erneut durchlaufen.
Dieser Rückkopplungseffekt ist ein typisches Merkmal des SORA-Prozesses: Die Schritte sind nicht strikt linear, sondern können in Abhängigkeit voneinander iterativ angepasst werden.
Zusammenfassung
- Die Adjacent Ground Area ist der Bereich außerhalb des Ground Risk Buffers, den deine Drohne bei einem Fly-Away unbeabsichtigt erreichen könnte.
- Die Größe ergibt sich aus der Maximalgeschwindigkeit deiner Drohne multipliziert mit 3 Minuten – mindestens 5 km, maximal 35 km.
- Drohnen unter 250 g erhalten automatisch Low Containment ohne weitere Anforderungen.
- Zur Bestimmung des Containment-Levels kombinierst du die durchschnittliche Bevölkerungsdichte im Adjacent Area mit der Frage nach Outdoor-Ansammlungen innerhalb von 1 km.
- Die drei Stufen Low, Medium und High haben jeweils eigene technische und operative Anforderungen an dein UAS.
- „Out of scope“ bedeutet: Diese Konfiguration ist in der Specific Category nicht zulässig. Das Dokument nennt zwei Optionen: Standort mit geringerer Bevölkerungsdichte wählen oder den SAIL der Operation erhöhen.
- Das ermittelte Containment-Level wird dokumentiert und als Betriebsbeschränkung ins Betriebshandbuch übernommen. Der formale Nachweis der technischen Anforderungen folgt in Schritt 10 (CSP).
- Bei High Containment ist eine Neuberechnung des Ground Risk Buffers verpflichtend und kann einen Feedback-Loop zu Schritt 2 auslösen. Bei Medium Containment ist das situationsabhängig zu prüfen.
Nächster Schritt: OSOs identifizieren
Mit dem Containment-Level hast du einen weiteren zentralen Baustein deines SORA-Antrags abgeschlossen. Als nächstes folgt Schritt 9: die Identifikation der Operational Safety Objectives (OSOs) – also der konkreten Sicherheitsziele, die du für deinen SAIL nachweisen musst.
Wenn du die gesamte Serie von Anfang an durcharbeiten möchtest oder einige der vorherigen Schritte noch einmal vertiefen willst, findest du alle Artikel in unserem SORA-Antrag-Leitfaden.
Einer der aufwändigsten Teile von Schritt 8 in der Praxis ist die Berechnung der durchschnittlichen Bevölkerungsdichte der Adjacent Ground Area – insbesondere für größere Drohnen mit entsprechend weitreichenden Gebieten. wingman by skyzr übernimmt genau das für dich: Größe und durchschnittliche Bevölkerungsdichte des benachbarten Gebiets werden automatisch berechnet, sodass du direkt in die Tabellen einsteigen und dein Containment-Level ableiten kannst – ohne manuelle Recherche und Fehlerquellen. Und wenn du dir bei der Bewertung deiner spezifischen Operation insgesamt unsicher bist, stehen wir dir auch mit einer persönlichen SORA-Beratung zur Seite.
