Die Preise für Drohnen sind in China oft deutlich niedriger als bei deutschen Händlern. Kein Wunder, dass viele Drohnenpiloten mit dem Gedanken spielen, direkt in Fernost zu bestellen. Doch zwischen dem verlockenden Angebot und dem Flug mit deiner neuen Drohne liegen einige Hürden: Zoll, Steuern, Garantiefragen und rechtliche Anforderungen wie die CE-Kennzeichnung.
Das musst du wissen
- Seit Juli 2021 fällt auf alle Sendungen aus China Einfuhrumsatzsteuer an – die frühere 22-Euro-Freigrenze existiert nicht mehr
- Ab 150 Euro Warenwert kommen zusätzlich Zollgebühren hinzu, ab Juli 2026 gilt eine neue 3-Euro-Pauschale auf alle Sendungen unter 150 Euro
- Die Herstellergarantie von DJI gilt nur in der Region, in der du die Drohne gekauft hast – europäischer Service ist bei China-Importen nicht garantiert
- Drohnen ohne gültige Cx-Klassifizierung (C0, C1, C2 etc.) nach EU-Drohnenverordnung unterliegen strengeren Flugeinschränkungen
- Seriöse China-Shops wie AliExpress führen die Einfuhrumsatzsteuer über das IOSS-System bereits ab – du zahlst an der Haustür nichts nach
Dieser Ratgeber richtet sich an Drohnenpiloten, die Geld sparen möchten und wissen wollen, ob sich der Import aus China noch lohnt.
Das Problem: Vermeintliche Schnäppchen mit versteckten Kosten
Du findest eine DJI Mini 5 Pro für 150 Euro weniger als bei deutschen Händlern. Das klingt verlockend. Doch die Rechnung geht oft nicht auf: Einfuhrumsatzsteuer, mögliche Zollgebühren, Servicepauschalen der Paketdienste und das Risiko fehlender Garantie können die Ersparnis schnell auffressen – oder sogar ins Minus drehen.
Hinzu kommt: Viele bekannte China-Shops, die früher für günstige Drohnen bekannt waren, existieren nicht mehr. Gearbest, einst einer der größten Anbieter, musste 2021 nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Globalegrow schließen. Wer heute bei vermeintlichen Nachfolge-Seiten bestellt, riskiert Geld zu verlieren.
Welche Kosten tatsächlich anfallen
Die wichtigste Änderung der letzten Jahre: Die 22-Euro-Freigrenze für die Einfuhrumsatzsteuer wurde am 1. Juli 2021 abgeschafft. Seitdem musst du für jede Sendung aus Nicht-EU-Ländern Einfuhrumsatzsteuer zahlen.
Einfuhrumsatzsteuer: Immer 19 Prozent
Egal ob deine Bestellung 50 Euro oder 500 Euro kostet – auf den Warenwert inklusive Versandkosten fallen 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer an. Nur wenn der Steuerbetrag unter einem Euro liegt (also bei einem Warenwert unter etwa 5 Euro), verzichtet der Zoll auf die Erhebung.
Bei einer Drohne für 400 Euro bedeutet das: 76 Euro Einfuhrumsatzsteuer zusätzlich.
Zollgebühren ab 150 Euro
Liegt der Warenwert deiner Bestellung über 150 Euro, können zusätzlich Zollgebühren anfallen. Die Höhe richtet sich nach der Warenart. Für Drohnen liegt der Zollsatz in der Regel zwischen 0 und 4,7 Prozent – Smartphones und Tablets sind beispielsweise zollfrei, bei anderen Elektronikprodukten variiert der Satz.
Neue Pauschale ab Juli 2026
Die EU hat beschlossen, ab Juli 2026 eine zusätzliche Pauschale von 3 Euro auf alle Sendungen unter 150 Euro zu erheben. Damit wird der Import von Kleinartikeln aus China nochmals unattraktiver. Ab 2028 soll die Zollfreigrenze von 150 Euro komplett wegfallen.
Servicepauschale der Paketdienste
Wenn DHL, Hermes oder ein anderer Paketdienst die Zollabwicklung für dich übernimmt, berechnet er dafür eine Servicepauschale. Bei der Deutschen Post liegt diese aktuell bei 6 Euro. Diese Gebühr fällt zusätzlich zu Steuern und Zoll an.
💡 Tipp: Die Servicepauschale kannst du umgehen, indem du dich als Selbstverzoller registrierst und das Paket direkt beim Zollamt abholst. Das lohnt sich aber nur bei größeren Bestellungen, da du Zeit für den Besuch beim Zollamt einplanen musst.
Das IOSS-System: Wie seriöse Shops die Steuern bereits abführen
Seit Juli 2021 gibt es das Import One-Stop-Shop System (IOSS). Dabei registrieren sich Online-Händler aus Drittländern bei der EU und führen die Einfuhrumsatzsteuer bereits beim Kauf ab. Du zahlst den Bruttopreis inklusive Steuer direkt im Shop und erhältst dein Paket ohne Nachzahlung an der Haustür.
Große Plattformen wie AliExpress nutzen dieses System. Das erkennst du daran, dass im Checkout bereits die Mehrwertsteuer ausgewiesen wird und der Endpreis höher ist als der ursprünglich angezeigte Nettopreis.
⚠️ Fehler vermeiden: Wenn ein China-Shop keine Mehrwertsteuer im Checkout ausweist und der Preis verdächtig niedrig erscheint, solltest du vorsichtig sein. Entweder zahlst du die Steuer später beim Paketdienst nach – oder es handelt sich um einen unseriösen Anbieter.
Welche Shops noch funktionieren
Der China-Shop-Markt hat sich seit 2021 stark verändert. Einige etablierte Anbieter sind vom Markt verschwunden oder haben ihre Geschäftspraktiken geändert.
Aktive Plattformen
AliExpress ist derzeit die größte und zuverlässigste Plattform für Direktimporte aus China. Der Marktplatz nutzt das IOSS-System, bietet Käuferschutz und hat EU-Warenlager für schnellere Lieferung einiger Produkte.
Banggood existiert ebenfalls noch und bietet Drohnen an. Auch hier werden Steuern über IOSS abgeführt.
Geschlossene oder unseriöse Shops
Gearbest, einst einer der bekanntesten China-Shops für Drohnen und Elektronik, ist seit September 2021 nicht mehr aktiv. Die Muttergesellschaft Globalegrow meldete Insolvenz an. Vereinzelte Websites, die unter dem Namen Gearbest auftreten, gelten als unseriös – PayPal wird dort nicht mehr als Zahlungsmittel angeboten, und Kunden berichten von Fake-Produkten oder ausbleibenden Lieferungen.
Ähnliches gilt für einige andere ehemals bekannte Shops. Wenn dir ein Anbieter unbekannt ist, recherchiere vor der Bestellung nach aktuellen Erfahrungsberichten.
Garantie und Service: Das unterschätzte Risiko
Einer der größten Nachteile beim Drohnenkauf aus China betrifft die Garantie. Die meisten Hersteller, allen voran DJI, bieten ihren Garantieservice nur in der Region an, in der das Produkt gekauft wurde.
DJI-Garantie: Regional begrenzt
Kaufst du eine DJI-Drohne in China oder über einen chinesischen Händler, hast du keinen Anspruch auf kostenlosen Service in Europa. Laut den offiziellen DJI-Kundendienstrichtlinien gilt: Der Garantieservice ist nur in der jeweiligen Service-Region verfügbar, in der du dein Produkt erworben hast.
Cross-regionale Reparaturen sind zwar grundsätzlich möglich, aber du trägst dann Zölle, Steuern, Zollabfertigung und Versandkosten selbst. Bei einem defekten Gimbal oder einem Motorschaden kann das schnell teuer werden.
DJI Care Refresh: Ebenfalls regional
Auch der kostenpflichtige Serviceplan DJI Care Refresh funktioniert nur in dem Land oder der Region, in dem du ihn gekauft hast. Wenn du Care Refresh im deutschen DJI-Shop kaufst und die Drohne aus China stammt, kann es zu Problemen kommen – die Seriennummern müssen zusammenpassen, und die Aktivierung erfolgt regional.
📌 Beispiel: Du kaufst eine DJI Mini 4 Pro über AliExpress aus China für 700 Euro statt 850 Euro beim deutschen Händler. Nach sechs Monaten fällt ein Motor aus. Für die Reparatur müsstest du die Drohne nach China schicken, Versand und Zoll selbst zahlen und auf den chinesischen Support hoffen. Die 150 Euro Ersparnis sind schnell aufgebraucht – und du bist wochenlang ohne Drohne.
Drohnenklassen und EU-Konformität
Für den legalen Betrieb einer Drohne in der EU sind zwei verschiedene Kennzeichnungen relevant, die oft verwechselt werden:
CE-Kennzeichnung: Das allgemeine Konformitätszeichen für Produkte im europäischen Wirtschaftsraum. Es bestätigt, dass ein Produkt grundlegende Sicherheitsanforderungen erfüllt (Elektrosicherheit, elektromagnetische Verträglichkeit etc.). Die CE-Kennzeichnung gibt es für alle möglichen Elektronikprodukte – vom Toaster bis zum Laptop.
Cx-Drohnenklassen (C0, C1, C2, C3, C4, C5, C6): Die spezifische Klassifizierung nach der EU-Drohnenverordnung. Sie legt fest, in welcher Betriebskategorie und unter welchen Bedingungen du eine Drohne fliegen darfst – etwa wie nah an Menschen oder ob du einen bestimmten Kompetenznachweis brauchst.
Das Problem bei China-Importen
Eine Drohne aus China hat möglicherweise zwar eine CE-Kennzeichnung für die allgemeine Produktsicherheit, aber keine gültige Cx-Klassifizierung nach EU-Drohnenverordnung. Ohne diese Klassifizierung gelten strengere Einschränkungen: Du darfst die Drohne nur als „Bestandsdrohne“ in der Open-Kategorie betreiben, mit begrenzten Flugmöglichkeiten.
Die gute Nachricht: Große Hersteller wie DJI produzieren ihre Consumer-Drohnen inzwischen mit weltweiter Klassifizierung. Eine DJI Mini 4 Pro aus China sollte dieselbe C0- oder C1-Klassifizierung tragen wie das Modell aus dem deutschen Shop. Der Wechsel zwischen FCC-Modus (USA/China) und CE-Modus (Europa) erfolgt automatisch per GPS. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Produktbeschreibung und die Verpackung, um sicherzugehen.
Bei No-Name-Drohnen oder weniger bekannten Herstellern ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass die Cx-Klassifizierung fehlt – selbst wenn ein CE-Zeichen vorhanden ist.
Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Drohnenklassen und ihre Anforderungen findest du in unserem Ratgeber Die Drohnen-Klassen – EU-Drohnenverordnung.
Lohnt sich der Import noch? Eine Beispielrechnung
Nehmen wir eine DJI Air 3 Fly More Combo als Beispiel:
Kauf in Deutschland (autorisierter Händler):
- Preis: 1.349 Euro
- Garantie: 24 Monate, Service in Deutschland
- Lieferzeit: 1-3 Tage
Kauf über AliExpress (China):
- Preis: 1.150 Euro (inkl. bereits abgeführter EUSt über IOSS)
- Garantie: Nur in China gültig
- Lieferzeit: 10-20 Tage
- Risiko bei Defekt: Hohe Reparaturkosten
Ersparnis: Etwa 200 Euro
Aber: Bei einem Defekt innerhalb der ersten zwei Jahre zahlst du Versand nach China, Zoll für die Rücksendung und möglicherweise Reparaturkosten – schnell 150-300 Euro. Die Ersparnis ist dann weg.
🛠️ Praxis-Empfehlung: Bei hochpreisigen Drohnen über 500 Euro ist der Kauf beim autorisierten Händler in Deutschland meist die bessere Wahl. Die Ersparnis beim China-Import steht in keinem Verhältnis zum Servicerisiko. Anders sieht es bei günstigen Zubehörteilen wie ND-Filtern, Propellern oder Taschen aus – hier lohnt sich der Blick nach China oft noch.
Zusammenfassung
- Die 22-Euro-Freigrenze für die Einfuhrumsatzsteuer existiert seit Juli 2021 nicht mehr – auf alle China-Bestellungen fallen 19 Prozent EUSt an
- Ab 150 Euro Warenwert kommen Zollgebühren hinzu, ab Juli 2026 gilt zusätzlich eine 3-Euro-Pauschale auf Kleinsendungen
- Seriöse Shops wie AliExpress führen die Steuer über das IOSS-System bereits ab – achte auf die Mehrwertsteuer-Anzeige im Checkout
- Die Herstellergarantie von DJI gilt nur in der Kaufregion – europäischer Service ist bei China-Importen nicht verfügbar
- Bekannte Shops wie Gearbest existieren nicht mehr – kaufe nur bei etablierten Plattformen
- Drohnen ohne Cx-Klassifizierung nach EU-Drohnenverordnung unterliegen strengeren Einschränkungen – selbst wenn sie ein CE-Zeichen tragen
- Bei hochpreisigen Drohnen überwiegt das Servicerisiko oft die Ersparnis – Zubehör lohnt sich eher
Häufigen Fragen und Antworten zum Drohnenkauf aus China
Ja. Seit dem 1. Juli 2021 fällt auf alle Warensendungen aus Nicht-EU-Ländern Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent an. Die frühere Freigrenze von 22 Euro wurde abgeschafft. Nur bei einem Steuerbetrag unter einem Euro verzichtet der Zoll auf die Erhebung.
Grundsätzlich ist eine Reparatur möglich, aber nicht kostenlos. DJI bietet den Garantieservice nur in der Kaufregion an. Für cross-regionale Reparaturen trägst du Versand, Zoll und eventuell anfallende Gebühren selbst. DJI Care Refresh funktioniert ebenfalls nur in der Region, in der du den Serviceplan erworben hast.
Seriöse Shops zeigen im Checkout die Mehrwertsteuer separat an und nutzen das IOSS-System. Sie bieten sichere Zahlungsmethoden wie PayPal an und haben nachvollziehbare Kontaktdaten. Lies vor der Bestellung aktuelle Erfahrungsberichte und prüfe, ob der Shop schon länger am Markt ist.
Du suchst eine Drohne und möchtest auf Nummer sicher gehen? In unserer interaktiven Drohnenkaufberatung findest du aktuelle Modelle mit Preisen von autorisierten Händlern – inklusive voller Garantie und deutschem Service.

Ich lasse von sowas die Finger.
War damals von den Gearbest Problemen betroffen und konnte ewig warten bis ich mein Paket erhalten hatte (keine Drohne, aber trotzdem).
Gebe Panda da vollkommen recht, bevor ich 100 Euro Spare aber dafür dann eine Versand dauer von fast nem Monat plus nicht richtig gelieferte Ware habe, bleibe ich lieber bei Europäischen Produkten.