Nach dem Hagelsturm der letzten Nacht liegen plötzlich hundert Schadensmeldungen auf dem Tisch, alle mit Dächern, die niemand ohne Gerüst gefahrlos betreten kann. Oder eine Windkraftanlage muss vor Vertragsabschluss auf Schäden an den Rotorblättern geprüft werden, in 100 Metern Höhe. Genau für solche Situationen setzen immer mehr Versicherer auf Drohnen: schneller vor Ort, präzisere Daten, ohne Mitarbeiter unnötigen Risiken auszusetzen.
Das musst du wissen
- Drohnen unterstützen Versicherer bei Schadensaufnahme, Risikobewertung, Katastrophendokumentation und regelmäßiger Objektinspektion, schneller und sicherer als Begehungen mit Gerüst oder Hebebühne.
- Bei Großschadenereignissen wie Sturm oder Hagel lassen sich mit Drohnen viele Objekte in kurzer Zeit dokumentieren, wie die Kooperation der Versicherungskammer Bayern mit einem spezialisierten Drohnendienstleister zeigt.
- Für den Drohnenflug gelten die Regeln der EU-Drohnenverordnung, ergänzt um nationale Vorgaben in Deutschland und Österreich. Ein professioneller Pilot kümmert sich um alle notwendigen Genehmigungen.
- Bei Aufnahmen an oder über fremden Grundstücken sind Datenschutz und Persönlichkeitsrechte besonders zu beachten, das gilt gerade bei der Dokumentation bewohnter Objekte.
- Über skyzr findest du geprüfte Drohnenpiloten in deiner Region und kannst Aufträge unkompliziert ausschreiben.
Dieser Ratgeber richtet sich an Versicherungsunternehmen und Gutachter, die einen Drohneneinsatz planen, sowie an Drohnenpiloten, die sich auf die Versicherungsbranche spezialisieren möchten. Er ist Teil unseres umfassenden Überblicks zu den Einsatzgebieten von Drohnen.
Einsatzgebiete von Drohnen in der Versicherungsbranche
Drohnen lassen sich in der Versicherungsbranche in mehreren Phasen des Schadens- und Risikomanagements sinnvoll einsetzen, von der akuten Schadensaufnahme bis zur vorbeugenden Risikobewertung.
Schadensaufnahme und -bewertung
Nach einem Schadensfall liefern Drohnen schnell und sicher hochauflösende Bilder und Videos aus der Luft, ohne dass Gutachter gefährliche oder schwer zugängliche Bereiche betreten müssen. Das beschleunigt die Bearbeitung von Versicherungsfällen und ermöglicht eine genauere Schadensbewertung, etwa bei Sturmschäden an Dächern oder bei größeren Schadensereignissen mit mehreren betroffenen Gebäuden.
Aus den Aufnahmen lassen sich Orthofotos erstellen, auf denen schadhafte Stellen direkt markiert und dokumentiert werden. Diese Form der Dokumentation ist für die spätere Schadensregulierung deutlich nachvollziehbarer als einzelne Bodenfotos.
Risikobewertung und Prävention
Drohnen helfen Versicherern auch dabei, Risiken einzuschätzen, bevor Schäden entstehen. Gebäude, Industrieanlagen und Infrastruktur lassen sich regelmäßig aus der Luft überwachen, sodass mögliche Schwachstellen frühzeitig erkannt werden. Bei schwer zugänglichen oder weitläufigen Objekten wie Windkraftanlagen oder großen Gewerbeimmobilien bieten Drohnen dafür eine praktikable Lösung.
💡 Tipp: Wärmebildaufnahmen zeigen bei Gebäuden nicht nur akute Schäden, sondern auch Wärmebrücken und Feuchtigkeit in der Dämmung, ein wertvoller Zusatznutzen bei der Risikobewertung von Wohn- und Gewerbeimmobilien.
Dokumentation von Katastrophenschäden
Nach Naturereignissen wie Überschwemmungen oder schweren Stürmen ermöglichen Drohnen eine schnelle und großflächige Erfassung der Schäden. Statt einzelne Objekte nacheinander vor Ort zu begutachten, lässt sich ein betroffenes Gebiet in kurzer Zeit aus der Luft dokumentieren.
📌 Beispiel: Die Versicherungskammer Bayern kooperiert mit einem spezialisierten Drohnendienstleister, um bei großflächigen Hagel- und Sturmereignissen schnell Piloten in der Nähe des Schadengebiets zu beauftragen. So lassen sich komplexe Groß- und Kumulschäden für Gutachter deutlich schneller und nachvollziehbarer dokumentieren, als es eine rein manuelle Begehung erlauben würde.
Regelmäßige Inspektion und Wartung
Neben der akuten Schadensaufnahme eignen sich Drohnen auch für wiederkehrende Inspektionen versicherter Objekte. So lassen sich Risiken frühzeitig erkennen und Instandhaltungsmaßnahmen einleiten, bevor daraus ein Schadensfall wird. Automatisiert geplante Flugrouten machen Folgeinspektionen zudem direkt mit vorherigen Aufnahmen vergleichbar.
Vorteile von Drohnen auf einen Blick
Die Vorteile von Drohnen in der Versicherungsbranche lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Schnellere Schadensaufnahme, besonders bei vielen gleichzeitig betroffenen Objekten
- Höhere Sicherheit, da niemand mehr Dächer oder instabile Strukturen betreten muss
- Präzisere Dokumentation durch hochauflösende Fotos, Videos, Orthofotos und Wärmebilder
- Bessere Nachvollziehbarkeit der Schadensregulierung durch digitale, archivierbare Daten
- Automatisierbar für wiederkehrende Inspektionen und Vergleiche über die Zeit
Eine ausführlichere Einordnung, wie sich diese Vorteile branchenübergreifend gegenüber klassischen Methoden schlagen, findest du in unserem Überblick zu den Einsatzgebieten von Drohnen.
Was kostet ein Drohneneinsatz für Versicherer?
Die Kosten hängen stark vom Umfang ab: eine einzelne Dachinspektion nach einem Schadensfall liegt preislich in einer ähnlichen Größenordnung wie Inspektionspakete in anderen Branchen, oft im Bereich von 300 bis 400 Euro pro Objekt. Bei großflächigen Schadensereignissen mit vielen betroffenen Gebäuden verhandeln Versicherer in der Regel Rahmenverträge mit Drohnendienstleistern, die pro Einsatz oder pro Objekt abgerechnet werden.
Eine allgemeine Aufschlüsselung der Preisfaktoren, unabhängig von der Branche, findest du in unserem Ratgeber zu den Kosten eines Drohnenflugs.
Typische Leistungen, die im Versicherungskontext gebucht werden:
- Hochauflösende Fotos und Videos vom Schadensobjekt
- Orthofotos mit markierten Schadensstellen
- Wärmebildaufnahmen zur Erkennung nicht sichtbarer Schäden
- 3D-Modelle bei komplexen Schadensfällen oder Großobjekten
- Ausführlicher Bericht mit Anmerkungen und Analysen für die Schadensregulierung
Ablauf eines typischen Drohneneinsatzes
Der Ablauf unterscheidet sich je nach Anlass, folgt aber in der Regel dieser Grundstruktur:
- Planung: Welches Objekt oder Gebiet soll in welchem Umfang dokumentiert werden? Bei akuten Schadensfällen zählt hier vor allem Geschwindigkeit.
- Drohnenpiloten finden: Auf Basis der Anforderungen wird ein geeigneter Pilot in der Nähe des Schadensortes gesucht. Über das skyzr Pilotenverzeichnis oder die Auftragsvermittlung lässt sich dieser Schritt deutlich beschleunigen.
- Durchführung: Der Drohnenflug wird durchgeführt und die relevanten Bereiche werden erfasst.
- Auswertung: Aus den Rohdaten entstehen je nach Bedarf Orthofotos, Wärmebildanalysen oder 3D-Modelle mit markierten Schadensstellen.
- Übergabe: Die Ergebnisse werden als Rohaufnahmen oder als ausführlicher Bericht mit Anmerkungen übermittelt und lassen sich direkt in die Schadenbeurteilung integrieren.
⚠️ Fehler vermeiden: Kläre vor der Beauftragung, in welchem Format der Bericht benötigt wird, etwa mit markierten Schadensstellen oder als reines Bildmaterial. Nachträgliche Anpassungen kosten bei akuten Schadensfällen wertvolle Zeit.
Welche Technik eignet sich für Versicherungseinsätze?
Für Standard-Schadensaufnahmen an Dächern und Fassaden reicht häufig eine hochwertige Kameradrohne mit gutem Sensor, etwa aus der DJI Mini- oder Air-Serie. Für professionellere Anforderungen, insbesondere bei größeren Objekten oder wiederkehrenden Auftraggebern, sind Enterprise-Modelle sinnvoll.
| Einsatzzweck | Empfohlene Technik | Warum geeignet |
|---|---|---|
| Standard-Dachschäden | Kameradrohne mit gutem Sensor (z. B. DJI Air-Serie) | Schnell einsatzbereit, gute Bildqualität für Orthofotos |
| Verdeckte Schäden, Feuchtigkeit | Drohne mit Wärmebildkamera (z. B. DJI Matrice 4T) | Erkennt Wärmebrücken und Feuchtigkeit, die auf Fotos nicht sichtbar sind |
| Großflächige Schadensereignisse | Automatisierte Flugmissionen mit Orthofoto-Auswertung | Systematische Erfassung vieler Objekte in kurzer Zeit |
| Komplexe Schadensfälle, Industrieanlagen | Drohne mit Zoom und 3D-Modellierung (z. B. DJI Mavic 4 Pro) | Detailaufnahmen aus sicherer Distanz, präzise 3D-Dokumentation |
Welche Technik im Einzelfall sinnvoll ist, hängt stark vom Objekt und Schadensbild ab. Ein erfahrener Pilot kann das im Vorgespräch besser einschätzen als eine pauschale Empfehlung.
Den richtigen Drohnenpiloten finden
Bei akuten Schadensfällen zählt vor allem eines: schnell einen qualifizierten Piloten in der Nähe des Schadensortes zu finden. Statt aufwändig selbst zu recherchieren, bietet skyzr drei Wege dorthin:
- Pilotenverzeichnis durchsuchen: Im öffentlichen skyzr Pilotenverzeichnis findest du registrierte und durch skyzr geprüfte Drohnenpiloten in deiner Region. Für den direkten Einstieg gelangst du über den Schnellzugriff auf das Verzeichnis unmittelbar zur Suche.
- Auftrag über flightstack ausschreiben: Findest du im Verzeichnis niemanden Passendes in der betroffenen Region, kannst du deinen Bedarf veröffentlichen und dich von passenden Piloten kontaktieren lassen.
- End-to-End-Drohnenservice: Für Versicherer, die regelmäßig Drohneneinsätze benötigen, etwa im Rahmen von Rahmenverträgen für die Schadensregulierung, übernimmt skyzr die gesamte Koordination von der Pilotenauswahl bis zur Ergebnislieferung.
Bei der Auswahl solltest du besonders auf Erfahrung mit Schadensdokumentation und auf die Fähigkeit zur schnellen Verfügbarkeit bei akuten Ereignissen achten. Piloten mit Referenzen im Inspektionsbereich kennen die Anforderungen an Bildqualität und Dokumentation bereits.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Ein professioneller Drohnenpilot kennt die aktuelle Rechtslage und kümmert sich um alle notwendigen Genehmigungen. Für Versicherer als Auftraggeber ist es dennoch hilfreich, die wichtigsten Punkte zu kennen. Das Thema kann je nach Einsatzort komplex wirken, in der Praxis findet sich aber fast immer eine unkomplizierte Lösung über einen erfahrenen Piloten.
EU-Drohnenverordnung: Seit 2021 gelten EU-weit einheitliche Regeln für Drohnenflüge, ergänzt um nationale Vorgaben. Zuständig sind das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) in Deutschland und Austro Control in Österreich. In Deutschland weist das Portal DIPUL geografische Zonen aus, in Österreich übernimmt dronespace.at diese Funktion. Einen vollständigen Überblick findest du in unserem Ratgeber zur EU-Drohnenverordnung.
Haftpflichtversicherung des Piloten: Der beauftragte Drohnenpilot benötigt eine gültige Drohnen-Haftpflichtversicherung. In Deutschland ist diese nach § 43 Abs. 2 LuftVG Pflicht, in Österreich nach § 24j LFG. Mehr dazu, worauf es bei der passenden Absicherung ankommt, erklärt unser Ratgeber zur Drohnen-Haftpflichtversicherung.
Datenschutz und Persönlichkeitsrechte: Da Drohnen häufig hochauflösende Bilder und Videos aufnehmen, ist der Umgang mit den Daten datenschutzrechtlich relevant. Die Verarbeitung muss den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entsprechen, insbesondere bei der Speicherung und Weitergabe der Aufnahmen. Bei Wohnimmobilien ist zusätzlich Vorsicht geboten, wenn Nachbargrundstücke oder Personen erkennbar mit erfasst werden.
Genehmigungen: Je nach Flugort können zusätzliche Genehmigungen erforderlich sein, etwa in kontrollierten Lufträumen. Ein erfahrener Pilot prüft das vorab und kümmert sich um die notwendigen Formalitäten.
Als Drohnenpilot Versicherungen als Spezialisierung wählen
Für Drohnenpiloten ist die Versicherungsbranche ein attraktives, planbares Einsatzgebiet, gerade weil viele Aufträge saisonal an Wetterereignisse gekoppelt sind und die Nachfrage nach schneller Verfügbarkeit hoch ist. Wichtige Voraussetzungen sind der EU-Kompetenznachweis beziehungsweise das Fernpilotenzeugnis, eine gültige Drohnen-Haftpflichtversicherung sowie idealerweise Erfahrung mit Orthofoto-Erstellung und Wärmebildaufnahmen.
Wer sich hier positionieren möchte, profitiert von einer schnellen Reaktionsfähigkeit bei Wetterereignissen und von Referenzen aus dem Inspektionsbereich. Wie du dein Profil für Auftraggeber sichtbar machst, erfährst du in unserem Leitfaden zum Aufbau deines Drohnenpilot-Profils.
Zusammenfassung
- Drohnen unterstützen Versicherer bei Schadensaufnahme, Risikobewertung, Katastrophendokumentation und regelmäßiger Inspektion.
- Sie liefern schnellere, präzisere und besser dokumentierte Ergebnisse als klassische Begehungen mit Gerüst oder Hebebühne.
- Die Kosten variieren stark nach Umfang, für einzelne Objekte bewegen sie sich häufig im Bereich weniger hundert Euro.
- Ein professioneller Drohnenpilot kümmert sich um Genehmigungen und rechtliche Anforderungen in Deutschland und Österreich.
- Datenschutz und Persönlichkeitsrechte verdienen bei Aufnahmen an bewohnten Objekten besondere Aufmerksamkeit.
- Über skyzr findest du geprüfte Piloten in deiner Region und kannst Aufträge unkompliziert ausschreiben.
Du suchst einen Drohnenpiloten für die Schadensdokumentation oder Risikobewertung deines Unternehmens? Durchsuche das skyzr Pilotenverzeichnis, schreibe einen Auftrag über flightstack aus oder nutze den E2E-Drohnenservice für regelmäßige Einsätze.
Du bist Drohnenpilot und möchtest Aufträge aus der Versicherungsbranche erhalten? Erstelle dein Profil im skyzr Pilotenverzeichnis, um für Auftraggeber sichtbar zu werden.
Häufige Fragen zu Drohnen in der Versicherungsbranche
Die Kosten hängen vom Umfang ab. Einzelne Objektinspektionen bewegen sich häufig im Bereich von 300 bis 400 Euro, bei größeren Schadensereignissen mit mehreren Objekten werden meist Rahmenverträge mit Drohnendienstleistern vereinbart.
Das hängt vom Flugort ab. In vielen Gebieten sind Drohnenflüge unter bestimmten Bedingungen ohne gesonderte Genehmigung möglich. In kontrollierten Lufträumen sind Ausnahmegenehmigungen erforderlich, sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Ein professioneller Pilot prüft das vorab.
Für Standardfälle reicht eine hochwertige Kameradrohne. Bei verdeckten Schäden oder Feuchtigkeit liefert eine Drohne mit Wärmebildkamera zusätzliche Erkenntnisse, bei komplexen Schadensfällen sind Enterprise-Modelle mit Zoom und 3D-Modellierung sinnvoll.
Das hängt von der Verfügbarkeit regionaler Piloten ab. Über das skyzr Pilotenverzeichnis lassen sich Piloten in der Nähe des Schadensortes gezielt finden, was die Reaktionszeit gegenüber einer offenen Suche deutlich verkürzt.
Das Urheberrecht liegt zunächst beim Piloten als Urheber. Die Nutzungsrechte für die Schadensregulierung sollten vertraglich klar geregelt werden, idealerweise bereits bei der Auftragsvergabe.
