SORA-Alternativen: Wann funktionieren STS, PDRA und LUC?

Dimitri
Von Dimitri - Plattform & Content Manager
14 Min. Lesezeit

SORA ist aufwändig. Rund 24 Wochen Bearbeitungszeit beim LBA, ein umfangreiches Betriebshandbuch, eine detaillierte Risikobewertung mit steiler Lernkurve. Kein Wunder, dass viele Drohnenpiloten zuerst nach Alternativen suchen.

Die gibt es tatsächlich: STS, PDRA und LUC. Die Frage ist nur – funktionieren sie für deinen Einsatz?

Das musst du wissen

  • Die EU-Drohnenverordnung bietet drei Alternativen zu SORA: Standardszenarien (STS), vordefinierte Risikobewertungen (PDRA) und das Betreiberzertifikat (LUC).
  • Jede Alternative hat klare Ausschlusskriterien. Ob sie für deinen Einsatz funktioniert, lässt sich schnell prüfen.
  • In der Praxis führt für die Mehrheit der Drohnenpiloten trotzdem kein Weg an SORA vorbei.
  • Dieser Artikel hilft dir, das in wenigen Minuten für deinen konkreten Einsatz zu klären.

Dieser Ratgeber richtet sich an Drohnenpiloten, die bereits wissen, dass sie in der Specific-Kategorie fliegen müssen, und prüfen wollen, ob sie den SORA-Aufwand umgehen können.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden SORA-Antrag Leitfadens. Wenn du zuerst verstehen willst, wie sich die vier Verfahren grundsätzlich unterscheiden, lies unseren ausführlichen Vergleich von STS, PDRA, SORA und LUC.

Quick-Check: Welche SORA-Alternativen kommen für dich in Frage?

Bevor du dich in die Details vertiefst, beantworte drei Fragen. Sie filtern schnell, ob eine der SORA-Alternativen für dich in Frage kommt.

Frage 1: Hast du eine C5- oder C6-Drohne?

Falls nein, fällt STS als Option weg. Standardszenarien setzen zwingend eine C5-klassifizierte Drohne (für STS-01) oder eine C6-klassifizierte Drohne (für STS-02) voraus. Aktuell sind diese Drohnen am Markt kaum verfügbar.

Frage 2: Kannst du bei jedem Einsatz einen kontrollierten Bodenbereich einrichten?

Falls nein, fallen STS und die meisten PDRAs weg. Beide Verfahren setzen voraus, dass du den Bereich am Boden absperren und sicherstellen kannst, dass sich dort nur beteiligte Personen aufhalten.

Frage 3: Passt dein Einsatz in eines von fünf fest definierten PDRA-Szenarien?

Falls nein, bleibt nur SORA. PDRAs gibt es nicht als flexible Lösung – sie decken genau fünf vordefinierte Einsatztypen ab.

Wenn du alle drei Fragen mit Nein beantwortet hast, ist die Sache klar: SORA ist dein Weg. Und das betrifft die Mehrheit der Drohnenpiloten in der Specific-Kategorie.

💡 Tipp: Prüfe zuerst, ob dein Einsatz wirklich die Specific-Kategorie erfordert. Nicht jeder Einsatz, der kompliziert klingt, liegt tatsächlich außerhalb der Open-Kategorie. Unser Artikel Wann brauche ich eine Betriebsgenehmigung? hilft dir bei der Einordnung.

Wann funktioniert STS statt SORA?

Standardszenarien sind der einfachste Weg in der Specific-Kategorie – zumindest auf dem Papier. Statt einer individuellen Risikobewertung reichst du eine Betriebserklärung beim LBA ein und kannst direkt starten. Keine wochenlange Wartezeit, keine individuelle Prüfung.

Damit STS für dich funktioniert, müssen allerdings alle folgenden Bedingungen zutreffen:

Für STS-01 (Sichtflug in besiedeltem Gebiet):

  • Du besitzt eine Drohne mit C5-Klassifizierung (bis 25 kg)
  • Du fliegst in direkter Sichtweite (VLOS)
  • Du kannst einen kontrollierten Bodenbereich einrichten
  • Der Einsatz findet in besiedeltem Gebiet statt
  • Du fliegst maximal 120 Meter über Grund

Für STS-02 (BVLOS in dünn besiedeltem Gebiet):

  • Du besitzt eine Drohne mit C6-Klassifizierung (bis 25 kg)
  • Du fliegst außerhalb der Sichtweite – maximal 1 km ohne Beobachter, 2 km mit Luftraumbeobachter
  • Du kannst einen kontrollierten Bodenbereich einrichten
  • Der Einsatz findet in dünn besiedeltem Gebiet statt
  • Mindestens 5 km Sichtweite sind gegeben

Fehlt auch nur eine Voraussetzung, ist STS keine Option.

Häufiger Irrtum: „Ich habe ein STS-Zertifikat, also kann ich STS nutzen.“ Das STS-Zertifikat ist deine persönliche Qualifikation – die Theorie- und Praxisprüfung. Du brauchst zusätzlich eine C5- oder C6-Drohne und dein Einsatz muss exakt in eines der beiden Szenarien passen. Das STS-Zertifikat ist trotzdem wertvoll: Es gilt als Mindestqualifikation für SORA-Einsätze bis SAIL III.

Der Realitätscheck: In der Praxis scheitert STS fast immer an der Drohne. C5- und C6-klassifizierte Modelle sind am Markt kaum erhältlich. Zwar lassen sich einzelne Drohnen der Klasse C3 theoretisch mit Nachrüstkits auf C5 oder C6 aufrüsten – in der Praxis ist das Angebot aber extrem begrenzt. Hinzu kommt: Aufgrund der Art, wie STS in der EU-Durchführungsverordnung verankert ist, sind neue Standardszenarien kaum zu erwarten. Änderungen erfordern die Zustimmung von EU-Parlament und Ministerrat.

Kurz gesagt: STS funktioniert statt SORA, wenn du die passende Drohne hast und dein Einsatz exakt in STS-01 oder STS-02 passt. Für die große Mehrheit der Drohnenpiloten ist das aktuell nicht der Fall.

Wann funktioniert PDRA statt SORA?

PDRAs (Pre-Defined Risk Assessments) lösen das größte Problem von STS: Sie funktionieren mit allen Drohnen, unabhängig von der Klassifizierung. Die EASA hat für häufige Einsatztypen vordefinierte Risikobewertungen erstellt. Du musst also keine individuelle SORA-Analyse durchführen, sondern weist nach, dass dein Einsatz in den PDRA-Rahmen passt.

Der Haken: Es gibt genau fünf PDRA-Szenarien. Und fast alle setzen einen kontrollierten Bodenbereich voraus.

PDRA-S01 funktioniert für dich, wenn du regelmäßig VLOS-Inspektionen in besiedeltem Gebiet durchführst und den Bodenbereich kontrollieren kannst. Typisches Beispiel: Dachinspektionen in Wohngebieten, bei denen du das Grundstück absperren kannst.

PDRA-S02 funktioniert, wenn du BVLOS-Einsätze bis maximal 2 km in dünn besiedeltem Gebiet planst – mit kontrolliertem Bodenbereich. Typisches Beispiel: Landwirtschaftliche Überwachungsflüge über eigenen oder abgesperrten Flächen.

PDRA-G01 und PDRA-G02 decken breitere Szenarien ab, etwa Überwachungsflüge oder Frachtlieferungen, bleiben aber an spezifische Bedingungen gebunden. Beide setzen kontrollierten Bodenbereich und definierte Risikoklassen voraus.

PDRA-G03 ist interessant für lineare Infrastrukturinspektionen – Stromleitungen, Bahngleise, Pipelines. Wenn dein Einsatz diesem Profil entspricht und der Bodenbereich kontrollierbar ist, kann PDRA-G03 eine echte Alternative zu SORA sein.

Alle Details zu den einzelnen PDRAs und ihren Anforderungen findest du in unserem Vergleich von STS, PDRA, SORA und LUC.

Was du bei PDRA beachten solltest: Anders als bei STS brauchst du eine Betriebsgenehmigung – nicht nur eine Betriebserklärung. Das bedeutet: Betriebshandbuch erstellen, Genehmigung beim LBA oder der zuständigen Landesluftfahrtbehörde beantragen, mehrere Wochen Bearbeitungszeit einplanen. Weniger Aufwand als SORA, aber kein Selbstläufer.

Kurz gesagt: PDRA funktioniert statt SORA, wenn dein Einsatz in eines der fünf Szenarien passt und du einen kontrollierten Bodenbereich garantieren kannst. Für flexible, wechselnde Einsätze – etwa Videoproduktion an verschiedenen Locations oder Vermessungsflüge in unterschiedlichem Gelände – ist PDRA in der Regel zu starr.

Ist LUC eine Option?

LUC (Light UAS Operator Certificate) klingt auf den ersten Blick attraktiv: Du genehmigst deine Einsätze selbst, ohne auf das LBA warten zu müssen. In der Praxis ist LUC für die allermeisten Drohnenpiloten und Drohnenbetreiber aber keine realistische Option.

Stand Februar 2026 gibt es in ganz Deutschland genau drei Unternehmen mit LUC-Zertifizierung. Das allein zeigt, wie hoch die Hürden sind. LUC erfordert ein umfassendes Managementsystem vergleichbar mit einer ISO-Zertifizierung, mehrere qualifizierte Piloten, dokumentierte Sicherheitsprozesse und laufende Audits. Die Initialkosten liegen im fünfstelligen Bereich. Hinzu kommt: LUC ist nur für juristische Personen zugänglich – als Einzelpilot oder Freiberufler kannst du kein LUC beantragen.

Und ein verbreiteter Denkfehler: LUC ersetzt SORA nicht. Du musst die SORA-Methodik trotzdem beherrschen – LUC gibt dir lediglich das Recht, Risikobewertungen eigenständig freizugeben, statt sie beim LBA einzureichen.

LUC ist keine Alternative zu SORA, sondern eine Ergänzung für Großunternehmen mit sehr hoher Einsatzfrequenz. Wenn du nicht täglich oder wöchentlich Einsätze in der Specific-Kategorie durchführst und ein dediziertes Team dafür aufstellen kannst, ist LUC nicht dein Weg.

Warum keine der SORA-Alternativen für die meisten Piloten funktioniert

Die vier häufigsten Praxisszenarien, die SORA erfordern, zeigen das Problem deutlich:

Keine C5/C6-Drohnen am Markt. Das grundlegendste Problem betrifft STS: Die dafür nötigen Drohnen existieren in der Praxis kaum. Zwar lassen sich einzelne Modelle der Klasse C3 theoretisch mit Nachrüstkits auf C5 oder C6 aufrüsten – das Angebot ist aber extrem begrenzt und die Verfügbarkeit unzuverlässig. Solange die großen Hersteller keine serienreifen C5/C6-Modelle anbieten, bleibt STS für die allermeisten Piloten ein Verfahren, das auf dem Papier existiert, aber in der Praxis nicht nutzbar ist.

Kein kontrollierter Bodenbereich möglich. Wer Videoproduktionen im öffentlichen Raum durchführt, Gebäude in belebten Straßen inspiziert oder Veranstaltungen dokumentiert, kann den Bereich am Boden nicht absperren. Damit fallen STS und die meisten PDRAs weg.

BVLOS über 2 km. Infrastrukturinspektionen über längere Strecken, Vermessungsflüge größerer Gebiete oder Überwachungsaufgaben sprengen die BVLOS-Grenzen von STS und PDRA. Für Distanzen über 2 km gibt es kein Standardszenario.

Wechselnde Einsatzorte und Bedingungen. Drohnenpiloten, die an verschiedenen Standorten mit unterschiedlichen Anforderungen arbeiten – ob Vermessung, Inspektion oder Filmproduktion – brauchen die Flexibilität einer individuellen Genehmigung. PDRAs sind auf wiederkehrende, identische Einsatzprofile ausgelegt.

SORA ist zwar aufwändig, aber es ist auch das Verfahren, das dir die größte Freiheit gibt. Du kannst jeden Drohnentyp einsetzen, an beliebigen Orten fliegen und individuelle Bedingungen abbilden. Und nach der Erstgenehmigung gehen Änderungsanträge – etwa für neue Einsatzorte unter gleichen Bedingungen – deutlich schneller als der Erstantrag.

Zusammenfassung

  • STS funktioniert nur mit C5/C6-Drohnen, die am Markt kaum verfügbar sind. Für die meisten Piloten aktuell keine Option.
  • PDRA ist eine echte Alternative, wenn dein Einsatz in eines der fünf vordefinierten Szenarien passt und du einen kontrollierten Bodenbereich garantieren kannst.
  • LUC richtet sich an Großunternehmen mit sehr hoher Einsatzfrequenz und ist für Einzelpiloten und kleine Betreiber weder zugänglich noch wirtschaftlich.
  • Für flexible, wechselnde oder komplexe Einsätze in der Specific-Kategorie bleibt SORA der Standardweg – aufwändig, aber mit der größten Freiheit.
  • Es lohnt sich, PDRA als Option zu prüfen, bevor du direkt in den SORA-Prozess einsteigst. Im besten Fall sparst du erheblich Zeit und Aufwand.

Nächste Schritte

Du hast geprüft und keine der Alternativen passt? Dann ist unser [SORA-Antrag Leitfaden] dein nächster Anlaufpunkt – dort findest du den gesamten Prozess Schritt für Schritt erklärt.

Wenn du dir noch unsicher bist, ob du überhaupt SORA brauchst, hilft dir unser Artikel Wann muss ich SORA machen? mit einer konkreten Checkliste und einem Entscheidungsbaum weiter.

Für die Erstellung deiner SORA-Risikobewertung unterstützt dich unser Tool wingman Schritt für Schritt bis zur Antragstellung bei der Behörde.

Alle offiziellen Informationen zu den Standardszenarien und Betriebsgenehmigungen findest du direkt beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA).

Häufige Fragen zu SORA-Alternativen

Kann ich SORA komplett vermeiden?

Ja, theoretisch schon, wenn dein Einsatz exakt in ein STS- oder PDRA-Szenario passt. In der Praxis trifft das aber nur auf einen kleinen Teil der Einsätze zu – vor allem bei standardisierten, wiederkehrenden Aufgaben mit kontrolliertem Bodenbereich. Für flexible oder individuelle Einsätze ist SORA in der Regel der einzige Weg.

Lohnt sich das STS-Zertifikat, auch wenn ich kein STS nutzen kann?

Ja. Das STS-Fernpilotenzeugnis gilt als anerkannte Qualifikation für SORA-Einsätze bis SAIL III und wird vom LBA als Nachweis der theoretischen und praktischen Kompetenz akzeptiert. Die Investition in die Ausbildung zahlt sich also auch auf dem SORA-Weg aus.

Was ist einfacher: PDRA oder SORA?

PDRA ist weniger aufwändig, weil die Risikobewertung bereits vordefiniert ist. Du musst nachweisen, dass dein Einsatz in den PDRA-Rahmen passt, und ein Betriebshandbuch erstellen. Bei SORA erstellst du die komplette Risikobewertung selbst. Der Unterschied liegt vor allem in der Bearbeitungszeit: Mehrere Wochen bei PDRA gegenüber rund 24 Wochen bei SORA.

Kann ich PDRA und SORA gleichzeitig nutzen?

Ja. Viele professionelle Drohnenpiloten haben mehrere Genehmigungen parallel – etwa PDRA für wiederkehrende Standardeinsätze und SORA für individuelle Projekte. Das ist ein praxiserprobter Ansatz, um je nach Einsatz den effizientesten Weg zu nutzen.

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Mein Name ist Dimitri Wolf, ich arbeite als Plattform- und Content-Manager bei skyzr und beschäftige mich seit 2016 mit Drohnen. Mit meinen Beiträgen möchte ich dir helfen, die teils komplexen Themen rund um Drohnen besser zu verstehen und dein Wissen und Können zu erweitern, damit du es praktisch anwenden kannst.
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