SORA Schritt 5 – Bestimmung der finalen Air Risk Class (ARC)

Mario Marek
7 Min. Lesezeit

Nachdem wir in SORA Schritt 4 die Initial Air Risk Class (ARC-initial) bestimmt haben, geht es jetzt ans Eingemachte: Wir wollen wissen, wie hoch das tatsächliche Luftrisiko unserer Drohnenoperation ist – also unter Berücksichtigung der Maßnahmen, die wir treffen, um Kollisionen mit bemannten Luftfahrzeugen zu vermeiden.

In Schritt 5 bestimmen wir daher die finale Air Risk Class (ARC-final). Sie bildet den realistischen Sicherheitsstand unserer Mission ab – nach Umsetzung aller geplanten Mitigationsmaßnahmen.

Vom theoretischen Risiko zur realistischen Einschätzung

Die ARC-initial zeigt uns, wie riskant ein Flug wäre, wenn wir nichts weiter tun würden, um das Risiko zu senken.

Doch natürlich treffen wir Maßnahmen: Wir wählen den Luftraum gezielt, begrenzen Flughöhen, nutzen U-Space-Dienste oder setzen Technik ein, die bemannten Verkehr erkennt.

Diese sogenannten Risikominderungen (Mitigations) bewerten wir nun in Schritt 5. Ziel: Die ARC-initial kann – sofern die Maßnahmen wirksam sind – zu einer niedrigeren ARC-final führen.

Welche Mitigations wirken sich auf die ARC aus?

Die SORA unterscheidet zwischen strategischen und taktischen Mitigationsmaßnahmen.

Strategische Mitigations

Diese wirken präventiv, bevor der Flug überhaupt startet. Sie reduzieren die Wahrscheinlichkeit, dass bemannter Verkehr im Einsatzgebiet auftaucht:

  • Flug in geographischen Zonen mit niedriger Verkehrsdichte
  • U-Space-Reservierungen oder Flugfreigaben
  • Durchführung in Zeiträumen mit wenig bemanntem Verkehr (z. B. außerhalb von Rush-Hours)
  • Höhenbeschränkung auf 120 m oder darunter

Je nach Kombination und Nachweis der Wirksamkeit kann die ARC um eine oder mehrere Stufen gesenkt werden – etwa von ARC-c auf ARC-b oder sogar auf ARC-a.

Taktische Mitigations

Diese greifen während des Fluges:

  • Einsatz von Spottern / Airspace Observers (AO)
  • Nutzung von Detect-and-Avoid-Systemen (DAA)
  • Transponder- oder ADS-B-Out-Systeme, um für bemannten Verkehr sichtbar zu sein

Die taktischen Mitigationen werden in Schritt 6 der SORA (TMPR) noch genauer ausgeführt, haben jedoch alleine keine Auswirkung auf die initiale Luftrisikoklasse.

Von der initialen zur finalen Air Risk Class

Die finale ARC ergibt sich im Grunde aus der Formel:

ARC-final = ARC-initial – nachgewiesene wirksame Mitigations

Aber: Jede Reduktion muss begründet und dokumentiert sein.
Die Maßnahmen müssen:

  1. nachweislich wirksam sein,
  2. verlässlich umgesetzt werden, und
  3. auf realistischen Annahmen beruhen.

Absenken der ARC durch betriebliche Einschränkungen

Betriebsbeschränkungen werden vom UAS-Betreiber kontrolliert und sollen das Risiko eines Zusammenstoßes vor dem Start mindern. Sie sind das wichtigste Mittel, das ein UAS-Betreiber anwenden kann, um das Kollisionsrisiko durch strategische Minderung(en) zu verringern. Die gebräuchlichsten Minderungen durch Betriebsbeschränkungen sind:

  • Minderung(en), die das geografische Volumen begrenzen, in dem das UAS operiert (z. B. bestimmte Grenzen oder Luftraumvolumen); und
  • Minderung(en), die den Betriebszeitraum begrenzen (z. B. Beschränkung auf bestimmte Tageszeiten, wie das Fliegen nur nachts).

Ein weiterer Ansatz zur Begrenzung der Gefährdung ist die Begrenzung der Gefährdungsdauer. Dies wird als „Risikominderung durch Exposition“ bezeichnet. Bei der Risikominderung durch Exposition wird einfach die Gefährdungsdauer gegenüber dem operationellen Risiko begrenzt.

Senkung der ARC durch allgemeine Strukturen und Regeln

Das maximale Ausmaß der ARC-Reduzierung durch strategische Minderung unter Verwendung gemeinsamer Strukturen und Regeln ist um eine ARC-Stufe.

Gleichfalls ist keine Absenkung möglich, wenn im Betriebsgebiet bereits bemannte Luftraumregeln und durch Vorschriften definierte Strukturen vorhanden sind.

Ein häufiger Fehler: Die Mitigations werden zwar aufgelistet, aber ihre tatsächliche Wirkung bleibt unklar. Die Behörde will nachvollziehen können, wie genau eine Maßnahme das Risiko reduziert.

Praxisbeispiele – So wirkt sich Schritt 5 in der Realität aus

Beispiel 1: BVLOS-Flug im unkontrollierten Luftraum über Agrarflächen

  • ARC-initial: ARC-c (mäßiges Risiko)
  • Mitigations: Einsatz von Spottern, Flug unter 100 m AGL, Flüge nur bei guter Sicht, Gebiet mit geringem bemannten Verkehr
  • ARC-final: Reduktion auf ARC-b möglich

➡️ Begründung: Durch Spotter und niedrige Flughöhe wird das Kollisionsrisiko mit bemanntem Verkehr deutlich reduziert.

Beispiel 2: BVLOS-Flug entlang einer Stromtrasse in der Nähe eines Regionalflughafens

  • ARC-initial: ARC-d (hohes Risiko)
  • Mitigations: Koordination mit ATC, Nutzung von Luftraumfreigaben, Transponder aktiv, U-Space-Reservierung
  • ARC-final: Reduktion auf ARC-c

➡️ Hier ist das Grundrisiko hoch, aber durch enge Abstimmung mit der Flugsicherung und elektronische Sichtbarkeit kann das Risiko auf ein vertretbares Maß gesenkt werden.

Beispiel 3: VLOS-Flug in städtischem Gebiet mit dichter Infrastruktur

  • ARC-initial: ARC-b
  • Mitigations: Kein BVLOS, Flug unter 50 m, Nutzung geographischer Zone mit Flugverbot für bemannte Luftfahrt
  • ARC-final: Reduktion auf ARC-a

➡️ Da der Flug innerhalb der Sichtweite und in einem Luftraum mit sehr geringem bemannten Verkehr stattfindet, ist das verbleibende Risiko minimal.

Tipps aus der Praxis

Unsere Erfahrung zeigt:

  • Dokumentiere genau, wie jede Maßnahme wirkt – idealerweise mit Daten, Verfahren oder Nachweisen.
  • Denke realistisch: Eine Maßnahme, die in der Theorie funktioniert, muss auch praktisch umsetzbar sein.
  • Beziehe die Einsatzumgebung mit ein – Spotter bringen nichts, wenn sie durch Gebäude oder Gelände eingeschränkt sind.

Ein sauber dokumentierter Schritt 5 macht den Unterschied zwischen einer schnellen Genehmigung und langen Rückfragen durch die Behörde.

FAQ – Häufige Fragen zur finalen ARC

Was passiert, wenn keine Mitigation möglich ist?
Dann bleibt die ARC-final gleich der ARC-initial – es erfolgt keine Reduktion.

Wie stark darf ich die ARC reduzieren?
In der Regel ist eine Reduktion um maximal zwei Stufen möglich, abhängig von der Qualität und Nachweisführung der Maßnahmen.

Spielen Detect-and-Avoid-Systeme eine große Rolle?
Ja! Sie gehören zu den wirksamsten Mitteln, um das Luftrisiko aktiv zu senken – vorausgesetzt, sie sind technisch ausgereift und validiert.

Zählen organisatorische Maßnahmen auch?
Ja. Eine klare Flugplanung, Kommunikationsverfahren oder Notfallroutinen können das Risiko ebenfalls messbar senken – wenn sie dokumentiert und überprüfbar sind.

Zusammenfassung

Mit SORA Schritt 5 kommen wir der Realität unserer Drohnen Mission ein Stück näher:
Wir betrachten nicht mehr nur das theoretische Risiko, sondern zeigen, wie unsere strategischen und taktischen Maßnahmen das tatsächliche Luftrisiko beeinflussen.

Die finale Air Risk Class ist somit das Resultat einer sorgfältigen Analyse, klarer Nachweise und gelebter Sicherheitskultur – und ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur erfolgreichen SORA-Genehmigung.

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