Wenn wir über eine SORA 2.5-konforme Betriebsgenehmigung sprechen, führt kein Weg am Operations Manual (OM) vorbei. Dieses Betriebshandbuch ist mehr als nur eine Formalität – es ist der Nachweis, dass du dein UAS-Betriebskonzept sicher, nachvollziehbar und regelkonform umsetzen kannst.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was die EASA tatsächlich verlangt – und, noch wichtiger, was du schon vorab vorbereiten kannst, damit die Erstellung deines Betriebshandbuchs später reibungslos läuft. Damit dir das einfach gelingt, kannst du dir am Ende des Artikels auch unser kostenloses SORA Betriebshandbuch Starter-Kit als Download anfordern.
Warum ein Betriebshandbuch so wichtig ist
Ein SORA 2.5-konformes Betriebshandbuch basiert auf der ED Decision 2025/018/R, genauer gesagt auf der AMC1 zu Artikel 11 der Verordnung (EU) 2019/947.
Es ist ein verpflichtender Bestandteil deines Comprehensive Safety Portfolio (CSP) und wird von der Behörde im Rahmen der Betriebsgenehmigung in der „specific category“ geprüft.
Kurz gesagt:
📘 Das Betriebshandbuch beschreibt wie du sicher fliegst,
📊 die SORA erklärt warum du sicher fliegst.
Beides muss inhaltlich zusammenpassen.
Der offizielle Aufbau nach AMC1
Die AMC teilt das Betriebshandbuch in klar definierte Abschnitte (Parts) auf:
| Part | Inhalt | Ziel |
|---|---|---|
| Part A | Allgemeiner Teil | Organisation, Safety Culture, Verantwortlichkeiten |
| Part B | Verfahren | Normal-, Notfall- und Contingency-Abläufe |
| Part C | Einsatzgebiete | Beschreibung und Sicherheitsbetrachtung der Flugräume |
| Part D | Ausbildung | Qualifikationen, Schulungsprogramme, Kompetenznachweise |
| Part E | Notfallplan (ERP) | Vorgehen bei sicherheitskritischen Ereignissen |
| Part T | Technischer Teil | Beschreibung der eingesetzten UAS-Systeme |
| Part M | Wartung | Lufttüchtigkeit, Wartungsintervalle, Zuständigkeiten |
Was du schon vorbereiten kannst, bevor du mit dem OM startest
Viele Operatoren fangen direkt an, das OM zu schreiben – und verlieren dabei viel Zeit, weil grundlegende Informationen noch fehlen.
Hier ist, was du vorher klären und dokumentieren solltest:
1. Deine Organisation verstehen und beschreiben
Erstelle ein Organigramm – wer ist verantwortlich für was?
Definiere Schlüsselrollen wie:
- Accountable Manager
- Safety Officer
- Remote Pilots
- Maintenance- und Training-Verantwortliche
👉 Diese Strukturen bilden später das Rückgrat deines Part A.
2. Safety Culture und Just Culture leben (nicht nur schreiben)
Notiere dir konkrete Beispiele, wie du Sicherheit im Alltag umsetzt.
Hast du regelmäßige Safety-Meetings?
Wie werden Vorfälle gemeldet oder ausgewertet?
Diese Praxisbeispiele helfen dir, einen glaubwürdigen Safety Commitment zu formulieren.
3. Technische Daten sammeln
Lege frühzeitig eine (digitale) Datenmappe für dein UAS an:
- Gewicht, Abmessungen, Energiequelle
- Betriebsanleitung, Technische Datenblätter, Wartungsanleitungen
- Konformitätserklärungen (z.B. CE-Deklaration)
- Steuerungslink (C3-Link)
- Fail-safe-Funktionen, Containment-Mechanismen
- Mitigationen (z. B. Fallschirmsystem, redundante Systeme)
Diese Informationen brauchst du später für Part T – und viele davon fließen direkt in deine SORA (Steps 6–9).
4. Standardverfahren dokumentieren
Erstelle Checklisten oder Ablaufbeschreibungen für:
- Startvorbereitung
- Normalbetrieb
- Abbruch oder Notlandung
- Kommunikationswege
- Datensicherung und Nachbereitung
Diese Vorarbeiten kannst du schon ohne AMC-Kenntnisse machen – sie bilden später Part B (Procedures).
5. Fluggebiete analysieren
Wenn du weißt, wo du fliegen willst, kannst du früh beginnen, Kartenmaterial, Fotos und Standortanalysen zu sammeln.
Markiere mögliche Contingency Areas oder Ground Risk Buffers.
Diese Vorbereitung spart dir später Stunden in Part C und beim Erstellen deiner SORA-Step-2/Step-3-Dokumentation.
6. Training und Kompetenznachweise
Halte alle vorhandenen Zertifikate, Schulungsinhalte und Erfahrungsnachweise deiner Piloten bereit.
Wenn du externe Trainingsanbieter nutzt, dokumentiere, welche Lernziele sie abdecken.
Diese Informationen bilden später den Part D.
7. Notfallmanagement vorbereiten
Erstelle bereits jetzt eine Kontaktliste aller relevanten Behörden, Rettungsdienste und Einsatzkräfte an deinen typischen Einsatzorten.
So kannst du deinen Emergency Response Plan (Part E) später gezielt auf reale Abläufe stützen.
8. Wartungsroutinen und Softwaremanagement
Überlege, wie du regelmäßige Kontrollen und Updates deiner Systeme dokumentieren willst.
Auch einfache Excel-Tabellen oder digitale Wartungsprotokolle sind ein guter Startpunkt für Part M.
Annexes / Attachments – der Nachweisbereich
Zwar gibt es keinen „Part X“ in der AMC-Struktur, doch du wirst zahlreiche Anlagen und Nachweise brauchen:
- Testberichte, Fotos, Checklisten
- OSO-Referenzmatrix
- Trainingsnachweise
- Technische Zertifikate
Tipp: Halte diese Dokumente von Anfang an strukturiert bereit – idealerweise digital, nach den Parts geordnet.
Typische Stolperfallen
Aus der Praxis wissen wir:
Behörden lehnen OMs oft nicht wegen fehlender Inhalte ab, sondern wegen Inkonsistenzen – etwa, wenn das OM andere Verfahren beschreibt als die SORA.
Achte darauf, dass:
- beide Dokumente dieselben Begriffe und Risiken verwenden,
- Verweise auf Mitigationen oder Systeme konsistent sind,
- Änderungen immer nachvollziehbar dokumentiert werden.
Dein SORA Betriebshandbuch Starter-Kit sorgt für Ordnung
Du möchtest direkt loslegen oder dir einen genaueren Überblick für den Start des Betriebshandbuchs verschaffen? Dann ist unser Starter-Kit genau das Richtige für dich!
Hier liefern wir dir zahlreiche wertvolle Vorlagen und weiterführende Informationen, die es dir deutlich einfacher machen mit deinem Betriebshandbuch zu beginnen und deinen SORA Antrag schneller und besser fertigzustellen.
Fazit: Gute Vorbereitung spart Wochen
Ein SORA 2.5-konformes Betriebshandbuch zu schreiben, ist kein Schnellprojekt.
Aber wer frühzeitig:
- seine Organisation klar strukturiert,
- technische Daten sammelt,
- Standardverfahren dokumentiert,
- und Nachweise sauber ablegt,
der kann das OM später gezielt und effizient zusammenstellen – und vermeidet Rückfragen seitens der Behörde.
FAQ – Häufige Fragen zum SORA 2.5 Betriebshandbuch
Muss ich das OM für jede Mission neu schreiben?
Nein, das OM beschreibt den allgemeinen Betrieb. Nur die missionsspezifischen Teile (z. B. Gebietsanhang) werden ergänzt.
Wie umfangreich ist das OM bei SAIL I oder II?
Je niedriger der SAIL, desto kompakter darf das Handbuch sein – aber die Struktur (Parts A–M, T) bleibt dieselbe.
Gibt es offizielle Templates?
Es gibt Vorlagen für:
EASA Template SAIL II: https://www.easa.europa.eu/en/downloads/138411/en
EASA Template PDRA-S01: https://www.easa.europa.eu/en/downloads/139674/en
Einige Behörden (z. B. Austro Control, LBA) stellen Formatvorgaben oder Beispiele zur Verfügung.
Wer prüft das OM?
Die zuständige Luftfahrtbehörde – meist im Rahmen der Genehmigung nach Artikel 12 VO (EU) 2019/947 – prüft Kohärenz, Vollständigkeit und Nachweisführung. Aber auch im Zuge von Standardszenarien kann das OM zum Audit verlangt werden.