Rehkitzrettung mit Drohne – Grundlagen, Ablauf und Technik

Dimitri
Von Dimitri - Plattform & Content Manager
14 Min. Lesezeit
Mit Drohnen können zahlreiche Rehkitze vor dem Tod gerettet werden.

Jedes Frühjahr beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Landwirte müssen ihre Wiesen mähen, während Rehkitze versteckt im hohen Gras liegen. Drohnen mit Wärmebildkamera können diese Tiere aufspüren, bevor es zu spät ist – und bringen dabei Drohnenpiloten und Landwirte zusammen. Ob du als Pilot helfen möchtest oder als Landwirt Unterstützung suchst: Dieser Ratgeber erklärt, wie die Rehkitzrettung mit Drohne funktioniert, welche Technik du brauchst und wie beide Seiten zueinander finden.

Das musst du wissen

  • Drohnen mit Wärmebildkamera gelten als die effektivste Methode, um Rehkitze vor dem Mähtod zu retten.
  • In Deutschland werden laut Schätzungen jährlich bis zu 100.000 Rehkitze durch Mähmaschinen getötet oder schwer verletzt.
  • Das Bundesministerium für Landwirtschaft (BMLEH) fördert seit 2021 die Anschaffung geeigneter Drohnen für eingetragene Vereine – das Programm wird voraussichtlich auch 2026 fortgeführt.
  • Seit November 2024 gilt eine nationale Ausnahmeregelung, die den Drohneneinsatz zur Rehkitzrettung über Agrarflächen deutlich erleichtert.
  • Dieser Ratgeber richtet sich an Drohnenpiloten, die bei der Rehkitzrettung helfen möchten, und an Landwirte, die Unterstützung bei der Suche nach Rehkitzen suchen.

Warum Rehkitze bei der Mahd sterben

Jedes Frühjahr beginnen Landwirte mit dem Mähen ihrer Grünland- und Futterflächen. Dabei kommen große Maschinen mit scharfen Mähwerken zum Einsatz. Das Problem: Genau in diese Wiesen legen Rehgeißen ihre neugeborenen Kitze ab – versteckt im vermeintlich sicheren hohen Gras.

Rehkitze verfügen in den ersten zwei bis drei Lebenswochen über einen angeborenen Drückinstinkt. Bei Gefahr fliehen sie nicht, sondern drücken sich flach auf den Boden und verharren regungslos. Diese Überlebensstrategie schützt sie vor natürlichen Fressfeinden, wird ihnen aber bei einer herannahenden Mähmaschine zum Verhängnis. Für den Fahrer auf dem Traktor sind die kleinen Tiere im hohen Gras praktisch unsichtbar.

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Die Folgen sind dramatisch: Verschiedene Organisationen wie die Deutsche Wildtier Stiftung schätzen, dass in Deutschland jährlich bis zu 100.000 Rehkitze bei Mäharbeiten getötet oder schwer verletzt werden. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, da viele Fälle unentdeckt bleiben – aber die Dimension ist unbestritten.

Landwirte sind nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet, vor der Mahd Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Gerichte haben in den vergangenen Jahren mehrfach Geldstrafen zwischen 2.500 und 10.000 Euro verhängt, wenn ohne Vorsorge gemäht und dabei Kitze getötet wurden. Einen umfassenden Überblick zu den rechtlichen Grundlagen beim Drohnenfliegen findest du in unserem Ratgeber zur EU-Drohnenverordnung.

⚠️ Fehler vermeiden: Ältere Methoden wie Flatterbänder oder das Ablaufen der Felder zu Fuß bieten keine zuverlässige Sicherheit. Ricken gewöhnen sich an Flatterbänder, und beim Abgehen werden längst nicht alle Kitze gefunden, weil sie zusammengekauert und regungslos im Gras liegen.

So funktioniert die Rehkitzrettung mit Drohne

Drohnen mit Wärmebildkameras haben sich in den letzten Jahren als mit Abstand effektivste Methode zur Rehkitzsuche etabliert. Das Prinzip ist einfach: Die Wärmebildkamera erkennt die Körpertemperatur der Kitze (ca. 39 °C), die sich deutlich von der kühleren Umgebungstemperatur des Grases abhebt. Auf dem Bildschirm erscheinen die Tiere als helle Wärmepunkte.

Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) hat dies bestätigt: In der Studie von Dirk Sachon (2018) wurden Rehkitze mit Drohnen 1,32-mal häufiger gefunden als mit jeder anderen Suchmethode. Zudem war eine Drohne pro Hektar über zwölfmal schneller als eine Person ohne technische Ausstattung.

Durch das Festlegen von automatischen Flugrouten kann die Drohne das Feld systematisch und autonom abfliegen, während der Pilot das Wärmebild auf dem Bildschirm beobachtet. Sobald ein Kitz entdeckt wird, wird die Position markiert – und Helfer am Boden bringen das Tier in Sicherheit.

Tipp: Die Suche funktioniert am besten in den frühen Morgenstunden, idealerweise vor Sonnenaufgang bis maximal zwei Stunden danach. Zu diesem Zeitpunkt ist der Temperaturunterschied zwischen Kitz und Umgebung am größten. Sobald die Sonne die Wiese aufwärmt, leuchten auch Maulwurfshügel und Erdlöcher im Wärmebild – das erschwert die Suche erheblich.

Typischer Ablauf einer Rehkitzrettung

So läuft ein typischer Einsatz ab – von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Freigabe der Fläche:

  1. Abstimmung: Der Landwirt meldet seinen Mähtermin – idealerweise 24 bis 48 Stunden im Voraus. Ort, Datum und Uhrzeit (meist zwischen 4 und 7 Uhr morgens) werden mit dem Drohnenpiloten abgestimmt. Auch der zuständige Jagdpächter sollte informiert werden.
  2. Planung: Der Pilot plant die Flugroute über die Fläche und legt Bahnen mit ausreichender Überlappung fest, um keine Bereiche zu übersehen. Gängige Flughöhen liegen bei 25 bis 40 Metern.
  3. Flug und Suche: Am Morgen des Einsatzes fliegt die Drohne die Fläche systematisch ab. Entdeckte Rehkitze werden per GPS-Position markiert.
  4. Sicherung der Kitze: Helfer am Boden – oft Jäger, Landwirte oder Freiwillige – bringen die Kitze in Sicherheit. Dabei ist höchste Vorsicht geboten (siehe Hinweise unten).
  5. Freigabe: Sind alle Kitze gesichert, erhält der Landwirt die Freigabe zum Mähen. Auf Wunsch kann eine Bescheinigung über die erfüllte Sorgfaltspflicht ausgestellt werden.
  6. Freilassung: Nach Abschluss der Mahd werden die Kitze möglichst nah am ursprünglichen Fundort wieder freigelassen – an einem Ort mit ausreichender Deckung, damit die Muttertiere sie wiederfinden.

Konkrete Tipps für Drohnenpiloten zur Rehkitzrettung mit Drohne haben wir dir in unserem Ratgeber 5 Tipps zur Rehkitzrettung mit Drohne zusammengefasst.

Drohnenpiloten und Landwirte zusammenbringen

Die größte Herausforderung bei der Rehkitzrettung ist oft nicht die Technik, sondern die Koordination: Landwirte brauchen kurzfristig Hilfe, wissen aber nicht, wen sie fragen sollen. Drohnenpiloten wiederum möchten helfen, kennen aber die Landwirte vor Ort nicht.

Für die Suche nach Drohnenpiloten bietet sich das Drohnenpilotenverzeichnis von skyzr an. Dort finden Landwirte über einfache Filter qualifizierte Piloten in ihrer Nähe und können diese kostenlos und direkt kontaktieren. Piloten können sich im Netzwerk registrieren und ihre Verfügbarkeit für die Rehkitzrettung signalisieren. In unserem Ratgeber zum Profil als Drohnenpilot erfährst du, wie du dich als Pilot optimal präsentierst.

Welche Drohnen eignen sich für die Rehkitzrettung?

Die eingesetzte Technik ist bei der Rehkitzrettung entscheidend. Die Drohne muss zwingend über eine Wärmebildkamera mit ausreichender Auflösung verfügen, damit Kitze zuverlässig erkannt werden können.

Empfohlene Drohnen (Stand 2026)

Die aktuell am häufigsten eingesetzte Drohne für die Rehkitzrettung ist die DJI Mavic 3 Thermal (M3T). Sie kombiniert eine hochauflösende Wärmebildkamera (640×512 Pixel) mit einer Zoomkamera (56-facher Hybridzoom) und bietet bis zu 45 Minuten Flugzeit. Mit einem Gewicht von nur 920 Gramm ist sie kompakt und transportabel. Der synchronisierte Split-Screen zeigt Wärmebild und Zoom gleichzeitig an – so lässt sich ein Wärmesignal sofort visuell überprüfen, ohne in den Sinkflug gehen zu müssen.

dji mavic 2 thermalkamera wärmebild
Das Wärmebild einer DJI Mavic 2 Enterprise Dual. Bild: dji.com

Worauf bei der Auswahl zu achten ist

  • Wärmebildauflösung: Mindestens 320×256 Pixel, besser 640×512 Pixel. Kameras mit niedrigerer Auflösung (z. B. 160×120 Pixel bei älteren Modellen) erschweren die Suche erheblich.
  • Flugzeit: Mindestens 20 Minuten pro Akku – je mehr, desto besser. Die M3T bietet hier mit 45 Minuten einen klaren Vorteil.
  • Autonome Flugrouten: Die Möglichkeit, Wegpunkte zu setzen und die Fläche automatisch abfliegen zu lassen, macht die Suche deutlich effizienter.
  • Hinderniserkennung: Gerade bei Einsätzen in der Dämmerung in der Nähe von Bäumen und Stromleitungen ein wichtiges Sicherheitsfeature.

Einsteigergeräte mit Wärmebildkamera starten preislich bei ca. 3.500 bis 4.000 Euro im Komplettpaket. Professionelle Ausstattungen mit der M3T liegen je nach Zubehör bei 5.000 bis 7.000 Euro. Wer noch ganz am Anfang steht, findet Orientierung in unserem Ratgeber Drohne kaufen.

Wichtige Hinweise beim Einsatz

Umgang mit gefundenen Rehkitzen

Beim Bergen der Kitze gilt eine absolute Grundregel: Rehkitze niemals mit bloßen Händen anfassen. Die Tiere könnten den menschlichen Geruch annehmen, was im schlimmsten Fall dazu führt, dass die Mutter das Kitz nicht mehr annimmt. Immer Handschuhe tragen und das Kitz zusätzlich in ausreichend Gras einwickeln.

Kommunikation im Team

Eine erfolgreiche Rehkitzrettung steht und fällt mit guter Abstimmung zwischen Pilot, Landwirt und Helfern. Funkgeräte oder Walkie-Talkies haben sich in der Praxis bewährt, da das Mobilfunknetz auf ländlichen Flächen nicht immer zuverlässig ist. Am besten klären alle Beteiligten vorher, wer welche Aufgabe übernimmt.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Seit November 2024 gelten vereinfachte Regeln für den Drohneneinsatz in der Landwirtschaft und Rehkitzrettung. Die Allgemeinverfügung vom 01.10.2024 hat über 90 % der zuvor gesperrten Flächen über Agrar- und Forstland für Drohnenflüge geöffnet. Der seitliche Mindestabstand zu Wohn-, Gewerbe- und Erholungsgebieten wurde auf nur noch 10 Meter reduziert.

Wichtig für Piloten: Eine gültige Drohnen-Haftpflichtversicherung ist Pflicht. Für die Rehkitzrettung – auch bei ehrenamtlichem Einsatz – wird in der Regel eine gewerbliche Drohnenversicherung empfohlen, da eine private Versicherung diesen Einsatzzweck oft nicht abdeckt. Alle Details dazu findest du in unserem Ratgeber zur Drohnenversicherung.

⚠️ Fehler vermeiden: Wer als Verein einen Förderantrag stellt, sollte keine Drohne vor Erhalt des Förderbescheids kaufen. Vorzeitige Anschaffungen sind nicht förderfähig und führen zum Verlust des Zuschusses.

Förderung: Zuschuss für Drohnen zur Rehkitzrettung

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) fördert seit 2021 über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Anschaffung von Drohnen mit Wärmebildkamera zur Rehkitzrettung. Das Programm war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich und wurde 2025 aufgrund hoher Nachfrage von 1,5 auf 2,5 Millionen Euro aufgestockt.

Für 2026 wird die Fortführung des Programms erwartet – die offizielle Förderrichtlinie wird voraussichtlich im Frühjahr veröffentlicht. Die Rahmenbedingungen der letzten Jahre:

  • Förderhöhe: Bis zu 60 % der Anschaffungskosten, maximal 4.000 Euro pro Drohne
  • Antragsberechtigt: Eingetragene Vereine (Kreisjagdvereine, Kitzrettungsvereine, ab 2026 voraussichtlich auch Umwelt- und Naturschutzvereine)
  • Wichtig: Der Kauf der Drohne darf erst nach Erhalt des Förderbescheids erfolgen
  • Zweckbindung: Die Drohne muss mindestens drei Jahre vorrangig zur Rehkitzrettung eingesetzt werden

Aktuelle Informationen zum Antragsverfahren findest du auf der Seite der BLE.

Zusammenfassung

  • Drohnen mit Wärmebildkamera sind die effektivste Methode, um Rehkitze vor dem Mähtod zu retten – sie finden Kitze häufiger und schneller als jede andere Suchmethode.
  • Die beste Zeit für die Suche ist in den frühen Morgenstunden bei kühlen Temperaturen (unter 15 °C), wenn der Wärmekontrast am größten ist.
  • Die DJI Mavic 3 Thermal (M3T) ist aktuell die am häufigsten eingesetzte Drohne für diesen Zweck – mit 640×512 Pixel Wärmebildauflösung und 45 Minuten Flugzeit.
  • Seit November 2024 erleichtert eine nationale Ausnahmeregelung den Drohneneinsatz über Agrarflächen erheblich.
  • Das BMLEH-Förderprogramm unterstützt eingetragene Vereine mit bis zu 4.000 Euro Zuschuss pro Drohne – die Fortsetzung für 2026 ist angekündigt.
  • Rehkitze dürfen nur mit Handschuhen und Gras angefasst werden – gute Kommunikation zwischen Pilot, Landwirt und Jäger ist entscheidend.

FAQ zur Rehkitzrettung mit Drohne

Eignen sich Drohnen für die Rehkitzrettung? Drohnen mit Wärmebildkamera sind nachweislich die effektivste Methode zur Rehkitzsuche. Sie finden Kitze zuverlässiger und schneller als alle anderen Suchverfahren.

Wann ist die richtige Zeit für die Rehkitzsuche? Die Rehkitzsuche findet hauptsächlich im Mai und Juni statt, wenn die erste Mahd mit der Brut- und Setzzeit zusammenfällt. Geflogen wird in den frühen Morgenstunden, idealerweise vor Sonnenaufgang.

Welche Drohne brauche ich für die Rehkitzrettung? Eine Drohne mit Wärmebildkamera mit mindestens 320 Pixel Auflösung (empfohlen 640 Pixel) und ausreichender Flugzeit. Die DJI Mavic 3 Thermal ist aktuell das meistgenutzte Modell.

Wie finden Landwirte und Drohnenpiloten zueinander? Im Drohnenpilotenverzeichnis von skyzr finden Landwirte qualifizierte Piloten in ihrer Nähe. Piloten können sich dort registrieren und ihre Verfügbarkeit für die Rehkitzrettung signalisieren.

Gibt es eine Förderung für Drohnen zur Rehkitzrettung? Ja, das BMLEH fördert über die BLE die Anschaffung von Wärmebilddrohnen für eingetragene Vereine mit bis zu 60 % der Kosten (max. 4.000 Euro). Das Programm wird voraussichtlich auch 2026 fortgeführt.

Ob als Drohnenpilot oder als Landwirt – im Drohnenpilotenverzeichnis von skyzr findest du den richtigen Ansprechpartner für die Rehkitzrettung. Kostenlos und unkompliziert.

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Mein Name ist Dimitri Wolf, ich arbeite als Plattform- und Content-Manager bei skyzr und beschäftige mich seit 2016 mit Drohnen. Mit meinen Beiträgen möchte ich dir helfen, die teils komplexen Themen rund um Drohnen besser zu verstehen und dein Wissen und Können zu erweitern, damit du es praktisch anwenden kannst.
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