Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein technischer Defekt oder eine Windböe – und deine Drohne landet im Wasser. Was jetzt zählt: Schnelles, richtiges Handeln.
Kurz gesagt: Hole die Drohne sofort aus dem Wasser, entferne umgehend den Akku und schalte sie auf keinen Fall ein. Lass alle Komponenten mindestens 48–72 Stunden vollständig trocknen, bevor du einen Startversuch wagst. Bei Salzwasser musst du zusätzlich mit destilliertem Wasser spülen.
Die wichtigsten Sofortmaßnahmen
Wenn deine Drohne ins Wasser fällt, entscheiden die nächsten Minuten über Totalschaden oder Rettung. Befolge diese Schritte in genau dieser Reihenfolge:
- Drohne sofort bergen – Je kürzer der Wasserkontakt, desto besser die Chancen.
- Akku entfernen – Noch bevor du die Drohne abtrocknest. Das ist die wichtigste Maßnahme, um Kurzschlüsse zu verhindern.
- Nicht einschalten – Auch nicht „nur kurz zum Testen“. Ein Einschaltversuch bei Restfeuchtigkeit kann irreparable Schäden verursachen.
- Äußerlich trocknen – Mit einem fusselfreien Tuch vorsichtig abtupfen. Dabei die Drohne so halten, dass Wasser aus Öffnungen ablaufen kann.
- Soweit möglich zerlegen – Propeller abnehmen, Gimbal-Abdeckung entfernen, SD-Karte herausnehmen. Je mehr Luft an die Komponenten kommt, desto besser.
- Trocknen lassen – Mindestens 48–72 Stunden, besser 5 Tage. Erst danach einen vorsichtigen Startversuch mit vollgeladenem Akku wagen.
💡Wichtig bei Salzwasser: Spüle die Drohne unmittelbar nach der Bergung gründlich mit destilliertem Wasser ab. Salzrückstände sind deutlich korrosiver als Süßwasser und können auch nach dem Trocknen noch Schäden verursachen.
Was du beim Trocknen vermeiden solltest
Einige gut gemeinte Maßnahmen richten mehr Schaden an, als sie nutzen:
Föhn oder Heizung: Die Hitze kann empfindliche Elektronik beschädigen. Außerdem bläst ein Föhn das Wasser möglicherweise tiefer ins Gehäuse.
Reis als Trockenmittel: Entgegen dem weit verbreiteten Tipp raten Experten und Hersteller wie Apple mittlerweile davon ab. Reis nimmt Feuchtigkeit nur geringfügig auf, kann aber klebrige Rückstände hinterlassen und in Öffnungen gelangen.
Besser geeignet: Kieselgel (Silica-Gel) – die kleinen Päckchen, die oft Elektronik-Verpackungen beiliegen. Lege die zerlegte Drohne zusammen mit mehreren Kieselgel-Päckchen luftdicht in eine Tüte oder Box.
Für Fortgeschrittene: Isopropanol-Reinigung
Wer technisch versiert ist, kann die Platinen zusätzlich mit 99%igem Isopropanol (aus der Apotheke) reinigen. Der Alkohol verdrängt Wasserreste und verdunstet rückstandsfrei. Diese Methode wird auch von professionellen Reparaturdiensten angewendet.
Wichtig: Das Display und den Akku niemals in Isopropanol legen. Diese Methode erfordert Erfahrung im Umgang mit Elektronik.
Prävention: Rettungssysteme für Flüge über Wasser
Wenn du regelmäßig über Wasser fliegst, kannst du dich mit speziellen Rettungssystemen absichern:
Restube Automatic (ca. 80–100 €): Eine kompakte Rettungsboje, die sich bei Wasserkontakt innerhalb von Sekunden automatisch aufbläst. Mit 200–240 g Gewicht und 7,5 kg Auftrieb geeignet für die meisten Consumer-Drohnen bis zur Mavic-Klasse.
CopterGUARD (ca. 390 € netto): Ein professionelles System für schwerere Drohnen zwischen 3 und 7 kg. Mit 300 g Eigengewicht und bis zu 8 kg Auftriebsleistung. Entwickelt und gefertigt in Deutschland.
GetterBack (ca. 40 $): Ein tiefenaktiviertes System, das ursprünglich für Angelruten entwickelt wurde. Wichtig zu wissen: Es aktiviert sich erst ab etwa 2 Metern Wassertiefe. Bei flacheren Gewässern bleibt es wirkungslos. Über Amazon auch nach Deutschland lieferbar.
Wann du zum Profi solltest
Nicht jeder Wasserschaden lässt sich selbst beheben. In diesen Fällen ist professionelle Hilfe sinnvoll:
- Die Drohne startet nach 5 Tagen Trocknung nicht
- Du bemerkst Fehlfunktionen (Gimbal, Sensoren, Motoren)
- Es handelt sich um eine teure Drohne mit hohem Wiederbeschaffungswert
- Du hast wichtige Flugdaten auf der internen Speicherung
Spezialisierte Reparaturdienste können Platinen professionell reinigen und defekte Komponenten austauschen. Die Kosten für eine Wasserschaden-Reparatur beginnen meist bei 50–100 € für die Diagnose.
Versicherung: Was deckt den Wasserschaden ab?
Die gesetzlich vorgeschriebene Drohnen-Haftpflichtversicherung deckt keine Eigenschäden. Für Wasserschäden an der eigenen Drohne benötigst du eine Kaskoversicherung oder herstellerspezifische Programme wie DJI Care Refresh.
Wichtig: Viele Versicherer verlangen, dass die Drohne zur Begutachtung vorgelegt werden kann. Ein Rettungssystem kann sich also auch aus versicherungstechnischen Gründen lohnen.
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