Du stehst auf dem Feld, bereitest deinen nächsten Einsatz vor – und plötzlich hörst du ein Summen über dir. Eine fremde Drohne fliegt in deiner Nähe. Wer steckt dahinter? Fliegt sie legal? Und könnte sie deinen eigenen Flug gefährden? Seit Remote ID in der EU Pflicht ist, kannst du genau das mit deinem Smartphone herausfinden.
Das musst du wissen
- Remote ID ist seit dem 1. Januar 2024 in der EU für die meisten Drohnen mit CE-Klassenzeichen (C1, C2, C3) Pflicht.
- Mit kostenlosen Apps wie Drone Scanner oder Air Sentinel kannst du Drohnen in deiner Umgebung erkennen – ganz ohne Zusatzhardware.
- Die Apps nutzen Bluetooth und Wi-Fi deines Smartphones, um die von Drohnen gesendeten Remote-ID-Daten zu empfangen.
- Die Reichweite ist begrenzt (ca. 300–1.500 Meter) und hängt vom Smartphone, der Drohne und der Umgebung ab.
- Auf iPhones funktioniert nur Bluetooth-Erkennung – Wi-Fi-basierte Signale werden von iOS systembedingt blockiert.
Dieser Ratgeber richtet sich an Drohnenpiloten aller Erfahrungsstufen, die ihre Umgebung vor und während des Flugs besser im Blick behalten möchten.
Was ist Remote ID und warum ist es relevant für dich?
Remote ID ist das digitale Kennzeichen einer Drohne. Während des Flugs sendet die Drohne per Bluetooth oder Wi-Fi Informationen wie die Betreiber-Nummer (eID), den Standort der Drohne, ihre Flughöhe und -richtung sowie den Standort des Piloten. Diese Daten kann jeder in der Nähe empfangen – nicht nur Behörden.
Für dich als Drohnenpilot ist das aus mehreren Gründen relevant. Vor einem Einsatz kannst du prüfen, ob bereits andere Drohnen in deinem geplanten Fluggebiet unterwegs sind. Während des Flugs behältst du den Luftraum im Blick. Und wenn du eine fremde Drohne über deinem Grundstück oder in einer Flugverbotszone bemerkst, kannst du erkennen, ob sie sich regelkonform verhält. Remote-ID-Apps gehören damit zu den praktischen Werkzeugen für einen gut organisierten Drohnenalltag – weitere operative Helfer und Routinen findest du in unserem Leitfaden zum professionellen Drohnenbetrieb.
Einen umfassenden Überblick über die Regelungen rund um Remote ID und die EU-Drohnenverordnung findest du in unserem Ratgeber zur EU-Drohnenverordnung.
Welche Drohnen senden Remote ID?
Nicht jede Drohne ist automatisch per App sichtbar. Remote ID ist in der offenen Kategorie Pflicht für Drohnen der Klassen C1, C2 und C3. Drohnen der Klasse C0 (unter 250 g, z. B. die DJI Mini 4 Pro) sind in der offenen Kategorie davon ausgenommen – sie senden in der Regel kein Remote-ID-Signal. In der Specific-Kategorie gilt die Pflicht hingegen für alle Drohnen, unabhängig von der Klasse.
Alle neueren DJI-Drohnen mit CE-Klassenzeichen unterstützen Remote ID bereits ab Werk. Bei einigen älteren Modellen wie der DJI Air 2S lässt sich die Funktion per Firmware-Update nachrüsten. Wer eine Drohne ohne eingebaute Remote ID betreibt und dazu verpflichtet ist, kann ein externes Remote-ID-Modul nachrüsten. Solche Module gibt es beispielsweise von Dronetag oder BlueMark Innovations.
Wichtig zu wissen: Auch wenn Remote ID gesetzlich vorgeschrieben ist, gibt es in der Praxis bisher kaum Durchsetzungsmechanismen. Die Drohne hebt auch ohne aktivierte Remote ID problemlos ab – es gibt keine technische Sperre. Wer also bewusst ohne Remote ID fliegt, etwa weil er in einer Flugverbotszone unterwegs ist und nicht erkannt werden will, wird durch die Apps auch nicht erfasst. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Apps zeigen dir nur Drohnen, deren Piloten sich an die Regeln halten. Gerade Drohnen, die irgendwo fliegen, wo sie nicht fliegen dürften, wirst du auf diesem Weg mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht entdecken.
Die EU hat dieses Problem erkannt. Im Rahmen des geplanten Drone Security Package (erwartet bis Q3/2026) wird unter anderem eine Startverhinderung ohne hinterlegte Operator-ID diskutiert – die Drohne soll dann gar nicht mehr abheben können, wenn die eID nicht korrekt konfiguriert ist.
💡 Tipp: Ob deine eigene Drohne Remote ID sendet, erkennst du in der DJI Fly App am RID-Symbol oben links. Wird es schwarz angezeigt, ist alles in Ordnung. Leuchtet es rot, liegt ein Konfigurationsproblem vor. Alternativ kannst du in der WLAN-Liste deines Smartphones prüfen, ob die Seriennummer deiner Drohne als Netzwerk auftaucht.
Mehr zur eID und wie du sie in deiner Drohne hinterlegst, findest du in unserem Artikel zur eID für Drohnen.
Die besten Apps zum Drohnen-Tracken im Überblick
Es gibt mehrere kostenlose Apps, die Remote-ID-Signale empfangen und auf einer Karte darstellen. Hier sind die wichtigsten Optionen für 2026.
Drone Scanner (Gen. 2) von Dronetag
Drone Scanner ist die bekannteste und am weitesten verbreitete App in diesem Bereich. Sie wird vom tschechischen Unternehmen Dronetag entwickelt, das selbst Remote-ID-Hardware herstellt und an der Entwicklung des Remote-ID-Protokolls mitgewirkt hat.
Die App erkennt Drohnen über Bluetooth 4 und 5, Wi-Fi Beacon und Wi-Fi NaN. Du siehst erkannte Drohnen auf einer Karte, inklusive Flughöhe, Richtung, Betreiber-ID und Standortverlauf. Scan-Ergebnisse werden lokal gespeichert und lassen sich exportieren. Die App ist kompatibel mit EU-, US- und japanischen Remote-ID-Standards.
Seit 2025 gibt es eine komplett überarbeitete zweite Generation der App mit verbesserter Benutzeroberfläche. Optional lässt sich der Dronetag RIDER anschließen – ein externer Empfänger, der die Reichweite auf bis zu 5 km erhöht.
Verfügbar für: iOS und Android Kosten: Kostenlos
Air Sentinel
Air Sentinel ist eine US-amerikanische Alternative, die sich besonders auf Android-Geräte konzentriert. Die App erkennt Drohnen mit Remote-ID-Signalen in Echtzeit und zeigt deren Position auf einer Karte. Ein besonderes Merkmal: Air Sentinel speist erkannte Drohnen in eine globale Cloud-Datenbank ein, sodass andere Nutzer die Daten ebenfalls sehen können.
Im Unterschied zu Drone Scanner zeigt Air Sentinel die Pilotenposition nicht für alle Nutzer an. Nur verifizierte Behörden erhalten als „Authorized Users“ Zugang zu diesen erweiterten Daten.
Verfügbar für: Android (iOS in Entwicklung) Kosten: Kostenlos
OpenDroneID OSM
Für technisch versierte Nutzer gibt es OpenDroneID OSM – eine Open-Source-Referenzimplementierung des OpenDroneID-Standards. Die App bietet weniger Komfort als Drone Scanner, zeigt aber die Rohdaten der Remote-ID-Signale detailliert an. Sie ist vor allem für Entwickler und fortgeschrittene Anwender interessant, die genau verstehen möchten, welche Daten gesendet werden.
Verfügbar für: Android Kosten: Kostenlos (Open Source, Quellcode auf GitHub)
DroneScout Pro
DroneScout Pro stammt vom niederländischen Unternehmen BlueMark Innovations und richtet sich eher an professionelle Anwender. Die App speichert alle Daten ausschließlich lokal auf dem Gerät. In Kombination mit dem DroneScout Bridge-Empfänger lässt sich die Erkennungsreichweite auf bis zu 2 km erweitern.
Verfügbar für: Android Kosten: Kostenlos (Basisversion)
⚠️ Wichtig: Die Nutzerbewertungen aller Remote-ID-Apps sind gemischt. Ob und wie zuverlässig eine App Drohnen erkennt, hängt stark vom verwendeten Smartphone, dem Drohnenmodell und der Umgebung ab. Teste am besten mit deiner eigenen Drohne, bevor du dich auf die Ergebnisse verlässt.
So gehst du vor: Drohnen tracken in der Praxis
Die Einrichtung ist bei allen Apps ähnlich. Am Beispiel von Drone Scanner funktioniert es so:
Lade die App aus dem App Store oder Google Play Store herunter und öffne sie. Beim ersten Start fragt die App nach Berechtigungen für Bluetooth und Standort – beides musst du aktivieren. Auf Android-Geräten solltest du zusätzlich den Zugriff auf Wi-Fi-Scans erlauben, da viele Drohnen (insbesondere DJI-Modelle) Remote ID über Wi-Fi senden.
Nach dem Start scannt die App automatisch die Umgebung. Erkannte Drohnen erscheinen als Symbole auf der Karte. Tippst du auf eine Drohne, siehst du Details wie Flughöhe, Geschwindigkeit, Richtung, Betreiber-ID und – sofern verfügbar – den Standort des Piloten.
Die Scan-Ergebnisse lassen sich exportieren, was bei professionellen Einsätzen nützlich sein kann – etwa um zu dokumentieren, dass der Luftraum vor dem eigenen Flug frei war.
Einschränkungen, die du kennen solltest
So praktisch die Apps auch sind – es gibt einige wichtige Limitierungen.
Nur Drohnen mit aktiver Remote ID sind sichtbar. Ältere Drohnen ohne CE-Klassenzeichen, Bestandsdrohnen in der A1/A3-Kategorie unter 250 g und C0-Drohnen senden in der Regel kein Signal. Wer Remote ID bewusst deaktiviert oder gar nicht erst konfiguriert hat, bleibt ebenfalls unsichtbar. Das bedeutet: Die App zeigt dir nicht alle Drohnen in der Umgebung – und gerade die potenziell problematischen fehlen möglicherweise.
Die Reichweite ist begrenzt. Bluetooth-Signale haben typischerweise eine Reichweite von 300 bis 500 Metern. Wi-Fi-Signale reichen etwas weiter, sind aber auf iPhones systembedingt nicht empfangbar. Gebäude, Bäume und andere Hindernisse reduzieren die Reichweite zusätzlich.
iPhone-Nutzer sehen weniger. Apple blockiert den Zugriff auf Wi-Fi-Scans für Apps auf Systemebene. Das bedeutet, dass DJI-Drohnen, die Remote ID primär über Wi-Fi senden, auf iPhones häufig nicht erkannt werden. Nur Drohnen mit Bluetooth-basierter Remote ID sind auf iOS sichtbar.
Kein Echtzeit-Tracking im klassischen Sinn. Die Aktualisierungsrate hängt vom Smartphone und der Signalstärke ab. Erwarte keine lückenlose Live-Verfolgung wie auf einem Radarschirm.
Datenschutz: Was wird gesendet und was nicht?
Ein häufiges Missverständnis: Remote ID sendet nicht deinen Namen oder deine Adresse. Übertragen wird die UAS-Betreiber-Nummer (eID), die bei der Registrierung beim LBA vergeben wird. Nur Behörden können über diese Nummer den registrierten Betreiber ermitteln. Für andere App-Nutzer bleibt die Person hinter der Nummer anonym.
Allerdings wird in vielen Fällen auch der Standort des Piloten übertragen. Das ist für Behörden gedacht, kann aber theoretisch von jedem App-Nutzer eingesehen werden. Dieses Thema wird in der Drohnen-Community kontrovers diskutiert, und die EU prüft im Rahmen des geplanten Drone Security Package bis Q3/2026 mögliche Anpassungen.
Zusammenfassung
- Remote ID ist seit 2024 in der EU Pflicht für Drohnen der Klassen C1, C2 und C3 sowie für alle Drohnen in der Specific-Kategorie.
- Mit kostenlosen Apps kannst du Drohnen mit aktiver Remote ID in deiner Nähe erkennen.
- Drone Scanner (iOS/Android) ist die ausgereifteste und vielseitigste Lösung. Air Sentinel ist eine starke Android-Alternative.
- Die Erkennung funktioniert am zuverlässigsten auf Android-Geräten, da dort sowohl Bluetooth als auch Wi-Fi genutzt werden können.
- Die Reichweite ist auf wenige hundert Meter bis maximal 1,5 km begrenzt – für eine größere Abdeckung gibt es externe Empfänger.
- Nicht alle Drohnen sind sichtbar: C0-Drohnen, ältere Modelle ohne Remote ID und Piloten, die Remote ID bewusst deaktivieren, bleiben unerkannt.
Häufige Fragen zum Tracken von Drohnen per Smartphone
Du siehst die UAS-Betreiber-Nummer (eID), aber nicht den Namen oder die Adresse des Piloten. Nur Behörden können die Nummer einer Person zuordnen. In vielen Fällen wird aber der ungefähre Standort des Piloten angezeigt.
Eingeschränkt. iPhones können nur Bluetooth-basierte Remote-ID-Signale empfangen. DJI-Drohnen, die Remote ID über Wi-Fi senden, werden auf iOS in der Regel nicht erkannt. Android-Geräte bieten hier deutlich bessere Ergebnisse.
Nein. Nur Drohnen mit aktiver Remote ID sind sichtbar. Drohnen der Klasse C0 (z. B. DJI Mini 4 Pro) sind in der offenen Kategorie von der Pflicht ausgenommen. Auch ältere Drohnen ohne CE-Klassenzeichen senden kein Signal. Und wer Remote ID bewusst nicht aktiviert, bleibt ebenfalls unsichtbar – die Drohne hebt auch ohne Remote ID ab.
Ja. Remote-ID-Daten werden offen per Bluetooth und Wi-Fi gesendet und sind für jeden empfangbar. Das ist so gewollt – Remote ID dient der Transparenz im Luftraum. Du darfst die Informationen allerdings nicht für Belästigung oder rechtswidrige Zwecke nutzen.
Du willst mehr über die rechtlichen Grundlagen erfahren? In unserem Ratgeber zur EU-Drohnenverordnung findest du alle Details zu Drohnenklassen, Führerscheinen und Betriebskategorien. Und wenn du deinen Drohnenalltag insgesamt besser organisieren willst, schau dir unseren Leitfaden zum professionellen Drohnenbetrieb an.
